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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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641
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Am Feierabende des 2. October.

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aller Uebercilung und Unbesonnenheit enthalten; nie darfman sich bei einem Eibe von Haß, von Liebe oder von einerandern unordentlichen Neigung des Herzens leiten lassen,sondern einzig und allein nur von dem Gewichte und derNothwendigkeit der Sache selbst. Gegen diese zweite Eigen-schaft des Eidschwnrcs versündigte sich besonders jener berüchtigteKönig Herodcs. Er sieht die Tochter der Hcrodias tanzen;sogleich wird er von der unordentlichen Leidenschaft seinesHerzens ergriffen; ohne sich zu besinnen, was er sagt,schwört er der Tänzerin, ihr Alles geben zu wollen, wassic verlange, sollte es auch die Hälfte seines Reiches sein.Wegen einer so unbedeutenden Sache schwört ein König —einen so unbesonnenen Eid, der den heiligsten unter denMenschenkindern, den heiligen Vorläufer Johannes, zumgrausamen Opfer forderte! Hätte er die Sache überlegt,er würde vielleicht diesen Schwur nicht gethan haben.

Fr. Was heißt: schwören in Gerechtigkeit'?

Antw. Es heißt, sich durch den Eid nur zu ge-rechten und ehrbaren Dingen verpflichten.

Belehrung und Beispiele. Nie darf man sich zuetwas Ungerechtem oder Unehrbarem durch einen Eid-schwur verpflichten, nie durch einen Eid eine ungerechte Sacheunterstützen. Wer dieß thun würde, der würde nicht nurungiltig schwören, sondern auch eine schwere Sünde gegendie Gerechtigkeit beim Eide begehen. Dieß erkanntegar wohl der heilige Basilius, welcher dem Statthalterdes Kaisers, Valens, der ihn aufforderte, zu schwören, daßer der Lehre des Anus huldigen wolle, antwortete: „Niewerde ich etwas Sündhaftes beschwören; das aber schwöreich, daß ich Blut und Leben für die Lehre Christi hinzugebcubereit bin." (Sieh das vorausgehende Bild!) Ja, eineschwere Sünde begeht, wer Unerlaubtes beschwört. Aufsolche Weise versündigten sich die Juden, welche, wie wirin der Apostelgeschichte lesen, (Apostelgcsch. 23, 12 ) unterder Bedingung sich verschworen haben, daß sie „Nichtsverkosten wollen, bis sie Paulum getödtet h ätten."Einen solch ungerechten Eid schwur auch Herodes; er hätteseinen Schwur nicht mehr halten dürfen, als er sah, anwelche sündhafte Bedingniß er sich knüpfe, indem die Tochterder Herodias das Haupt des heiligen Johannes forderte. —Du siehst also, mein Christ! daß das Schwören immeretwas Gefährliches ist; darum soll man sich wohl bedenken,bevor man schwört. Bei uns ist es gewöhnlich der Fall,daß mau einen feierlichen Eid nur vor Gericht ablcgt; eswird dadurch erfüllt, was die heilige Schrift mit den Worten

Mchlcr, Hausbuch.

ausdrückt: „Du sollst schwören im Gerichte." Beidiesem feierlichen Eide werden folgende bedeutungsvolle Cere-monien beobachtet: 1) Muß der Schwörende vor einemKruzifixbildc, neben welchem zwei Wachskerzenbrennen, mit entblößtem Haupte dastehen, umdadurch erinnert zu werden, daß er vor dem allwissendengöttlichen Richter stehe, dem selbst alle Tiefen des HerzensHelles Licht sind; vor ihm entblößt er zugleich sein Hauptaus tiefster Ehrfurcht und sagt gleichsam: „Hier, gerechterGott! hast du mein Haupt. Deine Blitze, deine göttlicheRache mag mich treffen, wenn ich nicht die Wahrheit rede!" —2) Der Schwörende muß die rechte Hand cmpor-hebcn (Weibspersonen legen sie an ihre Brust),drei Finger ansstrecken und zwei Niederdrücken.Die drei ausgestrcckten Finger bedeuten die allerheiligsteDreifaltigkeit; die zwei niedergedrückten bedeuten Leib undSeele. Durch diese Zeremonie will also der Schwörendegleichsam sagen: „Gott der Vater soll mich auslöschcn ausdem Buche des Lebens; Gott der Sohn soll an mir sein kost-bares Blut verloren sein lassen, und der heilige Geist sottmir jegliche Gnade entziehen, ja an Leib und Seele will ichzu Grunde gehen, wenn ich nicht die Wahrheit rede." —Man bedenke es wohl, welch ein furchtbares Weh man übersich herabzieht, wenn man falsch oder meineidig schwört!

Legende: Der heilige Leodegar, Bischof zuAn tun (fl 678).

Der heilige Leodegar, dessen Andenken wir heuter, fiel als Opfer deS ränkevollen und meineidigen

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