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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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635
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Am Feierabende des 30. September.

Religion sei gut; es sei wenig daran gelegen, auf welcheWeise man Gott ehre; Religion überhaupt sei eine falsche,ungereimte, abergläubische Sache re., oder wenn man überreligiöse Gebräuche und Ceremonien leichtsinnig scherzt odersie lächerlich macht. An solchen Religionsspöttern fehlt csbesonders in unfern Tagen nicht; daher ermahnt uns einchristlicher Lehrer: „Fliehe den Menschen, der schief lächelt,wenn von Gott und göttlichen Dingen die Rede ist. Erist eine giftige Schlange, die unter einem Nosenstrauche lauert."Und der heilige Petrus schreibt (2. Petr. 3, 3. 17.):„Vor Allem wisset, daß in den letzten Tagen verführerischeSpötter kommen werden, die nach ihren eigenen Gelüstenwandeln. . . . Ihr also, Brüder, die ihr dieß zuvor wisset,hütet euch, daß ihr nicht, durch den Jrrthum der Thorenverführt, euere eigene Festigkeit verlieret."

Beispiele und Anwendung. Ich will es dir, meinchristlicher Leser! in zwei Beispielen zeigen, wie sehr Gottdie Religionsspötter verabscheut und oft gar auffallend straft.In dem Dorfe Edinghausen, nicht weit von der StadtBielefeld, ließ es sich ein Spötter und Lästerer der heiligenReligion in seinen bösen Sinn kommen, im Wirthshausedes heiligen Abendmahls zu spotten. Mit seinen Sauf-kameraden sitzt er am Tische, nimmt Brod und Wein, sprichtdarüber die Worte der Einsetzung, und theilt es unter seineGesellen aus. Wie die Reihe an ihn selbst kommt, von demBrode und Weine zu nehmen, wird ihm übel, er legt denKopf auf den Tisch — und ist in einigen Sekunden eine Leiche.Am heiligen Drcikönigstage ist er begraben worden. — Dazunoch eine zweite, nicht minder erschütternde Begebenheit. Alsvor beiläufig zehn Jahren in Felixdorf, einem neu ange-legten Dorfe unweit Wiener-Neustadt in Oesterreich, dieBildsäule des heiligen Felix aufgestellt, und Böller dabeigelöst wurden, bespöttelte der Mann, welcher das Geschützbediente, die religiöse Feierlichkeit und erlaubte sich mehrereungebührliche Ausdrücke gegen den heiligen Ordensmann,dessen Standbild zur Verehrung errichtet wurde. WaS ge-schah? Bei dem letzten Schüsse, dem wieder ruchlose Schmäh-worte vorausgegangen waren, zerplatzte das Geschütz undbeschädigte den Ruchlosen so sehr, daß er halb todt hinweg-Dragen werden mußte, und nach kurzer Zeit an seinenWunden starb. — Laß dich, mein Christ! durch diese traurigenBeispiele belehren und warnen!

Fr. Was heißt Gott lästern?

Antw. ' Gott lästern heißt, bedachtsamer Weiseetwas Schimpfliches denken, reden oder thun — WiderGott, wider Christus, wider die Heiligen oder andereGott geheiligte Sachen. ''

Belehrung und Beispiele. Man kann die Sündeder Gotteslästerung durch Gedanken, Worte und Werke

begehen und zwar unmittelbar, wenn man dadurch GottesEhre selbst angrcift, z. B. wenn man mit den Gottlosenbei Job (22,13.) sprechen wollte: „Was weiß denn Gott?"oder mit den Israeliten in der Wüste: „Sollte denn Gotteinen Tisch zurichten können in der Wüste?" (Ps. 77, 12.)Auf solche Weise lästerte Gott der gottlose Kaiser Julian.— Dieser Abtrünnige redete von Christus Jesus nieanders, als nur mit der tiefsten Verachtung und dem gott-losesten Spotte; er pflegte ihn nur den „Galiläer," den„Zimmermanns sohn" zu nennen. Einst begegnete ereinem erleuchteten, frommen Christen, dessen treue Anhäng-lichkeit an Christum und seine heilige Religion der gottloseKaiser gar wohl kannte. Er trat ihm entgegen und fragteihn im Tone ruchlosen Uebermuthes: „Was macht denn derGaliläer, der Zimmermannssohn?" Und der Christ erwiderteihm ruhig und ohne Erbitterung: „Kaiser! er zimmert dieBretter zu deinem Sarge!" — Und so war es auch; inwenigen Tagen war der Kaiser todt. Aber auch im letztenAugenblicke seines Lebens konnte er seine Gotteslästerungnicht lassen; ehe er die Augen schloß, rief er noch einmalaus: „Du hast überwunden, Galiläer!" — Ach Gott!welchen Richter mag wohl dieser Unglückliche an Jesusgefunden haben?! — Die Gotteslästerung kann aber auch