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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Viertes Hauptstiick. Vom Eidschwure, und zwar von der Bedeutung und Heiligkeit desselben.

dort ewig strafen kann, zur Bestätigung seiner Aussage an.Der Schwörende sagt gleichsam: „ Meine Aussage ist so wahr,als es einen allwissenden, heiligen, wahrhaften, gerechten undallmächtigen Gott im Himmel gibt, der mich strafen wolle,wenn meine Aussage nicht wahr ist, wenn ich mein Ver-sprechen nicht halten sollte." Es ist dich ein fürchterlicherAusspruch, und wehe Dem, der da meineidig und lügen-haft spricht!

Fr. Was folgt hieraus?

Alltw. Hieraus folgt, daß der Eid etwas außer-ordentlich Heiliges ist und daher auch unendlich heiliggehalten werden muß.

Belehrung. Der Eid ist etwas überaus Heiliges;er ist, wie ein christlicher Lehrer sagt, ein Goldstück vonhohem Werthe, geprägt mit dem Namen des lebendigenGottes. Nur mit reiner Hand darf man ihn auf den Altarder Wahrheit legen, und auch die reine Hand wird es mitZittern thun. Daher ruft uns auch der göttliche Heilandzu: „Ihr sollt gar nicht schwören! ... Eure Rede soll sein:Ja! Ja! Nein! Nein!" Er will uns dadurch warnen vorallem Mißbrauche des Eidschwnres, vor allem falschen undleichtsinnigen Schwören, sowie vor jeder unnützen Betheuer-nng; zugleich will er uns dadurch ermahnen, den Eid über-aus heilig zu halten und uns durch gar Nichts auf Erdenzu einem falschen Eide verleiten zu lassen. Das nachfolgendeBeispiel soll unS in dieser Beziehung zur Nachahmung aneifcrn.

Beispiel und Anwendung. Ein junger Mann, derwegen Veränderung der Negierungsform in Frankreich nichtdienen konnte, ließ sich in Holland anwerben. Ein Haupt-mann, der seinen Dienst verlassen wollte, bot ihm daselbstseine Stelle für dreitausend Livres an, worauf der jungeMann sehr gerne einging. Als er des andern Tages seineneue Stelle antrat, blieb ihm nichts Anderes übrig, als denvorgcschriebenen Eid zu leisten. Er begab sich deßhalb amfestgesetzten Tage zur Obrigkeit, warf sich auf die Knie nie-der, legte die Hand ans das Evangelium und schickte sich an,den Eid zu leisten, den man ihm vorsagen würde. „Ihrschwöret der Verfassung treu zu sein?" — „Ich schwöre es,"antwortete er. — „Ihr schwöret," fuhr man fort, „daßIhr die reformirte Kirche nach allen Euern Kräften verthei-digen und beschützen wollet?" Bei diesen Worten erhob sichder junge Mann und sagte im festen Tone, daß er das Glückhabe, Katholik zu sein; und daß er nie einen derartigen Eidleisten werde. Man erwiderte ihm, dieser Eid sei eine bloßeFormalität; aber er entgegnete: „Es ist keine Formalität,wenn ich die Hand auf das Evangelium lege, und ich willmich nicht unter einem derartigen Vorwände eines Meineidesschuldig machen." Zu seinen Gunsten ging man aber auf

seine Weigerung nicht weiter ein, sondern sagte: „Schwöret,daß Ihr weder indirekt noch direkt eine Summe Gelbes ge-geben habt, um Capitän zu werden!" — „Auch diesen Eid,"sagte er, „kann ich nicht leisten; denn ich habe so eben fürmeine Hauptmannsstelle dreitausend Livres gezahlt:" und so-gleich stand er auf. Dieser Zug fand alsbald weite Ver-breitung, und selbst die Protestanten bewunderten seine männ-liche Festigkeit. — Und in der That, mein christlicher Leser!wer muß diesen charakterfesten Mann nicht bewundern? Ererkennt den Eid als Das, was er wirklich ist, nicht als einebloße Formalität, sondern als etwas überaus Heiliges, under opfert lieber seine Stellung und seine irdische Wohlfahrtauf, als daß er sich zu einem falschen Eide verleiten ließe.Auf solche Weise mußt auch du den Eid gebrauchen und ihnstets als etwas überaus Heiliges betrachten und behandeln.

Fr. Ist denn der Eid erlaubt, da Christas derHerr sagt: „Ihr sollt gar nicht schwören?"

Antw. Durch diese Worte verbietet der göttlicheHeiland nicht das Schwören überhaupt, sondern, wieschon gesagt, nur das leichtsinnige und falsche Schworen;wenn man aber auf rechte Weise schwört, so ist es nichtnur erlaubt, sondern in manchen Fällen nothweudig unddaher sogar löblich.

Belehrung und Beispiele. Wären die Menschenim ursprünglichen Zustande der Heiligkeit und Gerechtigkeitgeblieben, so bedürfte man freilich des Eides nicht; weil aberGlaube und Treue mehr und mehr verschwanden, so bliebkein anderes Mittel mehr übrig, man mußte zum Eide seineZuflucht nehmen, um Ordnung und Sicherheit in der mensch-lichen Gesellschaft zu erhalten. — Weil sonach der Eid fürdie menschliche Gesellschaft ein wahres Bedürfniß gewordenist, so muß er nicht nur erlaubt, sondern sogar löblichsein. Es wird uns dieses einleuchtcn, wenn wir, wie derrömische Katechismus sagt, die Sache genauer betrachtenund auf den Ursprung und Endzweck des Eides sehen.Der Eid entspringt aus dem Glauben, vermöge dessendie Menschen annehmen, daß Gott der Urheber aller Wahr-heit sei, der weder jemals betrogen werden, noch Anderebetrügen kann; daß vor seinen Augen Alles bloß und auf-gedeckt liegt, und daß er für alle Angelegenheiten der Menschenmit wunderbarer Vorsicht sorgt und die ganze Welt regirt.Der Zweck des Eides aber ist, die Gerechtigkeit und Unschuldeines Menschen zu bewähren und den Zwistigkeiten einEnde zu machen. Hieraus schon muß die Vernunft dieErlaubtheit und Löblichkeit des Eidschwures erkennen. Nichtminder aber billigt dieß auch die heilige Schrift, indemsie gar viele Beispiele aufzählt, aus denen wir die Erlaubt-