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Am Feierabende des 16. Dezember.
magd Christians, deren Andenken heute in der Kirchegefeiert wird, von Oben ausgerüstet war, und in denensie Trost und Stärke fand im Leben und im Sterben.Das Marthrokogium sagt von dieser Heiligen ganz kurzund einfach: „Jenseits des schwarzen Meeres bei denJberiern lebte eine heilige Dienstmagd, Christians,welche zur Zeit Constantiu's jenes Volk durch die Kraftder Wunderwerke zum christlichen Glauben brachte." —Diese Heilige wurde von den Seeräubern an der grie-chischen Küste gefangen, und als Sklavin nach Jberienverkauft. Herkommen und Namen blieben unbekannt;man nannte sie unter den dortigen Heiden nur einfachChristians, d. h. Christin, weil sie in ihrer Um-gebung die einzige Bekennerin Christi war. Als Sklavinkam sie in das Haus eines rohen, grausamen Herrn,aber sie unterwarf sich bereitwillig der göttlichen An-ordnung, und ertrug die Gefangenschaft, die Last harterArbeit und jegliche Mißhandlung um des Herrn willenmit Geduld. Sie lebte aber in unversehrter Reinigkeit,Enthaltsamkeit und Eingezogenheit, so daß die Heidensich verwunderten. —- Der Herr gab ihr auch höhereGnaden, namentlich Krankheiten zu heilen. Ein krankesKind wurde auf ihr Gebet augenblicklich gesund, unddie Gemahlin des Beherrschers jener Gegend wurdedurch Christiana's Fürbitte bei Gott vom Fieber be-freit, und dem Christenthnme zugeführt, sowie auch derBeherrscher selbst, der auf Anrufung von Christ iana'sGott aus augenscheinlicher Lebensgefahr errettet, mit denGroßen seines Reiches zum Christenthnme sich wendete.Auf den Rath der heiligen Sklavin schickte er an Con-stantin, um Bischöfe und Priester zu erhalten. So wardiese heilige Dienstmagd ein Werkzeug in der HandGottes zur Bekehrung Jberiens geworden.
Gebet. O Gott, der du die heilige DienstmagdChristians mit den drei theologischen Tugenden:Glaube, Hoffnung und Liebe ausgerüstet hast, gießediese Tugenden durch deinen heiligen Geist auch inunsere Herzen aus, und gib, daß einst unser Glaubein Schauen, unsere Hoffnung in Genießen und unsereLiebe in ewige Liebe umgewandelt werde, durch Christum,unfern Herrn. Amen.
DreilMdertmidsünszigstes Lesestück.
Am Feierabende des 16. Dezember.
Von den vier Cardinaltugenden, und zwar von den ersten zwei:Klugheit und Gerechtigkeit.
Fr. Wie heißen die vier Haupt- oder Cardinal-tugenden? und woher diese Benennung?
Anltv. Sie heißen: 1) Klugheit, 2) Mäßigkeit,
3) Gerechtigkeit und 4) Starkmuth. Man nennt sicGrund-, Haupt- oder Cardinaltugenden, weilsie gleichsam die Grundpfeiler der übrigen Tugenden sind.
Belehrung. Ohne diese vier Cardinaltugenden kanndie wahre Tugend nicht bestehen. Daher heißen sie Grnnd-oder Haupttugenden, weil sie gleichsam das Haupt undder Grund aller andern Tugenden sind; sie heißen Car-dinal- oder Angel-Tugenden, weil sich alle andernTugenden um dieselben drehen, wie die Thürc um ihreAngeln. Deßhalb heißt cS schon im Buche der Weisheit(8, 7.): „Die Weisheit (d. i. der heilige Geist) lehrt Mäßig-keit und Klugheit, Gerechtigkeit und Starkmuth, welche dasNützlichste sind im Menschenleben." Den Innern Zusammen-hang, der zwischen diesen vier Cardinaltugenden statt sinket,gibt der heilige Bernhard mit den Worten an: „DieGerechtigkeit sucht, die Klugheit findet, die Starkmuth eignetan, die Mäßigkeit besitzt." Wir wollen dieß in zwei Lese-stücken näher erklären.
Fr. Worin besteht die Klugheit?
Atttw. Sie besteht darin, daß wir erkennen, waswahrhaft gut und Gott wohlgefällig ist, und uns zumBösen durch den Schein des Guten nicht verführen lassen.
Belehrung und Beispiele. Der heilige Augustinbezeichnet die christliche Klugheit als „eine Liebe und Begierde,
welche Das, was zu Gott vcrhilft, vor Dem, was davonabhält, weislich erwählt." Die christliche Klugheit ist sonacheine innere geistige Kraft, überall und allezeit das Rechte zu
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