828 Viertes Hauptstück. Vom letzten der drei evangelischen Räthe und von der Vollkommenheit im weltlichen Stande.
Herold des himmlischen Königs zu sein, und durch die Taufeihn zum hohenpriesterlichen Amte zu weihen, lebte stets jung-fräulich. — Dem Nathe und Beispiele Jesu Christi folgtenauch die Apostel. Bon dem Lieblingsjünger Johanneswissen wir, daß er lebenslänglich die Jungfrauschaft hielt.Auch der heilige Apostel Paulus hat die stete Keuschheitgehalten und wünscht, daß alle Menschen wären, wie erselbst. — Und wie viele Christen lebten nicht in ewigerKeuschheit! Ja, viele Jungfrauen opferten lieber Blut undLeben, als die heilige Tugend der Reinigkeit.
Legende: Die heilige Jungfrau und Mär-tyrin Viktoria (fl 253).
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Unter diesen heldenmüthigen Jungfrauen steht mitoben an die heilige Viktoria, deren Fest gerade aufden heutigen Tag fällt. Viktoria, eine edle, christ-liche Jungfrau, geboren zu Tivoli bei Rom, zeichnetesich durch reinen, gottesfürchtigen Wandel und trefflicheGeistesgaben, sowie durch blühende Schönheit unterihren Altersgenossinen aus. Ein ebenbürtiger Jüngling,Eugenius mit Namen, zwar ein Heide, aber von un-takelhaften Sitten, warb um ihre Hand, erhielt dieZusage der Eltern, und auch sie war dieser Verbindungnicht abgeneigt, weil sie der frohen Hoffnung lebte, denVerlobten für das Christenthum zu gewinnen. Da trafes sich nun eines Tages, daß sie ihre Freundin Ana-tolia ein eheliches Bündniß einzugehen bewegen sollte;allein diese brachte es dahin, daß Viktoria selbst derbevorstehenden Verehelichung entsagte und ebenfalls dasGelübde ablegte, dem Herrn in unversehrter Reinigkeitzu dienen. Ihr Bräutigam versuchte Alles, sie auf an-dere Gedanken zu bringen, verklagte sie bei der heid-nischen Obrigkeit, daß sie ihren Verlobuugsvertrag nicht
halten wolle und sich zum christlichen Glauben bekenne,und erhielt die Vollmacht, sie zu sich zu nehmen unddurch jedes Mittel zur Einwilligung in die Heirath undzum Abfalle vom Christenthume zu bewegen. Obwohlsie jetzt von ihm alle möglichen Unbilden zu leiden hatte,so wollte sie doch lieber das Härteste dulden und Allesverlieren, als der jungfräulichen Reinigkeit entsagen.Gott hatte großes Wohlgefallen an seiner treuen Brautund begnadigte sie mit der Gabe, Wunder zu wirken.Es wurde ihr auch von ihrem Quäler mit der Zeitwiederum einige Freiheit gestattet, die sie aber nur dazubenützte, eine große Anzahl Jungfrauen nicht nur fin-den wahren Glauben, sondern auch für stete Bewahrungder Reinigkeit zu gewinnen. Da erwachte die Wuth derFeinde des christlichen Glaubens auf's Neue, und sie er-dolchten die standhafte Jungfrau am 23. Dezember 253.
Gebet. O Gott! verleihe uns auf die Fürbittedeiner heiligen Jungfrau und Marthrin Viktoria dieGnade, dem Leibe und der Seele nach stets rein undunbefleckt zu leben und arm in der Welt zu sein, um einstreich im Himmel zu werden, durch Christum, unfernHerrn. Amen.
Dreihundertachtundsünfzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 24. Dezember.
Vom letzten der drei evangelischen Räthe und von der Vollkom-menheit im weltlichen Stande.
Fr. Worin besteht der letzte der drei evangelischenRäthe: der vollkommene Gehorsam unter ei-nem geistlichen Obern?
Antw. Er besteht darin, daß der Mensch seinemeignen Willen entsage, um desto sicherer unter einemgeistlichen Obern, der die Stelle Gottes vertritt, dengöttlichen Willen zu vollziehen.
Belehrung. Zu diesem Gehorsame ermuntert dergöttliche Heiland seine Jünger und uns Alle, indem er spricht(Matth. 16, 24.): „Wenn mir Jemand Nachfolgen will, soverläugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich undfolge mir nach!" — Und wie angenehm Gott dem Herrndiese Tugend des Gehorsams sei, das ersehen wir schon ausden Worten des A. T., die im ersten Buche der Könige(15, 22.) geschrieben stehen: „Gehorsam ist besser als Opfer,und Folgsamkeit ist mehr, als das Fett der Widder opfern,"und der heilige Thomas zeigt uns dieß in den Worten:„Gott ist Nichts angenehmer, als wenn ein Mensch seineneigenen Willen um des Herrn willen verläßt, und mit