Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
644
Einzelbild herunterladen
 

Viertes Hauptstück. Von den furchtbaren Folgen des Meineides.

worden. Bald aber eilte Ludwig zu ihm und bot ihmunter gewissen Bedingungen Friede und Freiheit an — ohneLösegeld. Friedrich der Schöne verzichtete ans dasKaiserthum, ging die übrigen Bedingungen ein und verspracheidlich, freiwillig in die Gefangenschaft zurückzukehren, wenner dieselben nicht erfüllen könne. (Sich das voransgehendeBild!) Freudig eilte nun Friedrich zurück in die Armeseiner braven Gemahlin Elisabeth. Allein sein eigenerBruder Leopold machte es ihm unmöglich, die gestelltenBedingungen zu erfüllen. Treu seinem gegebenen Eide, kehrteer nun wieder in die Gefangenschaft zurück, ohne zu achtendie Bitten seiner Gemahlin. Welch' ein Edelmuth!

Legende: Der heilige Abt Gerhard ('s 959).

Auch in der Geschichte der Heiligen begegnet unsheute ein Mann, der ein Freund der Wahrheit undAufrichtigkeit war und treu in Erfüllung seines gegebenenWortes, nämlich der Abt Gerhard. Er wurde in derGrafschaft Namur von frommen Eltern geboren undsorgfältig erzogen. Zum Jünglinge herangereift, trat erin die Dienste des Grafen Berengar von Namur.Gerhard war bei seinem liebenswürdigen Aeußern undseiner Geselligkeit den Fallstricken des Hoflebens wohlsehr ansgesctzt, aber gleichwohl edel genug, seiner gotteö-fürchtigeu Erziehung treu zu bleiben. Sowohl in derHofburg als im Feldlager bewahrte er die Unschuld seinerSitten. Er gewann eine besondere Liebe zur Einsamkeit,erhielt nach vielem Bitten die Freiheit und wählte dasMönchsleben. Später zum Abte erwählt, legte er nacheiniger Zeit diese Würde nieder, um förmlich als Klausnerzu leben. Aber Gott hatte ihn ansersehen, gleich andern

Männern seiner Zeit, an der Wiederherstellung desächten Ordenslebens zu arbeiten. Dem musterhaftenMönche Gerhard wurde die schwere Aufgabe gesetzt,die Klöster in Flandern und Lothringen zum neuen Lebenzu erwecken. Unter ungeheueren Anstrengungen oblagder Heilige zweinndzwanzig Jahre diesem schwierigen Ge-schäfte, und setzte in achtzehn Klöstern die besseren Refor-men durch. Dadurch wurde er der geistliche Erzieherund zweite Begründer derselben. Er ging auch nachRom, um vom heiligen Stuhle die von ihm eingeführtenVerbesserungen bestätigen zu lassen. Seine Bitte wurdeerhört. Nach seiner Rückkehr besuchte er noch einmalseine Klöster, schloß sich dann in seine Zelle ein, underwartete hier den Tod, der ihn am 3. Oktober 959in das bessere Jenseits führte.

Gebet. Herr, himmlischer Vater! stehe uns bei,damit wi.r ebenso treu und eifrig vor dir wandeln, wieder heilige Abt Gerhard, auf daß auch uns einst derTod hinüberführe in das bessere Jenseits zu deinerewigen Anschauung. Amen.

Zweihnndertsiebenundsiebenzigstes Lese stück.

Am Feierabende des 4. Oktober.

Von den furchtbaren Folgen des Meineides.

Fr. Was ist von einem falschen Schwur oder vomMeineide zu halten?

Antw. Daß er eine der größten und zugleichverderblichsten Sünden ist.

Fr. Warum ist der Meineid eine der größtenSünden?

Antw. Weil der Meineidige sich gegen Gott,den Allwissenden und Gerechten, sowie gegen dieganzeMenschheit ans eine furchtbare Weise versündigt.

Belehrung. Der Meineidige versündigt sich 1) schwergegen Gott; denn er spottet der Allwissenheit, der Wahr-haftigkeit und Gerechtigkeit GotteS, indem er ihn zur Bestätigungund zum Zeugen einer Lüge anruft; nberdieß sagt er sichgleichsam feierlich von Gott los, indem er auf Gottes Gnadeund Barmherzigkeit, sowie auf die ewigen Güter, die unsGott versprochen hat, verzichtet. Der Meineidige ist sonachim vollsten Sinne des Wortes gottlos. Er versündigtsich aber auch 2) schwer gegen die ganze Menschheit,weil er auf die frechste Weise die Pflicht der Wahrhaftigkeitund Redlichkeit verletzt und so das letzte Mittel, welchesden Menschen zu Gebote steht, um Streitigkeiten zu schlichten