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Viertes Hauptstück. Vom Eidschwure, und zwar von den Eigenschaften desselben.
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Belehrung. Nur für die Wahrheit, nie und nimmeraber für die Lüge kann man Gott zum Zeugen anrufen;denn Letzteres hieße Gottes Majestät und Wahrhaftigkeitbeschimpfen. Daher muß man vor Allem in Wahrheitschwören. Damit man aber wirklich in Wahrheit schwöre,so muß der Schwörende 1) genau wissen, was ec beschwörensoll; 2) ob er es so auch beschwören könne, ob er esz. B. gewiß wisse oder nur gewiß meine; 3) muß erschwören in dem Sinne, in welchem die Eidcswortegemeint sind, nicht wie er etwa die Eidesworte in seinemHerzen auslegen kann, indem er sie wohl gar absichtlich ver-dreht oder falsch aufznfassen sucht.
Beispiel und Anwendung. Ein gar schönes Beispiel,wie man in Wahrheit schwören soll, gab uns der berühmteenglische Kanzler Thomas Morus. Dieser sollte dieEhescheidung seines abtrünnigen Königs Heinrich VIII. alsgiltig erkennen und dessen Lostrennung von der Einheit derKirche billigen. Er trat aber entschieden einem solchen ruch-losen Ansinnen entgegen. Dafür ward er aber in's Gefangnißgeworfen. Man drang auch da wiederholt in ihn und forderteihn ans, sich den Neuerungen und Anordnungen des gottlosenKönigs zu unterwerfen; wo nicht, so stünde ihm nichtsAnders, als das Blutgerüst bevor. Man verlangte von ihmeinzig und allein nur, daß er die wenigen Worte beschwörensolle: „Ich will mich den Bestimmungen meinesHerrn und Königs fügen." — Treue Freunde, die
den edlen Morus so gerne vom Tode retten wollten, be-suchten ihn oft in seinem Gefängniße und redeten ihm zu,diesen Eid zu leisten; er könne ja, meinte Einer derselben,diesen Eid gar wohl ablegen, indem er sich unter „seinenHerrn und König" ja nur den höchsten Herrn undKönig Himmels und der Erde denken dürste, dessen Be-stimmungen er sich gewiß zu fügen bereit stehen würde. AlleinThomas Morus, der unbezwingbare Freund der Wahrheit,warf auf den Freund, der ihm solchen Rath ertheilen undihn dadurch retten wollte, einen ernsten Blick und sprach:„Nicht Das darf ich beschwören, was ich denke, sondernDas, was man von mir zu beschwören verlangt.Ich weiß cs nur zu gut, daß Gott der Herr befiehlt: Dusollst schwören in Wahrheit. Nie und nimmer werdeich mich selbst betrügen und einen Meineid begehen, ummeinen elenden Körper zu retten, während meine unsterblicheSeele zu Grunde geht." — So sprach ThomasMorus,und seine Freunde hatten einen Auftritt mehr erlebt, ausdem sie die unbesiegbare Rechtschaffenheit und Charakterstärkedes großen Kanzlers ersehen und bewundern mußten.
Fr. Was heißt: schwören mit IIeberlegung?
Antw. Es heißt, man muß gar wohl bedenken,ob die Sache, die man beschwören soll, wichtig genug,und ob der Eid nothwendig sei.
Belehrung und Beispiel. Bei eiuem Eide mußman mit größter Bedachtsamkeit zu Werke gehen und sich