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Viertes Hcniptstück. Von den acht Seligkeiten, und zwar von den ersten zwei.
„das Erdreich besitzen" d. h. sie wer-den die Liebe und das Wohlgefallen Got-tes und der Menschen gewinnen. „DerSanftmüthige," schreibt der heilige Ehrh -sostomus, „weiß die Gemächer so zugewinnen, daß er daraus alle Bitterkeitverbannt, welche darin Schmach oder Feind-schaft bereitet haben mag." Und der weiseSirach sagt (45, 1.): „Gott und dieMenschen lieben ihn."
Beispiel und Anwendung. Wie
sehr der Sanftmüthige selbst die erbittert-sten Gemächer zu gewinnen weiß, zeigtuns folgende Begebenheit. Ein Geistlichererhielt einst den Auftrag, in einer großenStadt Almosen für die Armen einzu-sammeln, was er auch mit seiner ge-wöhnlichen, jedoch seltenen Demuth undNächstenliebe that. Da er nun in einenGasthof kam, seine demüthige Bitte vor-zutragen, und einem Tische sich näherte,die Gabe der Barmherzigkeit zu empfangen,ward einer der Gäste entrüstet, sing an,empörende Reden gegen den ehrwürdigenStand des Einsammlers auszustoßen, und spie ihm endlichschamlos in's Angesicht. Der Gottesmann aber sprach, heiterwie ein Engel lächelnd: „Lieber Herr! Sie waren nun sogütig, mir zu geben, was mir gebührt, und ich danke Ihnen;bitte Sie aber auch nun um eine Gabe für die Armen!"— Der Lästerer ward von dem Gewichte so großer Demuthund Sanftmuth zermalmt, blickte versteinert zu dem Bittendenauf, fand kaum Worte, ihn um Verzeihung zu bitten, undder Diener Gottes ging mit reichen Geschenken für seineArmen davon. — So rührend nun aber auch dieser Zugchristlicher Sanftmuth ist, so ist er doch nur ein schwachesBild von der Sanftmuth und Liebe Dessen, der heute zurWelt geboren worden ist.
Legende: Die glorreicheGeburt unsersHerrnund Heilandes Jesus Christus.
Eile hin, m. Chr.! zur Krippe in Bethlehem undbetrachte da das arme und sanftmüthige Jesu-kindlein! Siehe, wie es so ganz arm geworden istaus Liebe zu uns, um uns Alle reich zu machen! Eshat die Herrlichkeit des Himmels verlassen und die Glorieseines Vaters vertauscht mit diesem irdischen Thränen-thale, und kaum hat es eine Herberge gefunden auf derweiten Erde; ein Stall ist seine Wohnung, eine Krippeseine Lagerstätte, Windeln sind sein Gewand und zweivernunftlose Thiere seine Umgebung. Welch ein uner-reichbares Muster und Vorbild von freiwilliger Armuth!— Und blicke wiederum hin auf den neugeboruen Heiland
ich gefaßt habe. Der Mann, der deine Schwester zur Ehegenommen hat, der soll keine Mitgift erhalten; die Schön-heit meiner Tochter soll das Einzige sein, was er bekommt.Wer aber dich zur Gemahlin erwählt, Dem will ich meinganzes Reich zum Erbe geben." — Der König ist Gott,die schöne Tochter die Welt; die sie lieben, erhalten keinanderes Erbe. Die Häßliche ist die Armuth, sie wird ge-flohen und gemieden. Die sie lieben, werden Erbendes großen, herrlichen Reiches; denn „ihrer istdas Himmelreich." — Hat dicß nicht jener armeLazarus erfahren, der gerne mit den Brosamen, welchevom Tische des reichen Prassers sielen, seinen Hunger gestillthätte? WaS geschah bei seinem Tode? Die Engel Gotteskamen und trugen ihn hinüber in den Schooß Abrahams,in das Himmelreich. (Sieh das obige Bild!) Der reichePrasser aber wurde in die Hölle begraben.
Fr. Wie heißt die zweite der acht Seligkeiten?
Antw. „Selig sind die Sanftmnthigen; denn siewerden das Erdreich besitzen."
Belehrung. Sanftmüthig sind alle Jene, welcheliebreich und geduldig sind bei fremden Fehlern sowohl, alsauch bei Beleidigungen und Verleumdungen, die ihnen zuge-fügt werden. Diese werden als Lohn ihrer Sanftmuth