Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
797
Einzelbild herunterladen
 

797

Am Feierabende des 10. Dezember.

Fr. Wer begeht also die erste dieser himmel-schreienden Sünden: den vorsätzlichen Todschlag?

Antw. Ein Jeder, der absichtlich und wider-rechtlich seinem Mitmenschen das Leben nimmt.

Belehrung und Beispiel. Da von dieser furcht-baren Sünde schon im fünften Gebote Gottes ausführlichgehandelt worden ist, so mache ich hier nur auf das eineBeispiel in der heiligen Schrift aufmerksam, wo Gott selbstdiese Sünde als eine himmelschreiende bezeichnet. Alsnämlich Kain seinen Bruder Abel getödtet hatte, mußteder unglückliche Mörder aus dem Munde Gottes die furcht-baren Worte vernehmen: „Was hast du gethan? DieStimme des Blutes deines Bruders schreiet zumir von der Erde. Du sollst daher verflucht sein aufErden, die ihren Mund aufgethan und das Blut deinesBruders von deiner Hand genommen!" (1. Mos. 4.) —Welch eine entsetzliche Sünde muß das sein, da das Straf-urtheil aus dem Munde der göttlichen Gerechtigkeit so furcht-bar lautet?!

Fr. Was versteht man unter der zweiten himmel-schreienden Sünde, unter der stummen oder sode-in iti scheu Sünde?

Antw. Eine unnatürliche Vermischung zweierPersonen einerlei oder verschiedenen Geschlechtes.

Belehrung und Beispiele. Diese Sünde heißt1) die stumme Sünde, theils weil man ihrer Abscheulich-keit wegen gar nicht von ihr reden sollte, theils weil Die-

jenigen, welche sie begehen, gewöhnlich stumm sind und sienicht beichten. Sie heißt 2) die sodomi tische Sünde,weil sie von den Einwohnern von Sodoma begangen

wurde. Sie forderten nämlich den Loth auf, die Fremdenherauszugeben, indem sie riefen: „Wo sind die Männer, diezu dir des Abends gekommen sind? Führe sie heraus, daßwir sie erkennen" (Gen. 19, 5.) d. h. mißbrauchen, schänden.Der heilige Paulus rechnet diese Sünde unter die größtenLaster, die je von den Heiden begangen worden sind, indemer schreibt: „Gott gab sie (die Heiden) den schändlichstenLeidenschaften preis; denn ihre Weiber gingen vom natür-lichen Wege ab und schlugen einen unnatürlichen ein. Undso auch die Männer; sie verließen den natürlichen Gebrauchdes Weibes, entbrannten in ihrer Geilheit gegen einanderselbst, und Männer übten an Männern schändliche Dingeaus, und bekamen den verdienten Lohn ihrer Verirrung ansich selbst." (Röm. 1, 20 — 27.) — Im A. T. wurdeDerjenige, welcher dieser Sünde überwiesen worden war,zum Tode verurtheilt. (3. Mos. 21, 13.) Ob der Furcht-barkeit dieser Sünde ließ Gott zur Bestrafung derselbenüber Sodoma und vier andere Städte der LandschaftPentapolis Feuer vom Himmel fallen, um sie zu ver-zehren und dem höllischen Feuer zu überliefern, wie derheilige Apostel Judas (Jud. 7.) schreibt: „Alle diese Un-glückseligen sind von diesem zeitlichen Schwefel- und Feuer-regen in die verzehrenden Flammen der Hölle übergegangen."— Ach! wer schaudert vor dieser Sünde nicht zurück?! —Mit Recht heißt sie eine himmelschreiende Sünde;denn sie schreit wegen ihrer Abscheulichkeit zum Himmel;daher heißt es (Gen. 18, 20.): „Das Geschrei von Sodomaund Gomorrha hat sich gemehrt, und ihre Sünde ist sehrschwer geworden. Wir wollen diesen Ort vertilgen, weilsein Geschrei ist groß geworden vor dem Herrn."

Fr. Wer macht sich der dritten himmelschreiendenSünde, der U nterdr ü ckn ng d er A rmen, W i ttw e nund Waisen schnldig?

Antw. Vormünder und Pflegeeltern, Obrigkeitenund Richter, kurz alle Jene, welche gegen Arme, gegenWittwen und Waisen ungerecht nud unbarmherzig handeln.

Belehrung und Beispiele. Welch eine Hartherzig-keit verräth nicht diese Sünde! Daher spricht Gott schon durchMoses (2. Mos. 22, 22—24.): „Wittwen und Waisensollet ihr nicht beleidigen; wenn ihr sie aber beleidiget,werden sie zu mir schreien, und ich werde ihr Geschreihören; und mein Zorn wird ergrimmen, und ich werdeeuch mit dem Schwerte schlagen, und euere Weiber werdenWittwen sein und euere Kinder Waisen." — Und beiSirach (35, 18—19.) heißt eS: „Fließen nicht die Thränen