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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Seite
636
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636 Viertes Hauptstück. Entheiligung des göttlichen Namens durch Religionsspöttereien und durch Gotteslästerung.

mittelbar geschehen, wenn man sich verächtlich äußert;. B.wider die Heiligen Gottes und heilige Dinge. Hieher gehörtbesonders auch das sogenannte Fluchen und Sakramen-tiren, selbst auch wenn man die heiligen Namen verändertund abkürzt, z. B. statt Sakrament: Sakra oder Elementsagt; es müßte denn sein, daß man durch diese Abänderungabsichtlich die Gotteslästerung vermeiden wollte. Durch diesesFluchen wird, leider! am Meisten gesündigt, so daß wahrwird, waS Gott bei Isaias (52, 5.) klagt: „Mein Namewird den ganzen Tag ohne Unterlaß gelästert." — Aufmittelbare Weise beging diese Sünde der Gotteslästerungjener unglückliche Spieler, welcher, während er in die Lotterieeinsetzte, das Bildniß des heiligen Bruders Seraphim inder Absicht, um ein glückliches Loos zu ziehen, in seinemHut verbarg. Als er sich aber in seiner Hoffnung getäuschtsah, warf er dieses Bildniß hin und trat es mit Füssen,sprechend: „Geh, du einfältiger Kapuziner, du kannst Nichts!"

Fr. Warum sollen wir die Gotteslästerung überAlles verabscheuen?

Antw. Weil sie 1) eine überaus große Sündeist, und 2) weil sie von Gott sehr strenge bestraft wird.

Belehrung. Die Gotteslästerung ist eine sehr

schwere Sünde; denn was kann es für ein größeresVerbrechen geben, als Gott lästern, den König der Könige,da cs schon ein Majestätsvcrbrechen ist, wenn man einenirdischen König lästert? Daher wird aber auch diese Sündevon Gott sehr strenge bestraft. Schon im A. B.war auf dieselbe die Todesstrafe gesetzt; denn also steht ge-schrieben (3. Mos. 24, 16.): „Wer den Namen Gotteslästert, soll des Todes sterben; steinigen soll ihn die ganzeGemeine!" Und noch immer kommen im Leben Fälle vor,die es zeigen, wie sehr Gott diese Sünde verabscheut undstraft, indem er den Pfeil seines Zornes auf alle Jene herab-schleudert, die seinen heiligen Namen lästern. (Sieh dasvorausgehende Bild!)

Beispiel und Anwendung. Ein Dienstknecht inEngland konnte einem Jahrmärkte nicht beiwohnen und wardarüber voll Zorn und Grimm. Er fluchte darüber so ent-setzlich, daß ein Mitknecht ihn warnte, solches Fluchen werdeihn in die Hölle bringen. „In die Hölle?" antwortete er,„das ist gerade für mich recht. Da giebt's doch Feuer genug,meine Pfeife anzuzünden!" Mit diesen Worten ging er hinweg,stürzte nieder und — war todt! — Wie sehr bestätigen sichda die Worte, die schon Tobias (13, 16.) ausgesprochenhat: „Vermaledeit sollen Diejenigen sein, die dich, o Gott!vermaledeien; Verdammung über Alle, die dich lästern!"

Darum bitte und beschwöre ich dich, mein christlicher Mit-bruder : Fluche nie, lästere nie deinen Gott, auf daß du nichtGottes Fluch auf dich herabziehest; denn schrecklich ist es,in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.

Legende: Der heilige Kirchenlehrer Hiero-nymus (fl 420).

Gar wohl erkannte auch der heilige Hiero nym ns,dessen Fest wir heute feiern, die Abscheulichkeit der Gottes-lästerung; daher schreibt er: „Nichts ist schrecklicher alsdie Gotteslästerung; denn sie richtet die gottlose Sprachedes Mundes gegen den Himmel; jede andere Sünde istim Vergleiche zur Gotteslästerung gering." Mit Abscheuwendete er sich von dieser Sünde ab und benützte seineSprache und seine reichen Kenntnisse nur zum Lobe undzur Ehre Gottes, sowie zum Segen und Heile seinerMitmenschen. Schon in seiner zartesten Kindheit zeigtensich in ihm die Keime seiner künftigen Heiligkeit. Alser daun später in seinen Jünglingsjahren nach Nom ge-schickt wurde, um daselbst die schönen Wissenschaften zuerlernen und sich in der Beredsamkeit zu üben, besuchteer fleißig die Gräber der heiligen Apostel, wie auch an-derer heiligen Märtyrer. Da gefiel es ihm aber nichtlauge, weil er seinem Wunsche, der einsamen Betracht-ung sich zu widmen, in der großen, geräuschvollen Stadtnicht nachleben konnte. Im Jahre 354 begab er sichdaher in die chalcidische Wüste, in der Einsiedler lebten,die in strenger Abtödtung dem beschaulichen Leben sichwidmeten. Während seines Aufenthaltes in der Wüsteerlernte er die hebräische und chaldäische Sprache, derenKenntniß er nachher zur Auslegung der heiligen Schriftauf die segenvollste Weise anwendete. Nach vierjährigemAufenthalte in der Wüste kehrte er nach Antiochien zurück,