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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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648
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Viertes Hauptstück. Von den Gelübden, und zwar von der Bedeutung und Beschaffenheit derselben.

pflichtet, es sei denn, daß irgend ein Hinderniß eingetretenwäre, welches die Erfüllung unmöglich macht. Man seidaher sehr vorsichtig, damit man nicht etwa Dinge gelobe,die man nachher nicht erfüllen kann, und man lasse es sichgetreulich angelegen sein, Gott dem Herrn das Gelobtezn leisten!

Beispiel und Anwendung. Wir sollen in dieserBeziehung das so erbauliche Beispiel jener bayerischen Kano-niere nachahmcn, welche um das Jahr 1833 aus Griechen-land znrückkehrten. Diese hatten zur Gnademnutter in Alt«ötting ein Gelübde gemacht, als sic auf dem Meere großeLebensgefahr anszustehcn hatten. Sic riefen Maria umihren Beistand und ihre Fürbitte alt, und versprachen, so-bald sie in Altötting ankommen würden, zum Danke einHochamt halten zu lassen und eine Gedenktafel zu opfern.Sie landeten glücklich, kamen glücklich auch in Altötting anund hielten, was sie gelobt hatten. Es war für die derAndacht beiwohnenden Gläubigen ei» rührender Anblick, alssic diese edlen Männer, die Söhne des Vaterlandes, in derheiligen Kapelle erblickten, und die Gefühle und Opfer ihresDankbaren Herzens darbringen sahen. Sie, die christlichenHelden, wurden von Maria nicht verlassen, und was siedurch ihre Fürbitte erlangt, Rettung aus drohender Gefahr,um das flehten sie auch für das ganze Vaterland. Dennam Schlüße der Andacht wurde noch ein Lied zu Ehren derallerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria gesungen,welches mit der herzlichen Bitte schloß: „Verlaß das liebeVaterland, verlaß das liebe Bayern nie!" Wer immer dieserAndacht beiwohnte, konnte sich der Thränen nicht erwehren.

Fr. Wan» hört die Verpflichtung, die uns durchein Gelübde aufgelegt wird, wiederum auf?

Anlw. 1) Wenn eine Unmöglichkeit eintritt, und2) wenn das Gelübde mit Wissen und Genehmigung dergeistlichen Vorgesetzten aufgehoben oder abgeäudert wird.

Belehrung und Beispiel. Die Verbindlichkeit, eingethanenes Gelübde zu erfüllen, hört auf 1) sobald eineUnmöglichkeit eintritt, z. B. wenn Einer gelobt hat,Almosen von seinem Vermögen zu geben; plötzlich aber wirder selbst arm; oder Einer gelobt, zu fasten; nun aber wirder krank. Oft kann auch der Fall eintretcn, daß durch Zeitund Umstände ein früheres Gelübde unnütz, ja, sogar un-erlaubt würde; in all diesen Fällen hört die oben genannteVerbindlichkeit auf. 2) Das Gelübde verpflichtet uns nichtmehr, wenn es auf gesetzliche Weise aufgehobenoder abgeändert wird. So können z. B. Eltern, Groß-eltern und Vormünder die Gelübde ihrer noch unmannbarenKinder aufheben, weil sic über den Willen derselben zu ver-fügen haben; bei schon mannbaren könnten sie indcß dieß

nicht mehr thun, wofern ihre Gelübde nicht der häuslichenOrdnung zuwider sind. — Der Papst, der von Christusdie Gewalt zu lösen und zu biuden erhalten hat, kann alleGelübde erlassen, die Bischöfe jedoch nur jene, welche sichder Papst nicht eigens Vorbehalten hat. Auch die Bcicht-väter können zur Zeit eines Jubiläums kraft der päpstlichenVollmacht die meisten Gelübde, mit Ausnahme der vorbe-haltcnen in andere gute Werke verändern, wenn ein gewickptigcr Grund hiezu vorhanden ist. — Ein Beispiel hiezuliefert uns die Kirchengeschichte. Eduard III., König vonEngland, den die Vorsehung aus so mancher Gefahr gerettethatte, gelobte, eine Wallfahrt nach Nom zu verrichten. Alleinder englische Adel, welcher mit Recht fürchtete, in seinerAbwesenheit möchten die kaum gedämpften Unruhen wiederausbrcchen, widcrricth es ihm, und schlug ihm vor, seineAndacht lieber in dem Vaterlande durch Almosen und anderegute Werke auszuübeu, welche das Land vielmehr erbauen,als ihm Unruhen verursachen würden. Da der König ängstlichin seinem Gewissen war, so mußte man sich an den Papstwenden, um den König durch Verwandlung seines Gelübdeszu beruhigen. Der Papst schrieb ihm mit folgenden Wortenzurück: „Weil England durch Deine Abwesenheit iu Gefahrsein würde, so sprechen wir Dich von der Schuldigkeit loS,die Du Dir auferlegt hast, und wir gebieten Dir dafür,Dasjenige, was Du auf Deiner Reise ausgegebcn hättest,unter die Armen auszutheilen, und ein Kloster zu Ehrendes heiligen Petrus zu erbauen, oder wieder herzustellcn.Zweifle nicht, daß Gott allen Denen, die ihn aufrichtig an-rufen, nahe ist, wo sie sich immer befinden mögen." —Der König stellte die Westmünster-Abtei wieder her, undschickte herrliche Geschenke nach Rom, die man dort zu einerKirche verwendete, welche die englische Schule genannt wurde.

Legende: Der heilige Placidus, Märtyrer(fl 546).

Dieser Heilige, dessen Fest wir heute feiern, gibtuns ein schönes Beispiel, wodurch er uns zeigt, wie wirdie gemachten Gelübde stets treu halten sollen; denn alser iu den Orden des heiligen Benedikt eingetreten war,hielt er die gemachten Ordens gelüb de mit einersolchen Pünktlichkeit, daß er hierin allen seinen Mit-brüdern als Muster vorlenchtete. — Der heilige Pla-cidus ist der Sohn des reichen, römischen EdelmanuesTertullus. Sein Vater übergab den Knaben dem hei-ligen Ben edikt in Subiaco zur Erziehung. Placiduserwarb sich gar bald durch seinen Eifer auf dem Wege allesGuten die zärtliche Liebe seines Lehrers, so daß der heiligeBenedikt ihn mit sich nahm, als er i. I. 529 auf