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Viertes Hauptstiick. Von der Todsünde, und zwar von den traurigen Folgen derselben.
schmeckt ihm nicht; das Gespräch der Freunde heitert ihnnicht auf und kann ihm seine innere Qual nicht benehmen....Er zittert vor jedem Schatten; er mag hingehen, wohin erwill, immer trägt er sein Gewissen als einen bittern An-kläger bei sich, nirgends findet er Ruhe; denn im Bette, ander Tafel, auf dem Markte, im Hause, bei Tag und Nacht,ja selbst in den Träumen schwebt ihm seine Sünde vorAugen. Er lebt, wie Kain, jammernd und zitternd ausErden, und ohne daß es Jemand sieht, trägt er ein brennen-des Feuer in seinem Herzen. Nur zu wahr ist das Sprüch-wort: „Nie kann Ruhe finden, wer beharrt in Sünden."
Beispiel und Anwendung. Dieß hat erfahrenein gewaltthätiger Mann, der als Eroberer des PeruanischenReiches weltbekannt geworden ist: Der grausame Pizarro.Dieser ward einst im Freien von einem jener Gewitterstürmeüberfallen, wie sie mit solcher Furchtbarkeit nur in denheißen Erdstrichen toben. Da überkam ihn ein solches Angst-gefühl, daß sein Antlitz bleich ward, sein Haar sich sträubte,und Todesschweiß seine Stirne bedeckte. Der Mann, dernie eine Bangigkeit empfunden, verwunderte sich selbst dar-über. Er wendete sich an seinen Begleiter, den Missionärund Priester Las Ca fas, der mit heiligem Liebeseifer diearmen Indianer zu schützen suchte, und fragte ihn: „Wasist mir denn? Wie kommt es, daß diese feige Furcht michüberfällt, da es doch meine Sache nicht ist, vor irgend einerGefahr zu erschrecken?" Freimüthig erwicdertc der Missionär:„Die Ursache ist diese, weil der Sturm in deinem Herzennoch wilder tobt, als das Gewitter da draußen." Daß erden harten Mann damit an sein böses Gewissen gemahntbabe, ist wohl beizusetzen überflüssig, ebenso, daß dieses böseGewissen, diese innere Unruhe nur eine Folge seiner Sündenund Gewaltthatcn war.
Fr. Juwieferne schändet und unterjocht dieTodsünde unsere Seele?
Antw. Die Todsünde schändet und unter-jocht die Seele dadurch, daß sie das göttliche Ebenbildin uns entstellt und uns zu Sklaven der Sünde macht.
Belehrung. Die Todsünde schändet unsere Seele;denn sie entstellt in uns das göttliche Ebenbild; daher schreibtder heilige Chrysostomus: „Der ärgste Aussatz ist dieTodsünde. Elfterer verunstaltet den Körper, letztere dieSeele." Aber die Todsünde ist nicht damit zufrieden, unsereSeele zu schänden und zu verunstalten; sie geht auch daraufaus, sie zu unterjochen und zu ihrer Sklavin zu machen.Und wie elend ist die Knechtschaft der Todsünde! wie peinlich!wie schändlich! Welch' grausame Tyrannen sind die in einemHerzen losgelassencn Leidenschaften I Sie belagern, wie hungrigeUngeheuer, alle Zugänge der Seele und halten sie strenge
unter ihrer Dienstbarkeit. Tag und Nacht verlangen sie, javielmehr befehlen sie und schreien unaufhörlich: Bring her,bring her! Bring Futter diesem unersättlichen Geize, bringFutter jener unersättlichen Liebe zu den Freuden, Futterjenem riesigen Hochmuth, Futter jener Alles verzehrenden Ge-nußsucht ! — Und der Sünder ist der Unglückliche, der dieserMenge Haustyrannen fortwährend Tribut zu zahlen hat!O gewiß, der Teufel ist ein unbarmherziger Gebieter!
Beispiel und Anwendung. Der römische KaiserValerian war in die Gewalt des persischen Königs, seinesFeindes, gefallen. Vorher war er der Herr des Weltallsgewesen, und nachdem er der Gefangene S apors geworden,wurde er das Spiel der wilden und übermüthigen Launendesselben; mit Ketten beladen, aber doch immer mit demkaiserlichen Purpur bekleidet, um seine Schmach zu vermehren,mußte er seinem Ueberwinder überallhin folgen. Auf daserste Zeichen Sapors mußte sich Valerian auf die Kniecwerfen, sich krümmen, und dann dienten die Schultern einesrömischen Kaisers dem Perserkönige, wenn er zu Pferde stieg,zu einem Fußschemel. Wer möchte nun bei diesem schmach-vollen Anblicke nicht ausrufen: O Erniedrigung, o Herab-würdigung der römischen Größe! — Und ich rufe aus, daich deine Seele in der Sklaverei des Teufels sehe: „O ehe-maliges Kind Gottes, nunmehr aber herabgewürdigter Sklave!"
Fr. Jnwieferue tödtet die Todsünde unsereSeele?
Antw. Sie tödtet unsere Seele dadurch, daß sieihr das Leben, nämlich die Gnade Gottes raubt undsie in die ewige Verdammniß stürzt.
Belehrung. Durch die Todsünde verliert die Seele ihrLeben, die Gnade Gottes, welche das Leben unserer Seeleist, ebenso wie die Seele das Leben unsers Leibes ist. „Ach,"sagt der heilige Augustin, „du beweinest einen Leib, dendie Seele verlassen hat; eine Seele aber beweinest du nicht,von der sich Gott mit seiner Gnade zurückgezogen hat!" Sotödtet also die Todsünde unsre Seele, und gerade deßwegenheißt die schwere Sünde eben Todsünde, weil sie die Seeledes geistlichen Gnadenlebens beraubt, wie dieß Gott der Herrselbst (bei Ezechiel 18, 20.) ausspricht mit den Worten:„DieSeele, welche sündigen wird, soll sterben."— Und die nächste Folge davon ist, daß die TodsündeGottes Zorn und Strafgerichte, ja, selbst dieewige Verdammniß über denSünder herabzieht.Mit welch furchtbaren Zügen ist diese Wahrheit nicht einge-schrieben in der Geschichte des Himmels und der Erde!Wodurch wurden die Engel des Himmels herabgestürzt ausihrer Herrlichkeit in den Abgrund der Hölle? War nicht dieTodsünde schuld an ihrem furchtbaren Sturze? Warum ging