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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Viertes Hauptstück. Von den

der Wittwe die Wangen herab, schreiet sie nicht widerDen, der sie ihr auspreßt? Von ihren Wangen steigen siebis zum Himmel empor." — Diese himmelschreiende Sündebeging Pharao gegen die armen Israeliten; er unter-drückte sie auf alle mögliche Weise und gab wider sie diegrausamsten Gesetze, so daß Gott der Herr sprach: „Ichhabe gesehen die Bedrängniß meines Volkes in Aegypten,und ich habe ihr Geschrei gehört über die Härte Derer,die den Arbeitern vorgesetzt sind, und ich kenne ihre Schmerzenund bin hinabgestiegen, daß ich sie errette aus den Händender Aegyptier." — Diese Sünde beging auch König Achabund dessen Gemahlin Jczabel durch Unterdrückung Na-both's, dessen Weinberg sie ungerechter Weise an sich zubringen suchten. (Sieh das vorausgehende Bild!) — DurchUnterdrückung der Armen und Wittwcn versündigten sich auchdie Pharisäer. Daher rief ihnen Jesus zu: „Wehe euch,ihr Schristgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr dieHäuser der Wittwen verprasset für die langen Gebete, dieihr betet! Ebendarum wird ein schweres Gericht über euchkommen." (Matth. 23, 14.)

Fr. Auf welche Weise wird endlich die viertehinnnelschreiende Sünde begangen: Die Vorenthalt-ung oder Entziehung des Liedlohns?

Antw. Sie wird begangen, wenn man Hand-werkern, Taglöhnern und Dienstboten den sauer ver-dienten Arbeitslohn entweder gänzlich entzieht oder ver-mindert, oder auch auf ungerechte Weise mit der Aus-zahlung desselben zögert.

Belehrung. Ja, wahrlich das ist eine himmelschreiendeUngerechtigkeit! „Der Baum lohnt die Arbeit und Pflegeseines Herrn," sagt ein christlicher Lehrer, „durch reichlicheFrüchte; und du willst deinem Arbeiter, der des Tages Lastund Hitze getragen, den verdienten Lohn entziehen?" Höre,was der heilige Apostel Jakobus (5, 4.) schreibt: „Siehe,der Lohn der Arbeiter, welcher von euch vorenthalten worden,schreiet, und ihr Geschrei ist zu den Ohren des Herrn derHecrschaaren gekommen." Und schon im A. B. spricht derHerr (3. MoseS 19.): „Du sollst deinem Nächsten kein Un-recht thun, noch ihn drücken durch eine Gewaltthat. DerLohn deS Taglöhners soll bei dir nicht bleiben bis an denMorgen." Und (5. Mos. 24.): „Du sollst dem dürftigenund armen Bruder seinen Lohn nicht versagen, und auch nichtdem Fremdling, der bei dir weilet im Lande und in deinenThoren ist; sondern an demselben Tage sollst du ihm denLohn seiner Arbeit geben vor Sonnenuntergang; denn er ist

vier himmelschreienden Sünden.

arm und erhält damit sein Leben: auf daß er nicht widerdich zu dem Herrn rufe, und dir's zur Sünde gerechnet werde."

Beispiele und Anwendung. Diese himmelschreiendeSünde beging Laban an Jakob, indem er ihm trotz seinerTreue und seines Fleißes, womit er ihm zwanzig Jahre diente,hart begegnete, ihn eines Diebstahles beschuldigte, und Das,was durch Diebstahl wegkam, von ihm forderte; überdießänderte er ihm zehn Mal den Lohn und suchte ihn nochzuletzt dadurch zu betrügen, daß er ihm anfangs nicht dieRachel, sondern die Lia zur Frau gab. — Die Abscheulich-keit dieser Sünde erkennend, warnte der fromme Tobiasseinen Sohn vor derselben, indem er zu ihm sprach: „Wenndir Jemand gearbeitet hat, so bezahle ihm sogleich den Lohnund halte ihm den Liedlohn nicht zurück, und der Lohn desTaglöhners bleibe durchaus nicht bei dir!" (Tob. 4, 15.) —Jusurannus, ein Sohn des Grafen Ludcrikus vonFlandern, verschob es zur Zeit einer Hungersnoth, einen Korbvoll Früchte zu bezahlen, den er einer armen Frau abgekaufthatte; wegen dieses Aufschubes aber starben die drei Kinderdieser unglücklichen Mutter. Ob dieses Verbrechens ließ nunder Vater seinem Sohne den Kopf abschlagen. So erzähltder heil. AlphonSLiguori in seinem Katecheten. Wohlnicht mit Unrecht verdient eine so große Herzlosigkeit aucheine so große Strafe. Verabscheuen wir daher vom Herzenall diese entsetzlichen Sünden und bitten wir Gott, er möchteuns jenen Geist der Liebe und Milde verleihen, durch welchensich der heilige Papst Melchiades, dessen Andenken heutedie Kirche feiert, in einem so hohen Grade ausgezeichnet hat.

ende: Der heilige Papst und Märtyrer

Melchiades (st 314).

Dieser folgte dem heiligen Papst Eusebiusi. J.311auf dem päpstlichen Stuhle nach. Er war gebürtig aus