Am Feierabende des 25. September. 625
Antw. Ganz gewiß; denn wenn das beharrlicheGebet des Gerechten, wie der heilige Apostel Jak ob nsschreibt (5, 16.), schon auf Erden sehr viel vermag;um wieviel vermögender muß nicht die Fürbitte derHeiligen im Himmel sein?
Belehrung. Wunderschön erklärt uns dies; der heiligeHieronymus, indem er schreibt: „Wenn die Apostel undMärtyrer, da sie noch in ihrem Leibe wandelten und fürsich selbst noch bekümmert sein mußten, für die Anderenbeteten, um so mehr jetzt, nachdem sie die Krone desSieges und Triumphes schon empfangen haben. Der einzigeMoses erbat Verzeihung für sechshunderttausend Streiter,und Stephanus, der Nachfolger seines Herrn und der ersteBlutzeuge Christi, erbat Verzeihung für seine Verfolger,und jetzt, da sie bei Christus sind, werden sie da wenigervermögen? Der heilige Paulus hat zweihundertsechsundsiebzigSeelen durch sein Gebet vom Schiffbruche gerettet, und beiChristo sollte er für Die, die in der ganzen Welt in derGefahr des Schiffbruches stehen, nicht den Mund öffnen, dadoch der Prophet Jeremias auch nach dem Tode nicht aufhörte,für sein Volk zu beten?"
Beispiel und Anwendung. Gar viele, ganz glaub-würdige Beispiele aus der Geschichte bezeugen es uns, daßdie Heiligen im Himmel für uns bitten, und daß ihre Für-bitte sehr viel bei Gott vermöge. Ich will dir, mein christ-licher Leser! von den vielen Tausenden nur Eines erzählen.— Als sich der Kaiser Thevdosius der Große zumKriege gegen den Tyrannen Maximus rüstete, sah manihn oft im härenen Kleide der Büßenden vor den Grä-bern der heiligen Märtyrer liegen, diese vollendetenKnechte Gottes um ihre Fürbitte ansprechend bei dem leben-digen Gotte, der Himmel und Erde gemacht hat, in dessenNamen unser Heil ist. Der Erfolg ihrer Fürsprache war,daß Thevdosius die weit zahlreicheren Truppen des Maxi-mus in zwei Schlachten besiegte und in Aguileja den Thron-räuber selbst gefangen nahm. — So vielvermögend ist dieFürbitte der Heiligen Gottes. Wie nun aber Thevdosiusdurch diese ihre mächtige Fürbitte seinen Feind besiegte, sowerden gewiß auch wir die Feinde unsers Heils besiegen,wenn wir die Heiligen um ihre Fürbitte anrnfen; denn sievermögen Viel bei Gott.
Fr. Wissen aber denn die Heiligen, um was wirsie anrnfen? Sie sind ja nicht allwissend.
Antw. Sie sehen und wissen alles Das in Gott,wie in einem Spiegel.
Belehrung. Es ist nicht nothwendig, daß die Heili-gen Gottes allwissend seien; denn sie brauchen nicht Alles
Mehl«, Hausbuch.
zu wissen, sondern nur Das, was ans ihre Person Bezughat, — und dieß wissen und sehen sie in Gott. SchonDavid sagt: „Herr! in deinem Lichte werden wir Lichtsehen;" und der heilige Thomas ruft aus: „Was sollenDie nicht sehen, die Den sehen, der Alles sicht?" In gleichemGeiste schreibt der heilige Petrus Damiani: „In derWeisheit, mit der sie vereinigt sind, wissen sie Alles, undin dem Allmächtigen, zu dem sie ausgenommen sind, vermögensie Alles. Es fehlt ihnen weder an Wissen, noch an Macht,wenn wir sie anrnfen. Darum wenden wir zu ihnen, zuihrer himmlischen Liebe unsre hoffenden Blicke." — lieber-dieß müssen wir uns die Heiligen Gottes im Zustande derVerherrlichung ganz anders, d. h. weit vollkommener denken,als im Zustande ihrer irdischen Wanderschaft. MancheHeilige, z. B. die Propheten des A. B., der heilige Johannesin seiner geheimen Offenbarung, der heilige Ansclmus, derheilige Benedikt, der heilige Franz Xaver und viele Anderewaren selbst im Fleische schon mit einer wunderbaren Gabedes Sehens und Wissens ausgerüstet; um wie viel vollkommeuer wird diese Gabe nicht im Zustande ihrer Glorie sein?
Legende: Der heilige Mauritius und diethebaiscke Legion. Ma--tvrer s-l um 286).
Heute begegnet uns in der Legende eine ganze Legionvon Heiligen, die für Christus starben und nun ewig imHimmel leben, um sich der Anschauung Gottes zu er-freuen und für uns, die wir noch kämpfen und streitenmüssen auf Erden, ihre mächtige Fürbitte einzulegen;es ist dieß die thebaische Legion und als Anführeran ihrer Spitze der heilige Mauritius. Diese Legion
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