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Am Feierabende des 7. Dezember.
helfen und so ihre Tugend zu reiten. Aus einem Kloster,in das er sich zurückgezogen, beriefen ihn die Bischöfeund Priester der Provinz zum Bischöfe von Mhra. Alssolcher verdoppelte er die heilige Strenge seines Wandelsund erfüllte alle Pflichten seines Oberhirtenamtes mitgroßer Thätigleit und Sorgfalt. Er wohnte auch derallgemeinen Kirchenversammlung zu Nicäa bei, um dieGottheit Jesu Christi gegen die Irrlehre des Arms zuvertheidigen, und ging endlich in die ewige Ruhe eini. I. 327 nach den Worten: „Herr, auf dich hat ge-hofft meine Seele; nimm sie auf in deine Hände!"
Gebet. O Gott, der du den heiligen Nikolausdurch unzählige Wunder verherrlicht hast, verleihe nnsdurch seine Verdienste und Fürbitte, daß wir alle Un-keuschheit, allen Neid und alle Unmäßigkeit verabscheuenund die entgegengesetzten Tugenden üben, durch Christum,unfern Herrn. Amen.
DreihunderteiimMierzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 7. Dezember.
Von den sieben Hauptsiinden, nnd zwar 6) vom Zorne und7) von der Trägheit.
Fr. Wann macht man sich der sechsten Haupt-sünde, nämlich des Zornes schuldig?
Antw. Wenn man über Das, was uns zuwiderist, sich erbittert, ungebürlich aufbraust, sich zur Rach-sucht Hinreißen läßt.
Belehrung. Zornig ist also Derjenige, dessen Gcmüthin eine unordentliche Aufwallung geräth über vermeintlichesoder wirkliches Unrecht, und der in seinem Herzen Nach-gierde nährt. Der Zorn ist eine der abscheulichstenund verderblichsten Sünden. Schon der Heide Senekanennt den Zorn einen „kurzen Wahnsinn." „Dennwie man den Wahnsinnigen," sagt er, „ an seiner verwegenenund drohenden Miene, an seiner traurigen Stirne, trotzigenGeberde, an seinem schnelleren Gange und seiner unruhigenHaltung erkennt, so auch den Zornigen. Es brennen undblitzen die Augen; es glüht das Angesicht; es wallt dasBlut; es zittern die Lippen; die Zähne knirschen; die Haarestehen in die Höhe; die Hände ballen sich; die Füße stampfen;der ganze Körper ist aufgeregt. Wahrlich, eiu wildes Thier,kann nicht abscheulicher und schrecklicher sein, als der Zornige."Und welch' Unheil richtet der Zornige gar häufig inseiner Raserei nnd Zorneswuth an! „Kein Löwe, keineSchlange," sagt der heilige Chrhsostomus, „kann die
Eingeweide so zerreißen, wie der Zorn, der gleichsam miteisernen Klauen Alles zerreißt; denn er schadet nicht nurdem Körper, sondern zerstört sogar auch die Gesundheit derSeele. . . Der Zorn ist ein heftiges Feuer, das Alles ver-zehrt." Im Zorne sind schon die furchtbarsten Verbrechenverübt worden; aus dem Zorne entsteht Haß und Feind-schaft, Streit und Zank, Fluch- nnd Schimpfwort«:, Schlä-gereien, Mord und Todschlag. Daher heißt es schon in denSprüchwörtern (29,22.): „Ein zorniger Mann stiftet Haderund Zwietracht, und wer von heftiger GemüthSart ist, gcrälhleicht in Sünden." Und wiederum (27, 3.): „Schwer istder Stein und schwer der Sand; aber des Thoren Zorn istschwerer als beide."
Beispiele und Anwendung. Der Mensch in derZorneswuth gleicht in Wahrheit einem wilden Thicre. MitUngestüm fällt er den Gegenstand seines Zornes und Hassesan und freut sich, wenn er sich an seinem Verderben wei-den kann. — So erzählt uns Aelian: ein Löwe sei einst-mals auf der Jagd von einem Lanzenstich verwundet wor-den, und als nach Verlauf von mehr als einem Jahre Der-jenige, der ihm diese Wunde bcigebracht hatte, in dieselbeGegend als zu dem zahlreichen Geleite des Königs Jubagehörend, gekommen sei, habe ihn der Löwe von weitem er-blickt, sich mitten durch die Menschenmenge, ohne sich vonihren Angriffen abhalten zu lassen, auf ihn losgestürzt undihn in Stücke zerrissen. — Ein gleiches lang genährtesRachcgcfühl habe ich selber an einem «Stiere bemerkt, derDiejenigen, von denen er verletzt worden war, wüthcnv ver-folgte. — Wie diese wilden Thiere machen es auch die zornigenund rachsüchtigen Menschen, die, anstatt ihren Zorn durchVernunftgründe zu mäßigen, wie es sich für sie schickte, sichlieber ihrer viehischen Wuth überlassen und einen größer»Ruhm darein setzen, dem unedleren Triebe, den sie mit denThieren gemein haben, zu folgen, als der Vernunft, dieihnen eine Aehnlichkeit mit den Engeln gibt.
Fr. Wie kann inan die letzte Hauptsünde, dieSünde der Trägheit begehen?
Antw- Man kann diese Sünde begehen 1) durch dieTrägheit überhaupt und 2) durch die geistlicheTrägh eit insbesondere oder durch dieLauigkeit.
Fr. Wie versündigt man sich durch die Träg-heit überhaupt?
Antw. Wenn man dem natürlichen Widerwillengegen Mühe und Anstrengung nachgibt und seine Pflichtenvernachlässigt.
Belehrung. Dian nennt diese Sünde sonst auch A r-bcits scheue oder Müssiggang. Die traurigen Folgendieser Sünde sind bekannt; aus ihr entstehen Versäumniß