618 Viertes Hanptstiick. Von der eitlen
Gott, sondern auf eitle Dinge setzt, wie die Galater gethan,die sich zu den schwachen und dürftigen Elementen wendeten,anstatt zu Gott. (Gal. 4, 9.)
Beispiel und Anwendung. Die Thorheit dieserSünde wirst du, mein christlicher Leser! aus nachfolgenderErzählung erkennen. Eine alte Frau, die voll Aberglaubensteckte, ersuchte einmal einen Studirenden, ihr einen Zettelabzuschreiben, der den Krassesten Unsinn enthielt, und dessenGebrauch gegen Augenleiden helfen sollte. Der Studirende,das Unsinnige und Abergläubische in der ganzen Geschichteerkennend, schrieb allerdings einen Zettel, aber westen Inhalts?„vmbolus tibi ooulos oruat et toramina limo replest!^Und was heißt das zu Deutsch? Höre und staune: „DerTeufel reiße dir die Augen aus und fülle deine Augenhöhlenmit Koth!" Unbekannt mit dem Inhalte, nahm die alteFrau den Zettel und trug ihn voll Verehrung am Halse.Und wirklich verlor sich in wenigen Tagen das Augenleiden.Wie erstaunte sie, als ihr der Student die Worte ver-deutschte?! — Wer muß nicht den Unsinn dieses Aberglaubenserkennen und verabscheuen! Es mag tausendmal der Fallsein, daß Leute, die solche eitle Mittel anwenden, wiedergesund werden; allein haben sie es den einfältigen ZettelnundFicbersäckelchen zuzuschreiben? Gewiß nicht, ebensowenig,als die oben erwähnte Frau ihre Heilung dem allerdingssehr boshaft geschriebenen Wunderzettel zuschreibcn konnte.Die Hilfe kommt stets nur von Oben. Nimm daher, meinChrist! in Krankheiten nie deine Zuflucht zu solch abergläu-bischen Dingen oder zu Quacksalbern und Wunderdoctoren,sondern vor Allem zu Gott, dem Helfer in aller Noch, unddann zu einem vernünftigen Arzte. Nicht umsonst sagt dieheilige Schrift (Sir. 38, 1—4.): „Ehre den Arzt um derNoch willen; denn der Allerhöchste hat ihn erschaffen. AlleArznei ist ja von Gott. . ."
Fr. Was ist Zauberei?
Antw. Zauberei ist ein Aberglaube, vermöge dessenman durch Anrufung und Hilfe des Teufels oder durchGeisterbeschwörung Schätze finden, oder andere wunderbareDinge auswirken will, oder auch dem Menschen, demViehe u. s. f. Schaden zufügt.
Belehrung und Beispiele. Bei der Zauberei wirdder Satan entweder ausdrücklich oder heimlich angerufen;man gebraucht nämlich dabei solche Mittel, die weder vonder Natur, noch von Gott, noch von der Kirche die Krafthaben, Solches zu wirken. Diese Sünde der Zauberei istjene Sünde, durch die sich besonders der Antichrist bemerkbarmachen wird, „dessen Ankunft geschehen wird unter SatansWirkung mit allerlei (täuschender) Kraft, mit Zeichen undfalschen Wundern, und mit allerlei Verführung zur Bosheitfür Die, welche verloren gehen." (2. Thest. 2, 9—10.) Gott
Beobachtung und von der Zauberei.
selbst verbietet mit allem Nachdrucke diese Sünde, indem ersagt: „Wer sich zu den Zauberern wendet und sich mit ihnenverunreiniget, den will ich in meinem Zorne anschauen undmitten aus seinem Volke vertilgen." (3. Mos. 20,10.) Jndeßmuß man sich wohl hüten, die sogenannten Taschenspielerund Gaukler für Zauberer zu halten; diesen stehen gewissenatürliche Kunstgriffe zu Gebote, die sie durch beständigeUebung und durch Geschwindigkeit auf eine überraschende, un-erklärbare Weise zu handhaben wissen. Geschwindigkeit aberist keine Hexerei. Ebenso irrig wäre es, wenn man Männer,die durch eifriges Studium der Natur und ihrer Gesetze (siehdas vorausgehende Bild!) Dinge herausbringen und vor derWelt zeigen, die an's Unerklärbare und Fabelhafte gränzen,der Zauberei beschuldigen wollte. — Auch sind gemeine Leutegar gerne geneigt, in jeder etwas wunderbaren Erscheinungsogleich eine Hexerei zu erblicken, z. B. wenn die Kühe blaueoder rothe Milch geben. Und doch rührt dieß oft von dennatürlichsten Dingen her. Die Kühe geben aus ganz natür-lichen Ursachen eine blaue Milch, wenn sie nämlich aufWeiden getrieben werden, wo Schwämme wachsen, oder woes viele junge Tannensprossen gibt; rothe Milch hingegen,wenn sie gewisse Kräuter, z. B. Leberkraut, Küchenschelleoder die safranartige Rebendolde fressen. Da ist also voneiner Hexerei keine Rede. — Daß es jedoch an bösen Men-schen nicht fehlt, die bei Schatzgräbereien und Krankheitensich die Dummheit Anderer zu Nutzen machen und als Zau-berer auftreten, das lehrt uns die Geschichte. Wie thörichtist es, solchen gewissenlosen Menschen Glauben zu schenken,die Nichts wissen und können, als nur betrügen und sich be-reichern vom Gelde Derer, die sich betrügen lassen! Aberauch höchst verderblich ist es, sich der Zauberer irgendwie zubedienen. Wir sehen dieß an König Saul, der die Zau-berin zu Endor veranlaßte, den Propheten Samuel durchZaubermittel aus dem Reiche der Todten heraufzurufen, umdem Könige den Ausgang der Schlacht vorauszusagen. Undwas war die Folge? Saul wurde besiegt, und er ermordetesich mit seinem eigenen Schwerte.
Legende: Der heilige Bischof und MärtyrerEmmeram (s- 652).
Dieser Heilige, dessen Fest am heutigen Tage be-sonders in der Diöcese Regensburg gefeiert wird, erkanntegar wohl das Verderben des Un- und Aberglaubens;daher faßte er den Entschluß, die Hunnen im christlichenGlauben zu unterrichten und sie so ans den Fesseln desUn- und Aberglaubens zu befreien. Als er aber aufseiner Reise von Aquitanien aus, wo er geboren