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Viertes Hauptstück. Von den Reliquien der Heiligen.
Dabei übten sie ihre Kunst unentgeltlich aus — nuraus christlicher Nächstenliebe. Dadurch aber wurdenihnen alle Herzen geöffnet und Gelegenheit gegeben, rechtViele für Christus zu gewinnen und an Leib und Seelezugleich zu heilen. Allein gerade dadurch zogen sie sichden Haß der Heidenpriester zu, die es dahin brachten,daß sic auf Befehl des Statthalters von Zilizien, mitNamen LhsiaS, als Christen ergriffen und in's Gefänguißgeworfen wurden. Nun sollten sie den heidnischen Götternopfern und die Götzenbilder anbcten. Sie aber ant-worteten voll christlicher Entschlossenheit: „Wir opfernnur Gott dem Herrn und verehren nur die Bilder desAllerhöchsten und seiner Heiligen; euere Götzenbilder aberverachten wir, wohl wissend, daß Gott der Herr es ver-boten hat, geschnitzte Bilder zu machen, um sie anzn-beten." Standhaft widerstanden sie so den Forderungendes heidnischen Statthalters und duldeten voll Ruhe undErgebung in Gottes heiligen Willen die schrecklichstenMartern, bis sie endlich mit dem Schwerte hingerichtetwurden um d. I. 303. Die Namen dieser Heiligenkommen täglich im Kanon der heiligen Messe vor undsind berühmt und hochverehrt in der ganzen Christenheit.Sie verdienen dieß aber auch; deun sie stehen als großeGlanbcnshelden in der Geschichte der Kirche da und sinduns Allen erhabene Vorbilder eines heiligen Eifers fürGottes Ehre und eines frommen, gottergebenen Sinnesin Verfolgungen und Leiden. Betrachte daher, meinChrist! recht oft diese beiden herrlichen Vorbilder undbete zu Gott:
Gebet. Herr, himmlischer Vater! gib, daß unsdas Bild vcr heiligen Brüder und Marthrer Cosmasund Damian stets vor Augen schwebe, und daß wir
durch den Anblick desselben ermuntert, ebenso muthig,wie sic, deinen heiligen Namen bekennen und ebensofromm und gottergeben dulden und leiden, — durchChristum, unfern Herrn. Amen.
Zweihnnderteinnndsiebenzigstes Lescstiilk.
Am Feierabende des 28. September.
Von den Reliquien der Heiligen.
Fr. Ist auch die Verehrung der heiligen Reli-quien nicht gegen das erste Gebot?
Antw. Ebenso wenig, als die Verehrung der hei-ligen Bilder; sie ist vielmehr ebenso vernünftig undnützlich, wie diese.
Fr. Warum ist die Verehrung der Reliquien derHeiligen ganz vernünftig?
Antw. Weil ihre Leiber lebendige Glieder JesuChristi und Tempel des heiligen Geistes waren, und einstwieder von den Tobten zur ewigen Herrlichkeit aufer-stehen werden.
Belehrung. »Die Leiber der Verstorbenen, besondersder Gerechten und Gläubigen dürfen wir nicht verachten,"schreibt der ehrwürdige Agobard, Bischof von Lyon; „ viel-mehr verdienen sic unsere Verehrung; denn sie waren Werk-zeuge und Gefäße des heiligen Geistes zu allen guten Werken.Ist doch den Kindern ein Kleid, ein Ring oder sonst Etwasvon ihrem Vater um so theuerer, je größer seine Zärtlichkeitgegen sie war. Oder könnte wohl auch ein Kind, das seinesVaters Bild mit Füßen träte — noch Ehrfurcht gegen denVater haben?" — Ist also die Verehrung der heiligenReliquien oder der Uebcrreste der Heiligen nicht ganz ver-nünftig? Die Leiber der Heiligen waren ja lebendige GliederJesu Christi und Tempel des heiligen Geistes, und werdeneinst wieder von den Tobten zur ewigen Herrlichkeit auf-erstehen und verherrlichet werden; es sind dieß die Leiberjener heiligen Märtyrer und jener treuen Diener Gottes,die jetzt ewig mit Christus im Himmel leben (Oonoil. Di«!.8e88. 25.) — und wir sollten dieselben nicht verehren?Siehe, mein Christ! man besitzt gerne, man bewahrt mitLiebe und Achtung eine Sache, die einer geliebten und acht-baren Person gehört hat. „Dieses Geräthc, dieses Kleid"sagt man, „gehörte meinem Vater, meiner Mutter; ich hebees mit Zärtlichkeit auf und gedenke ihrer dabei mit Achtung."Man balsamirt die Leichname der Könige ein; man macht