Am Feierabende des 24. September.
K23
Barnabas zu Likaon als Göttern opfern; da aber widersetztensie sich, zerrissen ihre Kleider und sagten: „Wir sind keineGötter!" — Eben so ließ sich auch jener Engel, von demin der geheimen Offenbarung des heiligen Johannes ( 19 , 10 .)die Rede ist, nicht anbeten, sondern sprach: „Thue dich nicht;ich bin dein und deiner Brüder Mitknecht. Gott betean!" — So wies auch die Kirche überall und immer jeglicheAnbetung der Heiligen zurück, bestand aber stets auf ihrerVerehrung. Ganz im Geiste der Kirche handelte daher derheilige Hieronymus. Als nämlich im vierten Jahrhundertder Jrrlehrer Vigilant ins mit erboßter Wuth gegen dieHeiligenverehrung eiferte, indem dieselbe 1) der AnbetungGottesentgegensei, und 2) Gottes Ehre schmälere;so trat dieser heilige Kirchenvater als sein Gegner auf undgab ihm folgende kräftige und entscheidende Antwort: „Ounsinniger Köpf! Wer hat je die Märtyrer angebetet? Werhat je einen Menschen für Gott gehalten? Wir loben Gottin seinen Heiligen und die Heiligen in Gott, (sieh dasvorausgehende Bild!) sowie wir Gott in dem Nächsten undden Nächsten in Gott lieben. So wenig nun die Gottschuldige Liebe dadurch vermindert wird, daß wir unsereMitmenschen als Kinder Gottes wegen Gott lieben, ebenso wenig wird der Ehre Gottes dadurch Etwas entzogen,daß wir die Heiligen als Freunde Gottes wegen Gott ver-ehren; sondern sie wird im Gegentheile eben so durch dieVerehrung der Heiligen vergrößert, wie die Liebe gegen Gottin dem Maße zunimmt, als wir den Nächsten lieben. Wemwird wohl einfallen, zu sagen: daß die Ehre, so man einemFürsten schuldig ist, vermindert werde, wenn man nebst ihmseine Mutter, Kinder, Freunde und treuen Diener verehrt?Wird im Gegentheile seine Ehre nicht vermehrt, indem sieja nur seinetwegen verehrt werden; so wie dagegen die Be-schimpfung, die man diesen zufügt, auf den Fürsten selbstzurückfällt? Deßwegen, sagt Christus: „Wer euch verachtet,Der verachtet mich." (Luk. 10 , 16 .) „Was ihr aber einemaus den geringsten meiner Brüder gethan habt, das habtihr mir gethan." (Matth. 25, 40 .) — Aus all Diesemerstehst du nun, mein christlicher Leser! daß wir in derkatholischen Kirche die Heiligen nicht anbeten, sondern nurverehren, daß dadurch Gottes Ehre nicht geschmälert, sondernnoch mehr vergrößert werde, und daß ebendeßhalb die Ver-ehrung der Heiligen Gott dem Herrn ganz angenehm undsonach auch ganz vernünftig, für uns aber äußerst nützlichsei, indem wir durch die wahre Verehrung der Heiligen auchzur treuen Nachahmung ihrer erhabenen Tugenden angesporntwerden, wie du aus den nachfolgenden Lesestücken ersehen wirst.
Legende: Der heilige Bischof und MärtyrerGerhard in Ungarn (f 1046).
Wer sollte aber auch die Heiligen Gottes nicht ver-ehren, wenn er bedenkt, wie viel Gutes sie gewirkt, wieviel sie um des Glaubens willen gelitten haben? Ver-ehren wir ja auch jene Männer, die für unser Vater-land segenreich wirken oder für dasselbe Blut und Lebenopfern; warum sollen wir nicht ein Gleiches den Heiligen
Gottes gegenüber thun, die soviel Segen verbreitetenund nicht selten Gut und Blut für unfern heiligenGlauben hinopferten? Unter der Zahl dieser Glaubens-Helden, die unsere volle Verehrung verdienen, steht auchder heilige Bischof und Märtyrer Gerhard, dessenAndenken heute in der Kirche gefeiert wird. Aus demedlen Geschlechte Sagredor zu Venedig geboren, wurdeer von seinen Eltern in aller Gottesfurcht erzogen undwuchs alsbald zu einem Muster christlicher Tugend undVollkommenheit heran, so daß er vom heiligen Stephan,König in Ungarn, zur bischöflichen Würde befördertwurde. Nun arbeitete er mit allem Eifer dahin, durchWort und Beispiel die Finsternisse des Heidenthnms zuzerstreuen und besonders die Verehrung der seligstenJungfrau in Ungarn zu verbreiten. Mit Unwillen be-trachteten viele Gottlose diesen frommen Eifer des hei-ligen Gerhard und die günstigen Erfolge desselben;daher haßten und verfolgten sie ihn und ruhten nichteher, als bis sie ihn aus dem Wege räumten. Voneiner Lanze durchbohrt, gab der heilige Blutzeuge seinenGeist auf i. I. 1046.
Gebet. Dich allein, o Gott! beten wir an undloben dich in deinen Heiligen, an denen du ebenso, wiean dem heiligen Bischof und Märtyrer Gerhard,Großes gethan hast; laß auch uns die Macht deinergöttlichen Gnade erfahren, auf daß wir nach Heiligkeitstreben und mit allen Heiligen selig werden, durchChristum unfern Herrn. Amen.