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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Viertes Hauptstück. Von der Verehrung der Heiligen.

Belehrung. Wir erweisen den Heiligen keine gött-liche Verehrung, sondern ehren und Preisen vielmehr inden Heiligen Gott den Herrn selbst, der sich in ihnen somächtig und gnadenreich erwiesen hat; „wir bewundern undehren in den Heiligen," wie St. Augustin sagt, „dieWunder der Hand des Höchsten, die Gabe der Gnade undden Erguß seiner Herrlichkeit;" wir bekennen, daß GottGroßes an ihnen und durch sie gcthan habe (Luk. 1, 49.),und „loben daher Gott in seinen Heiligen." (Ps. 150, 1.)— Die Verehrung der Heiligen trägt also zur Verherr-lichung Gottes selbst bei. Höre ein Gleichniß! Ein Fürstwill als Fürst geehrt sein: aber er fühlt sich nicht beleidigt,wenn er seinetwegen seine Hofleute und Untergebenen geehrtsieht; ja, er würde sich vielmehr beleidigt fühlen, wenn ersie nicht geehrt sehen würde. Es folgt daraus, daß es demersten Gebote Gottes nicht entgegen sei, wenn man die Hei-ligen ehrt, daß vielmehr Gott dadurch geehrt werde; daß manJesus Christus kein Leid zufüge, sondern seine Herrlichkeitvergrößere, weil alle Gnaden, die der göttliche Vater dem Men-schengeschlechte auf die Fürbitte der Heiligen ertheilt, durch dieVerdienste dieses seines göttlichen Sohnes ausgespendet werden.

Fr. Was ist also für ein Unterschied zwischen derVerehrung Gottes und der Heiligen?

Antw. 1) Gott allein ehren und beten wir an alsunfern höchsten Herrn; die Heiligen aber ehren wir nurals seine getreuen Diener und Freunde; 2) Gott ehrenwir wegen seiner selbst; die Heiligen aber wegen derGaben und Vorzüge, welche sie von Gott haben.

Belehrung. Es besteht ein wesentlicher Unterschiedzwischen der Ehre, die wir Gott, und jener, die wir denHeiligen erweisen: 1) Gott beten wir an, d. h. wirehren ihn als Gott, als unfern höchsten Herrn,Schöpfer und Erlöser, als den Urheber allesGuten; die Heiligen aber ehren wir nur als seine ge-treuen Diener und Freunde. „Wir verehren dieHeiligen," schreibt der heilige Johannes Damascenus,„weil der König sie ehrt, weil er sie liebt; aber wirverehren sie nicht wie den König selbst, sondernals seine gehorsamen Diener und geliebtenFreunde, die für uns bei ihm bitten." 2) Gott ehrenwir wegen seiner selbst oder wegen seiner unendlichenVollkommenheiten; die Heiligen aber wegen Gott, wegender Gaben und Vorzüge, die sie von Gott erhalten haben.Ganz schön schreibt in dieser Beziehung der heilige Bern-hard: „Wer wird glauben, daß die kalte Wand den Son-nenstrahl erzeuge? Sie empfing ihn ja zum Fenster herein ....Wenn ich an den Heiligen Dinge erblicke, die des Preisesund der Bewunderung würdig sind, und wenn ich diese andem Hellen Lichte der Wahrheit prüfe, so finde ich, daß hierein Anderer als prciswürdig und wunderbar erscheine, undder ist -— Gott, und diesen erhebe ich in seinen Heiligen.Ein künstliches Gemälde gereicht nicht dem Pinsel, und eineschöne Schrift nicht der Feder, und eine gute Rede nichtder Zunge oder den Lippen zum Ruhme." — Aus Allendiesen geht klar hervor, daß wir die Heiligen nicht anbeten;und wenn wir auch bei ihrer Verehrung niederknieen, soist dieß doch kein Zeichen von Anbetung; oder betet dennein Knecht seinen Herrn an, wenn er ihn fußfällig um eineGnade bittet? Ebenso wenig ist es ein Zeichen der Anbetung,wenn wir zu Ehren der Heiligen Kirchen und Altäreerbauen oder das heilige Meßopfer darbringen; denn wirweihen nur Gott Kirchen und Altäre und bringen nurGott das heilige Meßopfer dar, jedoch ehren wir dabeidas Andenken der Heiligen und rufen sie um ihre Fürbitte an.

Beispiele und Anwendung. Von jeher wurden inder Kirche die Heiligen verehrt, nie aber angebetet. DieHeiligen selbst wiesen mit allem Nachdrucke jede Anbetungvon sich zurück. Man wollte dem heiligen Paulus und