Am Feierabende des 21. Dezember.
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Meines Herzens Gott und mein Theil ist Gott in Ewig'
keit." (Ps. 72, 25 — 26.)
Beispiel und Anwendung. Dem heiligen Ein-siedler Arsen ins (sieh das obige Bild!) war eine be-trächtliche Erbschaft zugefallen, und das darauf bezüglicheTestament durch einen Hofbeamten zugeferligt worden. —Der Heilige aber weigerte sich standhaft, das ihm zugedachteGut anzunehmen, indem er sagte: „Ich bin vor meinemVerwandten bereits gestorben, und kann demnach unmöglichsein Erbe sein! Gott allein ist mein Erbtheil und der Ge-genstand meiner Liebe." — Dieser Heilige hatte sonach dieHöhe der Vollkommenheit erstiegen; denn er war frei vonunordentlicher Welt- und Selbstliebe und liebte Gott überAlles und Alles in Gott.
Fr. Sollen wir Alle nach der unserm Standeangemessenen Vollkommenheit streben?
Antw. Ja; dieß fordert 1) Gott selbst vonuns, und 2) unser eigner Vorth eil.
Belehrung. Es ist für uns Alle eine heilige Pflicht,nach der unserm Stande angemessenen Vollkommenheit zustreben. Hiezu fordert uns sowohl Gott, als auch unsereigner Vortheil auf. 1) Gott der Herr nämlichverlangt von uns ausdrücklich, daß wir vollkommen seinsollen, indem er spricht: „Seid vollkommen, wie euer Vaterim Himmel vollkommen ist!" (Matth. 5, 48.) und wieder-um: „Du sollst Gott deinen Herrn lieben aus deinem ganzenHerzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Ge-müthe, aus allen deinen Kräften." (Mark. 12, 30.)Was heißt das anders, als daß wir Gott vollkommen
lieben, ihm vollkommen dienen, atso vollkommen seinsollen? Dann fordert uns aber auch 2) unser eignerBortheil zum Streben nach Vollkommenheit aus; denn jeheiliger unser Leben auf Erden ist, desto größer wird aucheinst unsere Glorie im Himmel sein; wenn wir uns hin-gegen nicht befleißen, im Guten stets zuzunehmcn, so werde»wir auf dem Wege der Tugend immer weiter rückwärtskommen, leicht aber in schwere Sünden und endlich in'sewige Verderben gerathen. „Denn Jedem, der da hat,"sagt der göttliche Heiland (Matth. 25, 29.), „wird gegeben,daß er im Ueberfluß habe: wer aber nicht hat, Dem wirdauch Das, was er zu haben scheint, genommen werden." —Sonach ist das Fortschreiten im Guten, in der Tugend undVollkommenheit sogar zur Erlangung der Seligkeit noth-wendig. Diese Wahrheit spricht der geistreiche Rodriguezin folgender Weise aus: „Wer selig werden will, vergißtgänzlich das Gute, welches er bisher gethan hat, und er-mannt sich, das zu erstreben, was ihm noch mangelt. Seligist, wer täglich fortschreitet; selig, wer nicht darauf sieht, waser gestern gethan, sondern was er heute thue, um vorwärtszu kommen; selig, wer alle Tage in der Tugend und Voll-kommenheit zunimmt! Und wer ist dieses? Weißt du, wer?Derjenige, welcher nicht beachtet, was er schon Gutes gethan,sondern nur in Erwägung zieht, was er heute Gutes zuthun habe, um neuen Gewinn zu machen, und in derTugend vorwärts zu schreiten."
Fr. Ist es denn auch möglich, daß wir Alle zudieser christlichen Vollkommenheit gelangen?
Antw. Durch Gottes Gnade und unsereeifrige Mitwirkung ist es uns Allen möglich.
Belehrung und Beispiel. Zn jedem Stande undBerufe können wir vollkommen werden; wir dürfen nurunsere Schwäche erkennen und in Demuth mit der göttlichenGnade Mitwirken, d. h. wir dürfen nur die Pflichten unsersStandes und Berufes aus Liebe zu Gott treu erfüllen,dabei aber alles Gute, das wir thun, nur der göttlichenGnade zuschreiben, erkennend, daß wir Alles nur i» demvermögen, der uns stärkt. Dem heiligen Einsiedler An-tonius stieg einst beim Gebete der Gedanke auf, daß erum seiner Frömmigkeit willen wohl nicht weit von der Hei-ligkeit entfernt sei. Da vernahm er eine Stimme vomHimmel, welche sprach: „Antonius! du hast nicht einmaldie Vollkommenheit erreicht, zu welcher ein Gerber in Ale-xandria gelangt ist." Antonius wurde ganz bestürzt,machte sich aber alsbald auf, um diesen vollkommenen