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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
646
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646 Viertes Hauptstück. Von den Gelübden, und zwar von der Bedeutung und Beschaffenheit derselben.

ihn so weit gebracht, zu einem Verbrechen auch noch einzweites zu begehen. — So bestätigen sich auch hier wiederumdie Worte des heiligen Chry sostomus: „Kein Dolch ver-wundet so sehr, wie der Meineid, und kein Schwert tödtetso grausam, wie ein falscher Schwur." Schreibe dir dieses,mein christlicher Leser! an die Wand deines Hauses undHerzens!

Fr. Was soll Derjenige thun, der falsch ge-schworen hat?

Antw. Er soll vor Allein die Größe seines Ver-brechens erkennen, es vor Gott herzlich bereuen, beichtenund Buße thun, zugleich sich aber auch ernstlich bemühen,den verursachten Schaden vollkommen wieder gut zumachen, worüber er sich ganz besonders mit seinemBeichtvater berathen soll.

Belehrung. Ach, wie oft werden falsche Eide ge-schworen um eines zeitlichen Vorthciles, um einige GuldenGeldes willen! Möchten diese Unglücklichen die Größe ihresVerbrechens erkennen, beichten und Buße thun und denSchaden wieder nach Kräften gut machen, bedenkend, daßihnen alle irdischen Vortheile und Reichthümer Nichts helfen,wenn sie an ihrer Seele Schaden leiden! O daß sie diesegroße Wahrheit auf's Neue lernen möchten ans dem Beispieledes heiligen Franz Seraph, dessen Fest heute in derKirche gefeiert wird, und der gerne auf Alles verzichtete,um nur seine Seele zu retten und den Himmel zu gewinnen.

Legende: Der heilige Franziskus von Assisi,Ordensstifter (ch 1226).

Franziskus Seraph ikns, der Sohn einesreichen Kaufmanns, wurde i. I. 1182 zu Assis inUmbrien geboren. Der Herr, welcher Großes mit ihmvorhatte, führte ihn in einem Alter von zwanzig Jahrenzur Erkeuntniß des Heiles. Nun suchte der junge Mann,vorher der Welt ergeben, die Einsamkeit auf, ergab sichstrengem Fasten und eifrigem Gebete-und beschäftigte sichbesonders mit der Betrachtung des Leidens Jesu. Manhielt ihn, als er wieder öffentlich erschien, für wahn-sinnig, und selbst sein Vater zwang ihn, auf sein ganzesErbe zu verzichten. Als dieß geschehen, legte er seinebisherige Kleioung ab, zog einen alten Bauernkittel anund beschloß, nur vom Almosen zu leben. Nachdem erein Kirchlein zu Portiunkula, welches zu Ehren derseligsten Jungfrau eingeweiht war, wieder hergestellt undsich da niedergelassen hatte, trat er als Bußprediger auf,und seine einfache, aber ernste und salbungsvolle Rede,unterstützt von einein heiligen Wandel, drang mit fastunwiderstehlicher Gewalt in die Herzen der Zuhörer.

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Bald gesellten sich mehrere, selbst angesehene Männerzu ihm, denen er Verachtung der Welt, Verläugnuugdes eigenen Willens, Kasteiung des Leibes und Liebezur evangelischen Armnth einflößte, und sie daun in dieLänder anssandte, Buße zu predigen. Papst Jnno-cenz III. bestätigte die Regel, die der Heilige aufgesetzthatte, und gab dem Orden die Erlaubnis) und Voll-macht, allenthalben das Wort Gottes zu predigen. Fran-ziskus begab sich sogar nach Aegypten, um den Ungläu-bigen das Evangelium zu predigen, und wo möglich denMartertod zu finden. Um die Andacht zu dein gött-lichen Kinde Jesu in den Herzen der Christen mehr zuentzünden, führte er den heilsamen Gebrauch ein, dasgöttliche Kind zur Weihnachtszeit in der Krippe vorzu-stellen. Zwei Jahre vor seinem Tode wurde er aufwunderbare Weise mit den Wundmalen Christi bezeichnet.Er starb in der Kirche Portiunkula am 4. October 1226.

Gebet. O Gott, der du dem heiligen Fran-ziskus die Gnade gegeben hast, alles Irdische zu ver-achten, verleihe uns, daß auch wir nach seinem Beispieleder Welt und ihrer Lust entsagen und nur nach dem Himm-lischen trachten, durch Christum, unfern Herrn. Amen.

Zweihimdcrtachtundsiebenzigstes Lesestück.

Am Feierabende des 5. October.

Von den Gelübden, und zwar von der Bedeutung und Be-schaffenheit derselben.

Fr. Was ist ein Gelübde?

Antw. Ein Gelübde ist ein mit Ueberleguug undfreiem Willen Gott gemachtes Versprechen, wodurch man