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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Viertes Hauptstück. Von der christlichen Vollkommenheit.

am frühesten Morgen beginnen sie ihr Werk und setzen esbis zum Abend fort; es bleibt ihnen daher Nichts übrigzum Müssigange, so wie es ihnen auch nicht an Gelegenheitzu allerlei Tugendübungen mangelt." Wie tröstlich istdiese Wahrheit für Alle, die im Schweiße ihres Angesichtesihr Brod verdienen müssen! Wie leicht können sie seligwerden, wenn sie fleißig arbeiten und dabei Gott dienen,d. h. wenn sie all ihre Arbeit mit Gott und für Gott ver-richten, wenn sie also arbeiten mit frommer Meinung, ausLiebe zu Gott! Säume nicht, m. Chr.! dir auf solche Weiseden Himmel zu verdienen; bet' und arbeit'! Geh hinzur heiligen Familie zu Jesus, Maria und Josephund lerne von ihnen diese schöne Tugend! (Sieh das voraus-gehende Bild!) Oder gehe hin zum heiligen Dominikusvon Silos, dessen Andenken wir heute feiern; von ihmkannst du lernen, was es heiße, eifrig sein im Gutenund zugleich sanftmüthig und demüthig vonHerzen.

Legende: Der heilige Dominikus von Silos,Abt und Bekenner (st 1073).

Dieser Heilige war der Sohn eines Landmannsnnd erblickte das Tageslicht im Dorfe Cannas in Navarra.Nachdem er in seiner Jugend mehrere Jahre die Heer-den seines Vaters gehütet hatte, wandte er sich aushöherem Antriebe den Studien zu, wurde zum Priestergeweiht und ging alsdann in die Einsamkeit, wo er einganz in Gott verborgenes Leben führte. Bald darnachaber nahm er im Kloster zu St. Aemilian in Spaniendas Ordenskleid und wurde in kurzer Zeit zum Abtedieses Klosters erwählt. Als solcher leuchtete er nunseinen Ordensbrüdern durch sein Beispiel in jeder Tugendvoran, besonders aber in derSanftmuth und im rast-

losen Eifer. Als er den ungerechten Geldforderungenund Erpressungen des Königs Garcias von Navarraentgegeutrat nnd deßhalb sein Kloster verlassen mußte,begab er sich zum Könige von Castilien, Ferdinand I.,der ihm das schon ziemlich in Verfall gerathene KlosterSilos überließ. In kurzer Zeit erhob sich aber unterder vortrefflichen Leitung des heiligen Dominikus diesesKloster zu einer glänzenden Wohnstätte der Tugend,und wurde reich an irdischem und himmlischem Segen.Und dieß Alles wurde unter dem Beistände von Obennur möglich durch die Sanftmuth und den glühendenEifer des heiligen Abtes Dominikus, in welchen bei-den Tugenden er, wie schon oben gesagt, allen seinenOrdensbrüdern als ein Muster vorleuchtete bis an seinseliges Ende, welches am 20. Dezember 1073 erfolgte.

Gebet. Erfülle auch unsere Herzen, o Gott!mit jener Sanftmuth und mit jenem heiligen Eifer, vonwelchem der heilige Dominikus erfüllt war, auf daßwir unter deinem göttlichen Beistände ebenso, wie er,allenthalben irdischen und himmlischen Segen verbreitenmögen, durch Christum, unfern Herrn. Amen.

Dreihundertsünsundfünfzigstes Lesestück.

Am Feierabende des 21. Dezember.

Von der christlichen Vollkommenheit.

Fr. Was versteht man unter christlicher Voll-k o mm e nh e i t?

Antw. Jenen Stand des Lebens und jene Stim-mung des Herzens, durch welche der Mensch sich freierhält von jeder freiwilligen, selbst auch läßlichen Sünde,und in sich ein wirkliches Streben nährt, täglich besserzu werden durch die vollkommene Hebung der in denletzten sieben Lesestücken behandelten christlichen Tugenden nach seinem Beruf und Stande.

Belehrung. Vollkommen ist also jener Christ, welcheralles Böse, selbst auch jede freiwillige läßliche Sünde sorg-fältig meidet, und jede Tugend eifrig übt, der frei ist vonjeder unordentlichen Welt- und Selbstliebe, und Gott überAlles und Alles in Gott liebt.Die christliche Vollkommen-heit," sagt der heilige Franz von Sales,besteht nichtdarin, daß mau die Welt nicht ansehe, sondern, daß mansich in selbe nicht verliebe," d. h. daß man sie nicht unor-dentlich liebe, nicht an ihr hänge. Wer vollkommen seinwill, der muß mit David ausrufen können:Was Hab'ich im Himmel, und was lieb' ich auf Erden, außer dir?