8l»> Viertes Hauptstück. Von den nenn fremden «üuden, und zwar von den ersten drei rc.
ihren Kindern selber zur Sünde rathcn? O wie viel Unheilwird durch bösen Rath gestiftet! „ Ein böser Rath wirkt ver-derblicher, als das schärfste Gift," sagt ein heiliger Lehrer.Allein de» größten Schaden fügen sich solche böse Nathgcberin der Regel selber zu; denn Gott straft sie meistens mitDem, was sie gerathen haben. Darum sagt auch die heiligeSchrift: „Wer einen boshaften Rath gibt, auf Den fällt erselbst zurück" (Eccli. 27, 30.) und das Sprüchwort sagt:„Wer Andern eine Grube gräbt, Der fällt selbst hinein."Die Geschichte zeigt uns eine Menge von Beispielen, wodiese Strafe augenfällig ist; ich will nur Eines anführen!Kaiser Valerius war ein grausamer Verfolger der Christen.Phalaris, ein berühmter Künstler, machte einen Stier,auö Erz gegossen, und brachte ihn dem Kaiser. Dieser Stierwar inwendig hohl, und wenn unter ihm Feuer gemachtwurde, so mußten die Eingesperrten verbraten. Wenn sienun einen Weheruf ausstießen, so ahmte dieß genau dasBrüllen des Ochsen nach. Er rieth ihm also, die Christenin diesem Stiere zu martern. Aber was geschieht? Vale-rius ließ sogleich den Künstler in diesen glühenden Stierwerfen, und so mit ihm selber den Anfang machen. Omöchtet doch ihr, meine christlichen Leser! euch jeder Zeit rechtin Acht nehmen, daß ihr nicht durch einen sündhaften Ratheuch fremder Sünden schuldig machet; nehmet euch aber
auch in Acht, daß ihr nicht den bösen Rath, den euch Anderegeben, befolget. Denket au den alten Eleazarus in derbiblischen Geschichte, der auch als Greis seinem Gesetze treublieb und durch den Rath böser Freunde sich nicht zurSünde bewegen ließ; er wollte lieber sterben, als gegen seinGewissen handeln.
Fr. Was will das sagen: „Andere sündigenheißen?"
Autw. Es will sagen: Einem Untergebenen aus-drücklich oder stillschweigend, mit Worten oder Werkenbefehlen, etwas Unrechtes zu thun.
Belehrung und Beispiele. Einen solchen sünd-haften Befehl gab Pharao, der alle israelitischen Knäblci»in's Wasser zu werfen befahl; David, der seinem Feld-Herrn Jo ab den schriftlichen Befehl zuschickte, den UriaSin der Schlacht gerade dahin zu stellen, wo er sicher um'SLeben kommen mußte; Herodes, der den Kindermord inBethlehem anorduetc, und so viele Andere. Aber auch heutzu Tage wird diese fremde Sünde, leider! nur zu oft vonObrigkeiten, Dienstherrschaften, Vorgesetzten und Eltern be-gangen. Insbesondere aber machen sich derselben schuldig:1) Kauf- und Handelsleute, welche ihren Untergebenen be-fehlen, schlechte Waarcn für gute zu verkaufen, mit kurzerElle zu messen und mit geringem Gewichte zu wägen. Dazugehören auch 2) die Wirthe und Gastgeber, welche denIhrigen befehlen, Wein, Bier oder andere Getränke mitWasser zu mischen oder zu verfälschen; 3) Eltern, die ihreKinder lügen, betrügen u. s. w. heißen; 4) Bauers- undHandwerkslcute, welche ihren Dienstboten oder Gesellen denBefehl geben, auf fremde Aecker hinüberzuackern, Marksteinezu versetzen, an Sonn- und Feiertagen zu arbeiten u. s. s.Solchen sündhaften Befehlen darf kein Untergebener ge-horchen; mit dem heiligen Petrus muß er in diesem Falleseinen Vorgesetzten mulhig in's Angesicht sagen: „Man mußGott mehr gehorchen, als den Menschen!" (Apostclgesch. 4, 19.)
Fr. Was heißt das: „Andere zur Sündereizen?"
Antw. Es heißt: Andern durch Wort oder Bei-spiel oder auf andere Weise zu allerlei sündhaftenDingen Anlaß nnd Gelegenheit oder wohl gar An-leitung geben,
Belehrung und Beispiele. Diese Sünde wurdeschon im Paradiese begangen. Eva verleitete nämlich denAdam znm Genüße der verbotenen Frucht. (1. Mos. 3, 6.) —