786 Viertes Hanptstück. Von den sieben Hauptsünden: 3) von der Unkeuschheit, 4) vom Neide, 5) von der Unmäßigkeit.
Golv- und Silberrollen, bisweilen mit Blei zugesiegelt, anverschiedenen Orten, in der Mauer, unter den Steinen diesesverfallenen Gebäudes vergraben lagen! — Siehe, so lebtund stirbt der Geizhals. Welch ein elendes Leben, undwelch ein schrecklicher Tod!
Legende: Der heilige Erzbischof PetrusChrysologus (ch um 550).
Ganz anders hingegen lebte und starb der heiligePetrus Chrysologus, dessen Fest wir heute be-gehen; denn er war ein Feind aller Hoffart und allesGeizes; vielmehr übte er gerade die entgegengesetztenTugenden der Demuth und der Freigebigkeit gegen dieArmen in einem besondern Grade; daher gelangte erauch zu der erhabenen Würde eines Erzbischofs zuNavenna. Besonders berühmt war dieser Heilige durchseine ausgezeichnete Beredsamkeit, weßhalb er auch denBeinamen „Chrysologus" erhielt; dabei war er aberauch zugleich ein eifriger, um die Wohlfahrt seinerHeerde besorgter Hirte und ein mnthiger Kämpfer fürdie katholische Wahrheit: denn er vertheidigte mit Eiferund Gelehrsamkeit die Lehre der Kirche gegen die Irr-lehre des Eutyches, und starb reich an Verdiensten umdas Jahr 550 in seiner Vaterstadt Jmola.
Gebet. Wir bitten dich, o Gott! erfülle unsereHerzen mit Abscheu gegen die Sünde der Hoffart unddes Geizes und gib uns deine Gnade, damit wir nachdem Beispiele des heiligen Petrus Chrysologusdie Tugend der Demuth und christlichen Freigebigkeitüben — durch Christum, unfern Herrn. Amen.
Dreihmldertundliierzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 6. Dezember.
Von den sieben Hauptsünden, und zwar 3) von der Unkeuschheit,4) vom Neide und 5) von der Nmnäßigkeit.
Fr. Wodurch begeht man die dritte Hauptsnnde,die Unkenschheit?
Antw. Man begeht diese Sünde, wenn man sichnnehrbare Gedanken, Begierden, Worte oder Werke er-lanbt, welche die heilige Schamhaftigkeit verletzen.
Belehrung. Da ohnehin von dieser Sünde schonbeim sechsten und neunten Gebote Gottes ausführlicher dieRede war, so will ich dich, mein christlicher Leser! nur aufdie hieher bezüglichen Lesestücke znrückweisen und dich bitten,daß du ja die Unkeuschheit wie eine Schlange fliehest; dennsie ist in Wahrheit eine Hauptsünde, die tausend andereim Gefolge hat; aus der Unkeuschheit entsteht ja Unlust amGebete und an allem Guten, Vergnügnngs- und Zerstren-nngssucht, alle Gattungen schamloser Ausschweifungen und un-natürlicher Laster, Verführung der Unschuld, falsche Versprech-ungen und Eidschwüre, Diebstahl, Zerstörung der Gesundheitund des häuslichen Glückes, Feindschaft, Zweikampf, Selbst-mord, Wahnsinn und Verzweiflung u. s. f. Darum fliehe sie!
Fr. Wie versündigt man sich durch Neid?
Antw. Dadurch, daß man dem Nächsten das Gutemißgönnt und traurig ist, wenn es ihm gut geht, abersich freut, wenn es ihm übel geht.
Belehrung. „Der Neid," sagt der heilige Franzvon Sales, „ist eigentlich ein Schmerz oder eine Betrüb-nis; des Gemnthes über das Wohlergehen des Nebenmenschen,weil man sich cinbildet, seine eigene Wohlfahrt werde dadurchvermindert." Wie abscheulich ist nicht das Laster desNeides! Denn „den Nächsten beneiden um seine Tugendoder seinen Wohlstand heißt, an ihm hassen die Verdiensteoder die göttlichen Wohlthaten, zum eignen Uebel fremdesGut verkehren, von dem Wohlergehen der Edlen sich quälenlassen, die Ehre Anderer sich zur Pein machen und an dereigenen Brust Ouälgeister anstellen, die Einen zerfleischenbis auf die Eingeweide," also sagt der heilige Cyprian. DerNeid ist ein wahrhaft teuflisches Laster; daher heißt esim Buche der Weisheit (2, 24—25.): „Durch den Neiddes Teufels ist der Tod in die Welt gekommen; und dieihm angehören, ahmen ihm nach." Und der heilige Basiliusschreibt: „Der Neid ist ein unerträgliches Uebel, ein Lehr-