«28 Viertes Hauptstück. Von den Bildern Christi und der Heiligen.
Ag l aid es sich der Zauberkünste eines gewissen Schwarz-künstlers Cyprian bediente, um seinen Zweck zu er-reichen: da wußte die Heilige auf diesen unglücklichenZauberer durch ihr Wort und Beispiel so vortheilhafteinzuwirken, daß er gleichfalls zum Christenthume iiber-trat. Beide wurden nun als Christen erkannt und er-griffen, und so beschlossen sie unter grausamen Marternihr Leben i. I. 304.
Gebet. Heilige Jungfrau und Marthrin I u st ina,die du durch dein Wort und Beispiel so mächtig auf denheiligen Chprian eingewirkt hast, daß er aus einemGötzendiener und Zauberer ein Märtyrer für den christ-lichen Glauben wurde, bitte für uns, damit auch wirdir und allen Heiligen Nachfolgen auf Erden in derTugend und Heiligkeit und einst jenseits in der Gloriedes Himmels. Amen.
Zweihmldertittldsiebenzigstes Lesestmk.
Am Feierabende des 27. September.
Von den Bildern Christi nnd der Heiligen.
Fr. Gott befiehlt im ersten Gebote: „Du sollstdir kein geschnitztes Bild machen;" nnd dochhaben wir in der katholischen Kirche Bilder; sündigenwir dadurch nicht gegen Gottes Gebot?
Alltw. Gott hat allerdings das Gebot gegeben:„Du sollst kein geschnitztes Bild machen;" aber es stehtdabei: „um es anzubeten," wie nämlich die Heidengethan haben. Wir Katholiken aber verabscheuen dieAnbetung der Bilder; wir verehren sie nur wegen derHeiligen, die auf denselben vorgestellt werden. Unddieses ist ganz vernünftig.
Belehrung. Daß wir die Bilder Christi und derHeiligen in Ehren halten, ist ganz vernünftig; dennwenn schon ein Kind die Bildnisse seiner Eltern, und einUnterthan das Bild seines Fürsten ehrt, so müssen wir umso mehr die Bilder dcS Herrn und seiner Heiligen in Ehrenhalten. — Schon die Griechen und Römer errichteten ihrenHelden und andern, ihrer Meinung nach wohlverdientenMännern Bildsäulen. Selbst die Protestanten halten esnicht bloß für erlaubt, sondern für einen Beweis von Liebennd Zuneigung, Bilder von Freunden, Eltern, Wohlthäternn. s. w. zu haben nnd durch dieselben das Andenken derVerehrten bleibend zu erhalten. Warum will man es nunden Katholiken zum Verbrechen anrcchnen, wenn sie die Bild-
nisse des Stifters ihrer Religion und ihrer heiligen Glaubens-Helden zur Verehrung anfstellen? Denn kein Mensch ist dochwohl heut zu Tage noch so thöricht, die von den Akalholikenersonnene Lüge zu glauben, als wenn wir die Bilder an-betetcn. O nein! wir wissen nur zu gut, daß geschriebensteht: „Du sollst kein geschnitztes Bild machen, um csanzubeten," (3. Mos. 26, 1.) wie die Heiden thaten;daher verabscheuen wir Katholiken die Anbetung der Bilder.Nnd es ist daher durchaus kein Aberglaube, wenn wir vorden Bildern beten; denn wir beten vor den Bildern zuJesusChristus unddenHeiligen, dieuns daraufvorgestellt werden. „Die Ehre, die wir den Bildern er-zeigen," sagt das Concilium von Trient, „geht aufdie Urbilder zurück, welche sie darstellen, so daß wir durchdie Bilder, welche wir küßen, und vor denen wir das Hauptentblößen und uns neigen, Christum anbcten und die Heiligenverehren, deren Abbildung sic sind." — Wie thöricht undungerecht sind also die Beschuldigungen, die uns unsereGlaubensgegner in dieser Beziehung machen!
Fr. Ist dieser löbliche Gebrauch auch schon inder heiligen Schrift begründet?
Antw. O ja; wir finden da mehrere Beweiseund Beispiele hiefür.