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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Viertes Hauptstiick. Von den neun

der Gnade des Sakramentes auch das Augenlicht. ImKloster wuchs Othilia zur blühenden Jungfrau heranund zeichnete sich besonders durch die Tugenden desMitleides, der Barmherzigkeit, der Demuth und derLiebe ans; immer aber fiel ihr die stete, unverschuldeteAbneigung des Vaters sehr schwer. Endlich machte sichdie liebenswürdige Tochter ans den Weg nach der väter-lichen Burg, und das harte Gemüth des Vaters wurdeplötzlich weich. Er nahm die Heimgekehrte mit den zärt-lichsten Aeußerungen väterlicher Liebe auf, schenkte ihrbald sein ganzes Vertrauen, und gab ihr, als sie denWunsch anssprach, sich ungetheilt dem Herrn zu weihen,das Schloß Hohenburg summt allen Einkünften undGrundstücken, um da ein Jungfraneustift zu gründen,welches auch nach zehnjährigem Baue zur Vollendunggebracht wurde. Das Kloster wurde nun unter Othilia'sLeitung ein Wohnsitz wahrer Gottesfurcht, flammenderAndacht, ungeheuchelter Demuth, freudigen Gehorsams,weiser Abtödtung, thätiger Liebe, und eine Zuflucht fürAlle, welche Unterstützung, Hilfe oder Rath suchten.Weil aber die Armen und Kranken nur mit Mühe zudem auf einem hohen Berge stehenden Kloster kommenkonnten, so ließ sie, die sorgsame Mutter der Ar-men, am Fuße des Berges ein Spital für die-selben bauen, und stiftete dann i. I. 700 nächstdem Spitale noch ein zweites Kloster. Sie starb aml.3. Dezember 720.

Gebet. Wir bitten dich, o Gott! verleihe unsauf die Fürbitte der heiligen Othilia ein liebevollesHerz, auf daß wir unser» Mitmenschen durch Tugendund Frömmigkeit auf dem Wege des Heiles voran-

Sünden, und zwar von den letzten drei rc.

leuchten und die Sünder vom Wege des Lasters abziehen,durch Christum, unfern Herrn. Amen.

Dreihnndertstebemmdvierzigstes Lesestück.

Am Feierabende des 13. Dezember.

Von den neun fremden Sünden, und zwar von den letzten drei,welche der wirklichen Sünde erst Nachfolgen.

Fr. Wie heißen die letzten drei fremden Sünden,welche der wirklichen Sünde erst Nachfolgen?

Antw. 1) Die Sünden Anderer loben, 2) sieübersehen oder nicht strafen und 3) sie vertheidigen.

Fr. Was will das sagen: „Die Sünden An-derer loben?"

Antw. Es will sagen: Das Böse an Andern gut-heißen und das Gute an Andern tadeln, oder die Tugendals Laster und das Laster als Tugend bezeichnen.

Belehrung und Beispiele. Da die Welt im Argenliegt, so ist diese Sünde gar nichts Seltenes; denn in unfernTagen hat die Ruchlosigkeit bei Weitem mehr Lobredner alsdie Rechtschaffenheit und das Laster mehr, als die Tugend.Oder gibt es nicht viele Eltern, welche ihre Kinder wegenihres Putzes und wegen ihrer Schönheit loben, und sic da-durch hoffartig und eitel machen? Gibt es nicht Viele, be-sonders sogenannte aufgeklärt sein Wollende, welche Männern,die die gottlosesten Spöttereien und Verleumdungen widerGott, wider die Religion und ihre Diener verbreiten, Bei-fall klatschen und sie als Männer des Verstandes und alsgute Gesellschafter loben? O diese Sünde ist höchst verderb-lich, weil der Gottlose durch sie in seiner Gottlosigkeit bestärkt,ja, sogar dazu angeeifert und ermulhigt wird. Daher ruftJsaias (5, 20.) aus: „Wehe euch! die ihr das Böse gutund das Gute bös heißet!" — Durch sündhaftes Lob machtensich einer fremden Sünde schuldig die Hofhcrren des KönigsAssuerus. Als dieser vom Weine erhitzt und vom Zorneentbrannt seine Gemahlin Vast hi verstieß, weil sie seinen:Befehle, sich in ihrer Schönheit mit der Krone auf demHaupte vor allem Volke gleichsam zur Schau auszustellen,nicht gehorchte, so lobten die Hosherrn seine That und riefen:„Der Zorn des Königs ist gerecht." (Esth. 1.) — Auf ähn-liche Weise sündigten die Rathgeber und Höflinge des KönigsRoboam, die ihn lobten, als er dem Volke ein noch schwe-reres Joch und eine noch größere Züchtigung androhte; wcßhalbzehn Geschlechter von ihm abfielen. (2. Paral. 10, 11.) —