Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
819
Einzelbild herunterladen
 

Am Feierabende des 19. Dezember. «i<.

Antw. Sie besteht darin, daß wir allen MenschenGutes gönnen und an Freud und Leid des Nächsten auf-richtig Theil nehmen.

Belehrung und Beispiele.Dich ist die wahreund aufrichtige Liebe," sagt der heilige Bernhard,wennwir die Wohlthaten, welche Andern zu Theil werden, soliebreich und freudenvoll ansehen, als hätten wir sie selbstempfangen." Zu dieser Liebe ermahnt uns der Apostel(Rom. 12, 10. 15.), wenn er sagt:Liebet einander mitwahrhaft brüderlicher Liebe! Freuet euch mit den Fröhlichenund weinet mit den Weinenden!" Diese Tugend derwohlwollenden Liebe zeigte sich ganz besonders bei der freuden-reichen Geburt Johannes des Täufers. Welches Froh-locken entstand da nicht auf dem jüdischen Gebirge! AlleNachbarn von Nah und Fern kamen herbei und stattetenGlückswünsche ab, weil der Herr die vorhin unfruchtbareElisabeth gesegnet hatte. Alle Nachbarn und Verwandtenfreuten sich mit ihr." (Luk. 1, 58.) Mit Wohlgefallen be-trachteten sie das neugeborne Kind, und voll freudiger Hoff-nung riefen sie:Was wird wohl aus diesem Kinde werden?"

(Luk. 1, 66.) Die Liebe machte, daß man der glücklichenMutter das Glück gönnte; und die Hoffnung, davon selbstVorthcil zu ziehen, erfüllte das Herz mit dem süßesten Ver-

gnügen. Welche wohlwollende Liebe zeigte nicht Boozgegen die arme Ruth!Wenn Essenszeit ist," sprach er zuihr,so komm hiehcr und Brod!" Und als sie Aehrensammelte, gab er seinem Knecht den Befehl,hie und dageflissentlich eine Garbe hinzuwerfen, auf daß die arme Ruthsie auflese ohne Scheu." (Ruth 2.) Die ersten Christenzeichnete» sich gleichfalls durch wohlwollende Liebe aus; siekannten keinen Neid und keinen Haß; sie theiltcn Leid undFreud miteinander und waren nur Ein Herz und EineSeele. Selbst die Heiden konnten hierüber ihre Verwunder-ung nicht verbergen.Sehet," sagten sie,wie sie einanderlieben, während wir einander hassen, und wie bereit sie sind,Einer sür den Andern zu sterben, während wir bereit sind,einander zu tödten!" Möchte es doch au dieser wohlwollendenLiebe auch bei uns nicht fehlen!

Fr. Was versteht man unter Mäßigkeit imEssen und Trinken?

Antw. Die Beherrschung unsrer selbst, insbe-sondere unsrer Gaumenlust oder unsrer Gier nach Speisund Trank.

Belehrung.Mäßigkeit," sagt der heilige Thomasvon Aguin,ist eine auf vernünftige Weise geregelte Ent-ziehung der Speisen;"sie ist das Alphabet des geistlichenLebens," fügt der heilige Vinzenz von Paula bei.Wer die Gaumenlust nicht bändigen kann, wird die übrigenLaster schwer überwinden, gegen die man gleichwohl beständigKrieg führen muß, wenn man nicht von ihnen bezwungenwerden will." Daher ruft uns auch der heilige Paulus(Röm. 13, 13.) zu:Lasset uns ehrbar wandeln, nicht inSchmausereien und Trinkgelagen rc." (Von der Mäßigkeitim Essen und Trinken wurde schon beim sechsten Gebote undbeim Fastengebote gesprochen; daher hier nur noch einigeBeispiele.)

Beispiele und Anwendung. In der Tugend derMäßigkeit zeichnete sich Daniel mit seinen drei Gefährten:Ananias, Misael und Azarias aus. Nabuchodonosorbefahl nämlich seinem obersten Kämmerer, aus den KindernIsraels, die er gefangen »ach Babylon gebracht halte, einigevornehme und talentvolle Jünglinge an den königlichen Hoszu bringen. Dieselben sollten daselbst erzogen und gebildetwerden, und täglich sollte man ihnen Speisen und Weinvon der königlichen Tafel reichen. Allein Daniel wolltemit den Speisen von der königlichen Tafel, (unter denenleicht einige den Juden verbotene Vorkommen konnten,) sichnicht verunreinigen und bat den obersten Kämmerer, er möchteihm und seinen drei Gesellen, die eben so, wie er gesinntwaren, statt der Speisen von der königlichen Tafel nur Ge-

103 *