833
Am Feier,
in der Krippe und betrachte seine Liebenswürdig-keit und Sanftmuth! Er wollte ein Kind werden,»in sich uns in seiner ganzen Liebenswürdigkeit undSanftmuth zeigen zu können. Falle anbctend nieder,m. Ehr.! vor diesem liebenswürdigen Jesukindlein; stimmeein in den Lobgesaug der heiligen Engel und gelobefeierlich, daß auch du von mm an um deines Heilandeswillen arm werden wollest, wenigstens arm im Geiste,und sanftmüthig vom Herzen; bitte ihn hiezu umseine Gnade mit dem:
Gebete der Kirche. Gib uns, allmächtigerGott! daß uns heute das neue Licht deines Wortes,welches Fleisch geworden ist, mit seiner Fülle durch-leuchte, und so, was durch den Glauben in uns er-glänzet, durch unsere Werke an uns wiederglänze —durch denselben Christum, unser» Herrn. Amen.
DreilMdertmldsechzigstes Lesestülk.
Am Feierabende des 26. Dezember.
Bon den acht Seligkeiten, und zwar von der dritten und vierten.Fr. Wie heißt die dritte der acht Seligkeiten?Antw. „Selig sind die Trauernden; denn siewerden getröstet werden."
Mehler, Hausbuch.
e des 26. Dezember.
Belehrung und Beispiele. Unter Trauerndensind Jene zu verstehen, welche über ihre eigenen Sündenweinen und ein bußfertiges Leben führen, dann aber auchJene, welche über die Sünden Anderer weinen. Also nichtdie Trauer der Welt, die in uns wegen leiblicher Schmerzenoder irdischer Nachtheile entsteht, wird selig gepriesen; esist dicß vielmehr jene heilige Trauer, jener nie erlöschendeSchmerz über unsere eignen Sünden, sowie über die SündenAnderer. Von dieser heiligen Trauer war erfüllt David;denn die Erinnerung, daß er gesündigt und seinen Gottverloren habe, preßte ihm bei Tag und Nacht die bitterstenThranen aus. Mit weinenden Augen flehte er immerdar zuGott: „Erbarme dich meiner, o Gott! nach deiner großenBarmherzigkeit, und nach der Fülle deiner Erbarmungcn tilgemeine Missethat!" (Ps. 50.) — Von dieser heiligen Trauerwar auch Petrus erfüllt. Er hatte seinen Herrn undMeister verrathen; kaum aber hatte ihm der Herr einmal einenBlick der Liebe zugeworfen, als er hinausging und bitterlichweinte. Und von nun an beweinte er dieses sein Verbrechenimmerfort, so daß der heilige Augustin ausruft: „Petrussündigte nur einmal und weinte immer; und wir sündigenimmer und weinen niemals." — Auch Magdalena, diegroße Büsserin, wusch ihre Sündenschuld mit reichen Thräncntiefer Reue ab und erschwang sich so in die Reihen jenerTrauernden, die der Herr selig preist. (Sieh das nach-folgende Bild!)
Fr. Welcher Lohn wird Denen zu Thcil werden,die da trauern und weinen ihrer Sünden wegen?
Antw. Ihr Lohn wird sein: Verzeihung, voll-kommene Versöhnung mit Gott, süßer Trost im Lebenund himmlische Tröstungen in der Ewigkeit; „denn sicwerden getröstet werden."
Belehrung und Beispiel. Den Trauernden undWeinenden wird also vor Allem Verzeihung ihrerSünden und vollkommene Versöhnung mit Gottzu Theil; denn die Thränen der Buße waschen die Sündenab; sie tilgen unsere Schuld, heilen unser krankes Herz undmachen unS wohlgefällig in den Augen Gottes. Welch einsüßer Trost ist schon dieses! Aber noch mehr! Die da trauernund weinen um ihrer Sünden willen, empfinden schon im Lebenunbeschreibliche Tröstungen des heiligen Geistes; ja, wennes eine wahre Freude, einen wahren Trost in der Welt gibt,so fühlen ihn Diejenigen, die da trauern und weinen. Nurwer diese Tröstungen empfunden hat, Der kennt sie; weraber noch nie getrauert, noch nie geweint hat, wie die vom
105