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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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629
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Am Feierabende des 27. September. 629

Belehrung und Beispiele. Die heilige Schrifterzählt uns, wie Gott der Herr dem Moses befahl: „Macheeine eherne Schlange und richte sie auf zum Zeichen! Wergebissen ist und sie ansieht, Der soll leben." (Num. 2l, 8.)Und wiederum: „Mache zwei goldene Cherubim, die ausdem Ganzen gegossen, zu beiden Seiten des Gnadenthrons."(Exod. 25, 18.) Und wie sehr wurde nicht die Arche desBundes sammt diesen Cherubim in Ehren gehalten? (Siehdas vorausgehende Bild!) Josue fiel ja sogar auf seinAngesicht vor der Arche des Herrn. (Jos. 7, 6.) — Dusiehst also, mein christlicher Leser! daß die Verehrung derHeiligenbilder sowohl in der Vernunft, als auch in derheiligen Schrift vollkommen begründet ist. Dazu kommtaber noch ein neuer Grund, der uns zur Verehrung derBilder Christi und der Heiligen ermuntern muß; diese Ver-ehrung ist nämlich auch noch sehr nützlich.

Fr. Warum ist denn die Verehrung der heiligenBilder sehr nützlich?

Antw. 1) weil Gott selbst diese Verehrung schonoft mit Wundern bestätigt hat, und 2) weil schon diebloße Betrachtung der heiligen Bilder uns kräftig zumGuten ermuntert.

Belehrung. Die Nützlichkeit der Bildcrvcrehrungläßt sich 1) daraus entnehmen, weil Gott selbst siegar oft schon mit Wundern bestätigt hat, die ohneFrevel nicht geläugnet werden können. Gehe nur hin zuden vielen wunderthätigen Muttergottesbildern und andern,und betrachte daselbst die zahllosen Votivtäfelchen! Sie alle, sind lauter Zeugen für die Wahrheit, daß die Verehrungder heiligen Bilder Gott dem Herrn sehr wohlgefällig, unsaber äußerst nützlich sei. 2) Diese Verehrung ist uns aberauch deßhalb sehr nützlich, weil schon die bloße Be-trachtung der heiligen Bilder uns kräftig zumGuten ermuntert. „Was die Schrift für den Leserist," sagt der heilige Gregor der Große, „das ist auchdas Bild für Diejenigen, die nicht lesen können; die Un-wissenden sehen darin, was sie zu thun, und Die, welche dieLesekunst nicht erlernt haben, lesen einigermaßen in denGemälden." Und ein Gelehrter aus der neuern Zeit setzthinzu: „Die Bilder an den Kirchcnwänden sind gut selbstauch für die Gelehrten, damit sie an der Wand lesen müssen,was sie oft in den Büchern nicht lesen wollen." Ja, dieBildnisse Christi und der Heiligen in den Kirchen sind vongroßem Nutzen. Sie unterrichten und stärken uns im Glaubenund ermuntern uns zum Guten, indem sie die Geheimnisse

unserer Religion, die Geschichte unserer Erlösung und denfrommen Wandel der Heiligen uns vor Augen stellen.

Beispiele und Anwendung. An einem Festtagekam ein schlichter Landmann, der nicht lesen konnte, miteinem schöngebundencu Gebetbuche unter dem Arme ausBesuch zu seinem Pfarrer. Letzterer verwunderte sich darüber,daß der Landmann, von dem er doch wußte, daß er nichtlesen könne, ein so schönes Gebetbuch habe, und fragte ihndaher, wie und wozu er denn dieses Gebetbuch benütze?Hierauf zeigte der Landmann dem Pfarrer das Buch, welchesaus lauter Heiligenbildern bestand, und sprach: „Hock>-würdcn! Ich kann zwar nicht lesen, aber dennoch bete ichtäglich aus meinem Gebetbuche. Ich schlage mein Buch auf,erinnere mich an die Tugenden, die dieser oder jener Heiligegeübt, und bitte Gott, er möge mir Gnade und Kraft ver-leihen, sie nachzuahmen; dann blättere ich um und findeimmer wieder etwas Neues, Schönes und Lehrreiches, undich hoffe zu Gott, daß mir diese Andacht nützlich, dem Herrnaber selbst wohlgefällig sein werde." — So nützlich undlehrreich kann uns also die Verehrung und Betrachtung derheiligen Bilder werden. Dieß haben selbst auch die HeiligenGottes erfahren. Durch Betrachtung der Bilder Christiund der Heiligen wurden sie in ihrer Andacht mächtig ge-hoben und im Tugendeifer gestärkt. So wissen wir z. B.vom heiligen CarlBorromäus, der eine große Andachtzu dem Leiden Christi trug, daß er sich oft viele Tage lang,besonders gegen das Ende seines Lebens, in die Einsamkeitauf dem Berge Varallo zurückzog, wo alle Geheimnisse desLeidens Jesu nach dem Leben abgebildet sind; und die Be-trachtung dieser Leidensbilder wirkte stets sehr erhebend ausihn. — Hast nicht auch du, mein christlicher Leser! beiBetrachtung heiliger Bilder schon oft eine ähnliche Erfahrunggemacht? O gewiß, der Anblick eines schönen Heiligenbildeskann nicht anders, als nur belehrend und erbauend ausjedes empfängliche, fromme Gemüth einwirken. Darum istauch die Verehrung heiliger Bilder so nützlich und segenbringendfür jeden frommen Christen; nie sollen daher in christlichenWohnungen solche heilige Bilder fehlen, besonders aber niedas Bild des Gekreuzigten. Welch eine Schmach für einchristliches Haus, wenn man darin kein frommes, dafür aberum so mehr ärgerliche Bilder antrifft!

Legende: Die heiligen Brüder Kosmas unDamian, Märtyrer (ch 303).

Diese beiden Heiligen, deren Fest ans den heutigenTag fällt, waren Brüder und Aerzte aus Arabien undzeichneten sich besonders durch Wohlthätigkcit gegen dieArmen aus, sowie durch die wunderbaren Kuren, diesie an den Kranken machten. Wenn sie nämlich zuKranken berufen wurden, so betraten sie schon betenddas Krankenzimmer, machten das heilige Kreuzzeichen überden Kranken, erkundigten sich dann über die Krankheitund schrieben einige Arzneimittel vor, und die Krankengenasen, einige ans der Stelle, einige in kurzer Zeit.