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Am Feierabende des 20. Dezember,
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die uns der göttliche Heiland auf's Nachdrücklichste einschärft,indem er uns Allen zuruft: „Lernet von mir; denn ich binsanftmüthig und demüthig von Herzen." (Matth. 11, 29.)
Beispiele und Anwendung. Die heilige Schriftist reich an edlen Zügen christlicher Sanftmuth. Mosesübertrug volle vierzig Jahre die harten Herzen, das Murrenund die Unarten der Israeliten. — Welch ein Muster vonGeduld und Sanftmuth ist nicht der fromme Dulder Job,an welchem der Teufel alle seine Bosheit erschöpfte, um ihndurch Leiden aller Art zur Ungeduld zu bewegen! So auchTobias. — David wurde von Saul viele Jahre langaufs Heftigste verfolgt (1. Kön. 24, und 26). Sein eignerSohn empörte sich wider ihn und suchte ihn des Reichesund Lebens zu berauben. Dieser große König setzte aberso vielen Widerwärtigkeiten stets standhafte und unüberwind-liche Geduld und Sanftmuth entgegen. Er beweinte bitterden Verlust seines wiewohl ausgearteten Sohnes und wünschtesogar, für sein Heil zu sterben. — Aehnliche Beispiele be-gegnen uns auch im N. T. Mit welcher Sanftmuth undGeduld litt und starb nicht Jesus? Ihm folgte der heiligeStephanus nach, der für seine Steiniger betete, indemer sprach: „Herr, rechne ihnen dieses nicht zur Sünde!"(Apostelgesch. 7, 58—59.) Ebenso sanftmüthig waren auchdie Apostel und alle treuen Nachfolger Christi, unter denenbesonders der heilige Franz von Sales als ein Musterder Sanftmuth hervorragt. Diese Tugend glänzte aufseinem Angesichte, in seinen Worten, in seinen Geberden undin seinen Handlungen. ES läßt der Lobspruch sich auf ihnanwenden, den der heilige Geist von Moses ausspricht: „Erwar der sanftmüthigste aus allen Menschen." Die heiligeFranziska von Chantal sagte von ihm: „Nie sahman ein so sanftmüthiges, so liebliches, so gütiges, so zartesund so freundliches Herz." Als der heilige Vincenz vonPaul ihn das erste Mal sah, glaubte er in der Heiterkeitseines Angesichtes, in der Art seiner Unterredung und inseinem ganzen Benehmen ein lebendiges Bild der Sanftmuth
unsers Herrn Jesu Christi zu sehen. Seine bloßeGegenwart gewann ihm alle Herzen. — O daß doch derheilige Franz von Sales recht viele Nachfolger indieser lieblichen Tugend finden möchte!
Fr. Worin besteht endlich die der Trägheitentgegengesetzte Tugend: der Eifer im Guten?
Antw. Sie besteht darin, daß wir willig undfreudig Gott dienen, seine Ehre nach Kräften be-fördern und alle unsere Pflichten treu erfüllen.
Belehrung. Der Eifer im Guten umfaßt sonacheine doppelte Tugend: 1) den Eifer im Dien steGot-tes und für die Ehre Gottes und 2) den Eifer inErfüllung unsrer Berufs- und Standespflich-tcn, welch letzteren man auch Fleiß und Arbeitsamkeitnennen kann. Zu diesem Eifer im Guten fordert, uns unsereeigene Bestimmung auf, da wir ja auf Erden sind, umGott zu dienen und dadurch selig zu werden, wie dieß schonin der Einleitung durch Beispiele, Gleichnisse und Erklär-ungen hinlänglich gezeigt worden ist. Deßhalb sagt schonder weise Sirach (12, 14.): „Sein Heil wirken und Gottdienen, begreift den ganzen Menschen," und der heiligePaulus ruft uns zu: „Seid nicht träge im Eifer; seidinbrünstig im Geiste; dienet dem Herrn!" (Röm. 12, 11.)Uebcrdieß sind wir ja zur Arbeit geboren, wie der Vogelzum Fluge; und wer nicht arbeiten will, der soll auch nichtessen; wer träge ist, Der wird auch die traurigen Früchte derTrägheit und des Müssigganges ernten.
Beispiele und Anwendung. Treu und eifrig seinim Dienste Gottes und in Erfüllung unsrer Standespflich-ten, oder kürzer gesagt: Beten und Arbeiten — dasmacht uns selig. Der heilige Antonius, allein mitten ineiner ungeheuren Wüste, fühlte sich durch Traurigkeit, durchunreine Gedanken und innere Finsterniß heftig beunruhigt.Da betete er zu Gott: „Herr! ich möchte gerne selig wer-den; aber die Gedanken, welche mich verfolgen, stehen meinemHeile im Wege. Was soll ich in meiner trostlosen Betrüb-niß thun? Wie werde ich selig werden?" — Sogleich erhober sich und begab sich auf seine Zelle. Da erblickte ereinen Mann, welcher da saß und arbeitete und dann wiederbetete. Antonius zweifelte nicht, daß es ein Engel sei,der ihn unterweisen solle in Dem, was er zu thun habe;zugleich vernahm er aus dem Munde dieses Fremdlings dieWorte: „Thue, wie ich, und du wirst selig werden." Undmit diesen Worten verließ der Fremdling die Zelle des Ein-siedlers. — Als einst der selige Robert Bellarmin ge-fragt wurde, welche Klaffe von Menschen am Meisten ge-eignet sei, sich ihrer Seligkeit zu versichern, sagte er: „Die-jenigen, die durch tägliche Arbeit ihr Brod erwerben; denn