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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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642
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Viertes Hauptstück. Von den Versündigungen gegen den Eidschwur — Meineid.

Hanömeiers Ebroin, der ihm treue Freundschaft ge-schworen hatte. Leodcgar war nämlich Bischof zuNiltun in Frankreich und mußte daselbst um der Gerech-tigkeit willen Vieles leiden. Als in Betreff der Thron-folge Zwistigkeiten entstanden waren, sprach sich Leo-degar für Childerich, den rechtmäßigen Thronfolger,aus, Ebroin aber für seinen Freund Theoderich. Deß-halb ließ Ebroin den heiligen Bischof ergreifen, obscboner ihm früher Freundschaft geschworen hatte, ließ ihmdie beiden Augen ansstechcn und mit dem Schwerte hin-richten i. I. 678. Aber es blieb die Strafe für diesenMord und Meineid nicht aus. Ebroin fiel einige Jahrespäter unter dem Schwerte eines Vasallen, den er inseinen Nechtcn gekränkt halte.

Gebet. Bittfürnns, heiligerBischofLeodegar,daß wir alle Ungerechtigkeit und alles falsche und lügen-hafte Wesen verabscheuen und wie du nur für Wahrheitnnd Gerechtigkeit leben und sterben. Amen.

Zweihnndertsechsundsiebenzigstes Lesestülk.

Am Feierabende des 3. October.

Von den Versündigungen gegen den Eidschwur — Meineid.

Fr. Wie versündigt man sich mit Schwören?

Antw. I) Wenn man ohne Noth schwört oderzum Schwören verleitet und 2) besonders aber, wennman falsch oder im Zweifel schwört.

Belehrung. Der Eidschwur muß uns immer etwasHeiliges sein; man darf daher nur im Nothfalle schwören,und auch da nur, wie du, mein christlicher Leser! schon ausdem letzten Lesestück weißt, in Wahrheit, mit Ueb er-leg ung und in Gerechtigkeit. Sünde ist es also, wennman 1) ohne Noth schwort oder zum Schwörenverleitet. „Wie es dem Körper nicht nützlich ist," schreibtder heilige Augustin, „Arzneien zu gebrauchen, wenn sienicht nothwcndig sind, ja, ihr häufiger Gebrauch sogarschädlich ist; ebenso ist cS auch nicht heilsam, den Eidschwurzu gebrauchen, wenn nicht eine gerechte und zugleich wichtigeUrsache vorhanden ist." AuS diesem Grunde ruft uns auchEhristuS zu: „Schwöret gar nicht!" — Eine überaus großeSünde aber ist eS, wenn man 2) sogar falsch oder imZweifel schwört, d. h. wenn mau unter einem Eide ver-sichert, daß Etwas wahr sei, obschon man weiß, daß es un-wahr, oder nicht weiß, ob es wahr sei, oder wenn maneidlich Etwas verspricht, was man nicht zu halten gedenkt.Das ist jene furchtbare Sünde des Meineides, die in den

Augen Gottes ein Greuel ist; denn also spricht der Herrbei Zacharies (8, 17.): „Liebet nicht, falsch zu schwören;denn all dieß hasse ich."

Beispiel und Anwendung. Zwei Knechte, Klausund Görg, führten zwei Wagen voll Holz in das Schloßihres Gutsherrn und kamen auch in die Küche. Kaum warder Koch zur Thüre hinausgegangen, so stahl der listige Klausein Stück Fleisch aus dem Kessel, schob es dem Görg in dieTasche und sagte: „Wenn der Koch nach dem Fleische fragt,so schwöre ich, daß ich Nichts eingeschoben habe, und duschwörest, daß du Nichts genommen hast. So kommen wirleicht durch." Der Koch kam zurück, schaute in den Kesselund fragte die Knechte: „Wo ist das Fleisch hingekommen?"Beide redeten sich nun aus, wie sie verabredet hatten. Alleinder Koch sagte: „Du, Klaus! hast das Fleisch aus demKessel genommen, das sehe ich an deinem rußigen Acrmel,