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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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814
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814 Viertes Hauptstnck. Von den vier Cardinaltngenden, und zwar von den letzten zwei: Mäßigkeit und Starkmuth.

gesprossen war, um den guten, von ihmbisher mit Fleiß ausgestreuten Samenzu ersticken. Und wirklich überwand ersich so vollkommen, daß ähnliche Begier-den ihn nicht weiter anfielen; und er-lebte nachher allezeit im höchsten Frieden,als wenn er mit dieser einzigen Ueber-windung alle Lust zum Irdischen völligverbannt, und mit der Abtödtung Einer-alle übrigen bösen Neigungen besiegthätte. Wohl auch uns, m. chr. Leser!wenn wir auf gleiche Weise die Tugendder Mäßigkeit üben, und alle sündhaftenNeigungen in uns siegreich bekämpfen.Nach bestandenem Kampfe wird himm-lischer Friede in unserm Herzen ein-kehren und uns beseligen für Zeit undEwigkeit.

, Fr. Was istdiechristlicheStark-m u! h?

Antw. Sie ist eine Tugenddes Gemüthcs, kraft deren wir unsdurch keine Beschwerden und Ver-folgungen, ja selbst nicht durch denTod von der Ansübung des Guten abschrecken lassen.

Belehrung. Nach der Erklärung des heiligen Au-gustinus ist die Starkmuth eine wohlüberlegte Aufsichnahmeder Gefahren und eine Erduldung der Mühseligkeiten; sieist der königliche Weg, von welchem Derjenige zur Rechtenabweicht, der verwegen ist, und zur Linken Derjenige,welcher furchtsam und voll Schrecken ist." Durchdie Starkmuth erhält die Tugend erst ihre Vollendung undihren Lohn, ohne sie ist man gleichsam nur eine Zeitlang tugendhaft; wo die Starkmuth fehlt, fehlt die Aus-dauer, da wird das Ziel nicht erreicht; es geht da, wie beieinem Schiffer, der zwar den Hafen glücklich erreicht, aberdaselbst Schiffbruch leidet und Alles verliert.Nur wcrausharrt bis an's Ende, Der wird selig." Durch dieseTugend haben sich ausgezeichnet alle heiligen Märtyrer, alleheiligen Büsser und alle frommen Dulder.

Beispiele und Anwendung. Von der Tugend derStarkmuth beseelt, unterzogen sich die sieben Makkabäi-schen Brüder und ihreMutter allen möglichen Strafenund Qualen;sie achteten die Peinen wie Nichts." (2. Makk.7, 12.) Matthatias mit seinen fünf Söhnen wider-setzte sich starkmüthig den sündhaften Anforderungen desgrausamen Königs Antiochus Epiphanes.Wenn auchalle Völker dem Könige Antiochus gehorchen," also sprach dieserGlaubensheld,so daß ein jedes von dem Gesetze seiner

zusehr nach denselben streben, an denselben hängen und unsbei ihrem Verluste nicht übermäßig betrüben; ja, sie zeigtselbst in Ausübung der Tugend die rechte Art und Weiseund das richtige Maß, auf daß man in den Uebnngcn derFrömmigkeit und in den Strengheiten der Busse nicht allzuweit gehe, sondern das gehörige Maß beobachte. Zu dieserTugend der Mäßigkeit fordert uns der heilige Petrus mitden Worten auf:Enthaltet euch der fleischlichen Lüste, welchewider die Seele streiten!" (1. Petr. 2, 11.)

Beispiel und Anwendung. Ein schönes Beispielvon christlicher Mäßigkeit begegnet uns im Leben der All-vater. Da lesen wir von einem gewissen Einsiedler, derdurch einen mit allerlei Kräutern und Gewächsen prangendenGarten ging und eine solche Lust zu einer Gurke bekam,daß er, um seinem gereizten Gaumen zu genügen, solche sichvon dem Gärtner ausbat und sie in seine Zelle brachte.Hier aber erkannte er, wie sehr ihn noch die Eßlust be-herrsche, erzürnte sich über sich selbst und faßte den ernstlichenEntschluß, daß diese Gurke, die ihm ein Anlaß zur Anfecht-ung gewesen, jetzt zum Mittel dienen sollte, dieselbe zu über-winden. Er hing die Gurke an einem Orte auf, wo sicihm allezeit vor Augen war, um durch die tägliche Abtödtungseiner selbst bei Anschauung derselben, ohne sie zu verkosten,sich in eben der Tugend zu befestigen, in der er vorher sichnoch so schwach fand. Nebstdem ließ er keinen Tag vorübergeheu,ohne sich auch noch andere Abtödtungen zur Ausrottung diesesschädlichen Unkrautes aufzulegen, welches unversehens hervor-