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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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812
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812 Viertes Hanptstück. Bonden vierCardinaltugenden, und zwar von den ersten zwei: Klugheit und Gerechtigkeit.

erkennen, und insofern ist sie ein Gnadengeschenk Gottes, einevon Gott eingegossene Tugend. Die Klugheit ist aber aucheine Fertigkeit, das als recht erkannte Gute zu thun und sichdurch keinen Schein trügen zn lassen; und insoferne ist sieeine erworbene oder wirkliche, persönliche Tugend. Durch dieseTugend zeichnete sich schon David ans; denn von ihm heißtes:David ging zn allen Geschäften, wohin Saul ihn schickte,und er benahm sich klug dabei." (1. Kön. 18, 5.) Derägyptische Joseph rettete durch seine Klugheit einganzes Volk vom Hnngertode. Ausgezeichnete Klugheithatte Gott dem weisen Salomon gegeben. Er erprobtedieselbe besonders in dem weisen Urtheile, das er jenen zweiFrauen gesprochen hatte, die sich miteinander um ein Kindstritten. (3. Kön. 3, 5 ff.) Die christliche Klugheit warstets auch allen Heiligen Gottes eigen; durch sie war esihnen möglich, sowohl sich selbst, als auch Andere auf denWeg zum Himmel und zum ewigen Heile zn führen.

Fr. Was soll uns zur Erwerbung dieser Tugendbesonders anspornen?

Antw. Ihre Vortrefflichkeit und Nothwendigkeit;denn was das Auge für die übrigen Sinne ist, das istdie christliche Klugheit für die übrigen Tugenden.

Belehrung. Die christliche Klugheit ist uns ebensonothwendig, als sie vortrefflich ist; denn ebenso wenig manohne Gesicht durch das Leben wandeln und ohne Steuerruderüber das Meer gelangen kann, ebenso wenig wird man ohneKlugheit den Weg zum Himmel finden und darauf wandelnkönnen. Darum nennt der heilige Thomas von Aguiudie christliche Klugheitdas Auge der Seele," und derheilige Bernharddas Steuerruder auf derFahrtdeS Lebens." Der göttliche Heiland aber ermahnt unszu dieser so nothwendigen Tugend mit den Worten:Seidklug wie die Schlangen!" (Matth. 10, 16.)

Beispiel und Anwendung. Einst waren um denheiligen Abt Antonius viele Mönche und Einsiedler derThebais, einer Wüste Aegyptens, versammelt, und in ihrenheiligen Gesprächen kam die Frage zur Sprache, welcheTugend die nothwcndigste sei, um große Fortschritte auf demWege der Vollkommniheit zu machen. Der Eine meinte:Fasten und Wachen; der Andere: Verachtung aller zeitlichenGüter; wieder ein Anderer nannte die Liebe zur Einsamkeit;ein Vierter empfahl die Barmherzigkeit; und so fand jedeTugend ihren Lobredner, und jede wurde als die schnellsteBeförderin auf dem Wege der Vollkommenheit gepriesen.Abt Antonius gab seine Stimme zuletzt.Es haben zwaralle Tugenden, die ihr mir bezeichnet habt, ihr Verdienst und>kr Lob," sprach er;ich habe aber aus den unzählbaren

Fehltritten, die so Viele gethan haben, die Erfahrung gemacht,daß die Klugheit jene Tugend sei, um welche ihr fraget ;denn sie erhält alle Tugenden, leitet alle Tugenden und Hilstzu allen Tugenden. Sobald diese fehlt, so kommt man zumFallen." Wie sehr sollen wir es uns daher nicht ange-legen sein lassen, diese ebenso vortreffliche als uothwendigeTugend zu erlangen! Ja, mit Inbrunst wollen wir zu Gottbeten, daß er uns diese Tugend verleihen wolle, dem Aus-spruche des heiligen Apostels Jakobus folgend, der daschreibt:Wenn Einem von euch Weisheit mangelt, so bitteer Gott, der Allen überflüssig mittheilt; er bitte aber imGlauben, ohne zn zweifeln."

Fr. Worin besteht die Gerechtigkeit?

Antw. Sie besteht darin, daß wir das Gute all-zeit entschieden wollen, und deßhalb stets bereit seien,einen: Jedem zu geben, was wir ihm schuldig sind.

Belehrung. Da von dieser Tugend bereits imsiebenten Gebote Gottes die Rede war, so kann ich michhier etwas kürzer fassen. Ich sage also: Gerecht ist Der-jenige, der stets und überall das Rechte will, und auchstets und überall gerecht handelt ohne Rücksicht derPerson. Diese Gerechtigkeit zerfällt in die austheilende,die Jedem gibt, was ihm gebührt, dem Ausspruche desHerrn gemäß:Gebet Gott, was Gottes ist, und demKaiser, was des Kaisers ist" (Matth. 22, 21.); und indie strafende, welche die verübten Bosheiten züchtigt nachRecht und Gesetz ohne Rücksicht der Person. Auch dieseCardinaltugend ist ebenso nothwendig, als vortreff-lich. Sie ist nothwendig für Völker und Staaten; dennohne Gerechtigkeit ist kein Menschenleben, kein Eigenthmnsicher, keine Ruhe und Ordnung möglich.Schaffe dieGerechtigkeit hinweg," sagt der heilige Augustinus,wassind dann Königreiche anders, als schlechte Staaten?"Diese Tugend der Gerechtigkeit ist aber auck eine vortreff-liche Tugend; denn sie macht uns Gott ähnlich und Gott wohlge-fällig; darum steht geschrieben:Der Herr ist bei dem Ge-schlechts der Gerechten" (Ps. 13, 6.),die Augen desHerrn sehen auf den Gerechten, und seine Ohren hörenauf seiue Bitten." (Ps. 33, 16.) Ja, wer Gerechtigkeitübt, ist sogar Gott ähnlich; denn er ahmet Gott nach, dessenFreude es ist, wie er selbst sagt,Barmherzigkeit zuüben und Gericht und Gerechtigkeit."

Beispiele und Anwendung. Die christliche Gerech-tigkeit ist wahrhaft eine erhabene, Gott dem Herrn äußerstwohlgefällige Tugend; daher ruht auch Gottes Schutz undSegen auf allen Gerechten. Wir sehen dieß schon im A. T.in der Geschichte Daniels, der die keusche Sufanna gegenihre ungerechten Ankläger und Richter in Schutz nahm.