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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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793
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Am Feierabende des 8. Dezember. '?!13

derblichen Sünde zu warnen, folgende Geschichte von einemleichtfertigen, ausschweifenden Christen seiner Zeit zu er-zählen. Dieser Mann wurde von Thomas Morusselbst, sowie von andern Freunden oft und dringend gemahnt,daß es Zeit wäre, bessere Wege einzuschlagen; allein soviele Mühe sie auch anwandten, ihn zum Guten znrückzu-führen, so verachtete er doch hartnäckig alle diese freund-lichen Warnungen und setzte höchstens nur seinen Lieblings-spruch entgegen, mit welchem er bei jeder Gelegenheitherauszurücken gewohnt war. „Wenn es," sagte er, „mitmir einmal zu Ende geht, so habe ich drei Worte nurnöthig, um die Vergebung der Sünden sammt der Seligkeitzu gewinnen; ich darf nur zu Gott, der ja so gütig undbarmherzig ist, rufen: „Herr verzeihe mir!" —Aber nur zu bald ergab es sich, wie sehr er sich betrogenund verrechnet habe. Denn da er einst, sehr muntererLaune, über eine Brücke ritt, ward sein Pferd scheu undwarf ihn so gewaltsam ab, daß er in die Mitte des reißen-den Stromes hinabstürzte und rettungslos verloren war.Im Sturze aber, ehe ihn die Wellen verschlangen, hörtemau ihn rufen: „Hol' Alles der Teufel!" — So sterbennicht selten jene Unglücklichen, welche vermesscntlich auf GottesBarmherzigkeit sündigen.

Fr. Was heißt das: „An der Gnade Gottesverzweifeln?"

Antw. Es heißt: Freiwillig alle Hoffnung auf-geben und es für unmöglich halten, daß wir je mehrVerzeihung unserer Sünden und die ewige Seligkeit er-langen können.

Belehrung und Beispiele. Auch das ist eine schreck-liche Sünde, die uns den Eingang in den Himmel verschließt;denn „wie uns die Hoffnung," sagt der heilige Isidor, „dieThüre in's himmlische Vaterland öffnet, so verschließt dieVerzweiflung uns dieselbe." — Durch Verzweiflung sündigteKain. Dieser Unglückliche hatte seinen Bruder umgebracht,das war ein großes Verbrechen; er konnte indessen Verzeihungdafür erwarten, weil es in den Augen der großen Barm-herzigkeit unseres Gottes kein Verbrechen gibt, für das mannicht Vergebung finden könnte. Der Herr bot ihm seineGnade an, wenn er auf seine Verzeihung hätte hoffen wollen;aber er schrie in seiner Verzweiflung und unter gräßlichemHeulen: „Meine Sünde ist zu groß, als daß ich Vergebungfinden könnte." (1. Mos. IV. 13.) — Das war auch dieSünde des Judas. Dieser treulose Apostel hatte seinengöttlichen Meister verkauft und in die Hände der Juden ge-liefert. Der gute Meister wollte ihn durch die sanften Worteerweichen: „Wie? mein Freund! was hast du gethan? Du ver-! rächst des Menschen Sohu durch einen Kuß?" (Matth. 26, 50;

I Luk. 22, 48.) Aber statt daß er sich durch diesen zärtlicheni Dichter, Hausbuch.

Vorwurf hätte rühre» lassen, gab er sich einer trotzigen Ver-zweiflung hin; er wirst den vcrhäugnißvollcn Preis für dasBlut des Gerechten in den Tempel und geht hin und erhängt sich; er erdrosselt sich selbst und stirbt als Verwor-fener. O furchtbare Strafe der Verzweiflung!

Fr. Was will das sagen: „Der erkannte»Wahrheit widerstreben?"

Antw. Es will sagen: Die Wahrheit der christliehen Lehre anerkennen und dieselbe doch nicht annchmen, oder wenn man sie angenommen hat, nicht in Aus-übung bringen.

Belehrung. In Betreff dieser Sünde schreibt derheilige Paulus an die Hebräer: „Wenn wir freiwilligsündigen, nachdem wir die Kenntniß der Wahrheit erlangthaben, so bleibt unS kein Sühnopfer für die Sünde, sondernes wartet unser ein schreckliches Gericht und ein eiferndesFeuer, das die Widerspenstige» verzehren wird." (Hebr. 10,26 — 27.) Und der heilige Ephrem schreibt: „Wer dergöttlichen Wahrheit widerstrebt und über sie spottet, der machtsich zum Knechte des Teufels; uud weil er dem lästerlichenWillen gehorcht, so wird er die Freude nicht finden, welcheden Dienern des Herrn bereitet ist."

Beispiele und Anwendung. Die Pharisäersahen die Wunder des göttlichen Heilandes und seiner Apostel;sie erkannten die Wahrheit und die wunderbare Macht dergöttlichen Lehre; sie mußten ausrufen: „Was wollen wir mitdiesem Menschen machen? Das Zeichen ist offenkundig, wirkönnen es nicht läugnen re." nnv dennoch widerstrebten sieder anerkannten Wahrheit und verfolgten Christum und seineApostel auf Leben und Tod. — Eben dieser Sünde machtensich auch die Juden schuldig. Als ihnen der heilige Ste-phanus jene begeisterte Rede hielt knirschten sie mit ihrenZähnen, hielten ihre Ohren zu, fielen über den heiligen Le-viten her, warfen ihn vor die Stadt hinaus und steinigtenihn. — Aber auch in unfern Tagen ist diese Sünde, leider!gar nicht selten. Einem jungen Manne, der Katholik war,stand eine vortheilhaftc Verehelichung und Versorgung inAussicht, nur sollte er Protestant werden. Wirklich entschloßer sich zu diesem gefährlichen Schritte. Als er seinen katho-lischen Pfarrer hievon in Kenntniß setzte, wurde er von diesemauf's Liebvollste belehrt und von seinem Schritte abgemahnt.Der Pfarrer glaubte ihn nach langem Zureden hinlänglichbelehrt und überzeugt zu haben, uud fragte ihn, ob er nochbei seinem Entschlüße verharre. Der Jüngling erwiderte:„Ich sehe zwar die Wahrheit der katholischen Lehre ein, aber— ich kann ja doch mein Glück nicht auf's Spiel setzen!"So tauschte der Unglückliche für ein scheinbares irdisches Glückewiges Elend und Verderben ein; sein Ehestand war schonauf Erden ein Wehestand — und welch Loos mochte ihn

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