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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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788
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788 Viertes Hauptstück. Bonden sieben Hanptsnnden: 3) vonderllukeuschheit, 4)vom Neide, 5) von der Unmäßigkeit.

Erfahrung lehrt uns dieselben zur Genüge; sie beide sagenes uns, daß aus der Unmäßigkeit Verschwendung und Ar-muth, Zerstörung des häuslichen Friedens und Wohlstandes,Müssiggang, garstige Reden, unehrbarc Possen und Scherze,Ehebruch, Unzucht, Fluchen und Schimpfen, Nausen undSchlagen und selbst Mord entstehe. „Auf den Genuß vielerSpeisen," sagt Sirach (37, 33—34.), „folgt Krankheit,und die Freßlust führt zur Cholera. Wegen Unmäßigkeitsind schon Viele gestorben." In den Sprüchw. (23, 33.)heißt eö: „Der Wein schleicht lieblich hinunter; aber zuletztsticht er wie eine Schlange und gießt sein Gift aus wieein Basilisk." Und wiederum (21, 17.): „Wer das Wohl-leben lieb hat, wird arm sein." Daher ermahnt der Aposteldie Ephesier (5, 18.): „Berauschet euch nicht mit Wein,worin Ausschweifung liegt," und nur zu wahr sind dieWorte des heiligen AugustinuS: „Die Unmäßigkeit istdie Mutter aller Vergehen und der Inbegriff aller Misse-thaten. Sie ist die Wurzel der Verbrechen und der Ur-sprung der Laster; sie verwirrt Kopf, Sinne und Spracheund stürmt auf den ganzen Körper verderbend ein; sie istder Schifsbruch der Keuschheit, eine Verschwenderin derZeit... die Verderberin der Seele;" denn „unmöglichkann Derjenige," wie der heilige Bernhard beifügt, „einenGeschmack am Himmel haben, der zuviel Geschmack an

Speisen hat."

Beispiele und Anwendung. Wahrlich, mit derUnmäßigkeit sind beinahe alle Laster verbunden; ganz richtighat daher einst Kaiser Friedrich IV. auf die Frage,warum er den Wein und die Trunksucht so sehr haße, dieAntwort gegeben: „Weil alle Laster darin verborgen liegen."Es gibt keine Krankheit auf Erden, die so viel Unheil undVerderben in der Welt anrichtet, als die Unmäßigkeit. O

wie Viele sind durch sie zeitlich und ewig zu Grunde ge-

gangen! Schon Adam und Eva stürzten dadurch, daß sievon der verbotenen Frucht assen, sich und uns in's Ver-derben. — Durch Gefräßigkeit wurden die Israeliten inder Wüste zur Abgötterei verleitet und zogen sich die schreck-lichsten Strafen zu. — Von den Zeitgenossen Noessagt der göttliche Heiland: „Sie assen und tranken bis aufden Tag, wo Noe in die Arche ging, und die Wasserfluthkam über sie." (Luk. 17, 28.) — Loth beging in der

Trunkenheit, ohne daß er es wußte, das Verbrechen derBlutschande, und ihn, den Sodoma nicht besiegt hatte, be-siegte der Wein. — Geschah es ferner nicht bei einemGastmahlc, daß Absalon seinen Bruder ermorden ließ(2. Kön. 13.), daß Balthasar die heiligen Gefässe, diesein Vater Nabuchodonosor aus dem Tempel zu Jerusalemabgeführt hatte, entweihte, wofür ihn auch sogleich GottesRache traf (Dan. 5.), und daß Herodes den heiligen

Johannes seiner Leidenschaft opferte? (Mark. 6.)—Schwammnicht Holofernes, als er vom Weine trunken war, durcheinen Streich der Judith in seinem Blute? (Judith 13.) —Und wie erging es in der Ewigkeit dem reichen Prasser, derin seinem Wohlleben alles Mitleid für fremde Noth undalle Gedanken an Tod und Ewigkeit erstickt hatte? Er wurdein die Hölle begraben. — So ist also wahr, daß die Nu-Mäßigkeit den Menschen zeitlich und ewig zu Grunde richtet.

Legende: Der heilige Bischof Nikolaus(t 327).

Gegen diese drei Laster der Unkeuschheit, des Nei-des und der Unmäßigkeit kämpfte mit glühendem Eiferder heilige Bischof Nikolaus, dessen Fest heute in derKirche gefeiert wird; besonders aber ließ er es sich an-gelegen sein, das erstere dieser drei Laster — die Un-keuschheit — aus seiner Diöcese zu verbannen, wie wiraus seiner Lebensgeschichte ersehen. St. Nikolaus,der einzige Sohn reicher und, was noch mehr ist, christ-licher Eltern, in Kleinasien geboren, wurde an Geistund Herz trefflich gebildet und entschloß sich frühzeitigfür den geistlichen Stand, worin er sich durch jeglicheTugend, besonders aber durch thätige Nächstenliebe undgroße Mildthätigkeit anszeichnete. Vorzüglich rühmt dieGeschichte jene Wohlthaten, die er drei adeligen dürfLigen Jungfrauen erwies, deren Vater, von äußersterNoth gedrückt, auf den unseligen Gedanken verfallenwar, sie dem Laster preiszugeben, um durch sünd-haften Gewinn sich und die Seinigen vom Hungertodezu retten. Sobald Nikolans dieß erfahren hatte, warfer zu wiederholten Malen in aller Stille so viel Geldin die Kammer des unglücklichen Vaters, als hinreichendwar, den Jungfrauen zu anständigen Heirathen zu ver-