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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
616
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016 Viertes Hauptstück. Von den verschiedenen Arten der

sterben; vernahm sie aber das Schreien einer Elster aufdem Hause eines Kranken, da war ihr dieses eine erfreulicheAnzeige von der baldigen Wiedergenesuug des Kranken. Mitaußerordentlicher Freude wurde ihr Herz erfüllt, als einStorch sein Nest auf ihr Haus baute; „Dieß bedeutet Glück!"rief sie freudig aus. Aeußerst aufmerksam war sie darauf,wenn sie selbst oder ein Anderer niesen mußte. Am Morgenkündigte es Unglück an; Mittags hatte cs eine gute Vor-bedeutung; wenn Eines öfter als dreimal nacheinander niesenmußte, da waren nach ihrer Meinung Briefe mit günstigenNachrichten, Pakete mit Geldern u. s. f. zu hoffen. Klangihr das linke Ohr, so war dieß ein Zeichen, daß andereMenschen bös von ihr reden; klang das rechte, so war'seine Andeutung, daß Andere Gutes von ihr sprechen. —Und was war die Folge von dieser abergläubischenZeichen deuterci? Dieses, daß die arme Frau beständigin Angst und Sorge war, daß sie falschen Argwohn gegenUnschuldige schöpfte und sich selbst quälte. Denn wenn sieirgendwo zum Essen- geladen war, erschien sie nicht, ausFurcht, es möchten dreizehn zu Tische sitzen; klangen ihrdie Ohren, so stellte sie an sich im Stillen die Frage: „Ei,wer wird doch jetzt so sehr über mich losziehcn?" u. s. f. —Dieß ist der Lohn des Aberglaubens; er macht menschenscheu,stößt Erbitterung ein und stört die Gemüthsruhe. Wahr-sagerei, sowie Zeichendcutungen sind eitle, verderbliche Dinge.

Fr. Was ist Tranmdenterei?

Antw. Tranmdenterei ist es, wenn man gehabtenTräumen glaubt oder Träume auf Glück oder Unglückdeutet.

Belehrung und Beispiele. Gott läßt uns aller-dings oft durch Träume vor Gefahren warnen, gibt unsdadurch heilsame Erinnerungen und Winke zum Guten, wiewir dieß aus der Geschichte des ägyptischen Joseph(Genes. 37, 5.), des heiligen Nährvaters Jesu Christi(Matth. 2, 13.), ferner aus den Träumen des KönigsNabuchodonosor und Baltasar (Dan. 2, 1.; 4, 2.),des Patriarchen Jakob, der heiligen Perpetua rc. (siehdas vorausgchende Bild!) wissen. Solche Träume gleichsamals Fingerzeiger Gottes zu beobachten, ist ganz billig. Alleindie meisten Träume sind nur natürliche Folgen und Erzeugniste unsrer Phantasie; meistens träumen wir von Dem,was am Tage oder Abends einen besonder» Eindruck ausuns gemacht hat. Da kann es nun allerdings der Fall sein,daß hie und da das Geträumte in Erfüllung geht, z. B. kannuns träumen, wir seien gefallen, und können zufälliger Weise

' Wahrsagerei: Stern-, Zeichen - nnd Traumdenterei.

bald darauf wirklich fallen; allein deßhalb allen TräumenGlauben schenken und sie als Vorbedeutungen von künftigenDingen ansehen zu wollen, das wäre ebenso thöricht alssündhaft. Darum schreibt schon der weise Sirach: „UnweiscLeute täuschen sich selbst mit thörichten, eitlen Hoffnungen.Wer auf Träume hält, der greift nach dem Schatten undwill den Wind Haschen. Träume haben ebenso wenig Wesent-liches, als das Bild im Spiegel" (Eccl. 34, 1—3.) UndGott der Herr spricht: „Ihr sollet auf die Träume nichtAcht haben!" (Levit. 19, 26.) „Auf die Träume achten —ist ein Gräuel vor Gott." (Deut. 18, 10. 12.) — Wieverderblich und sündhaft die Traumdeuterei sei, haben be-sonders und gar oft schon Jene erfahren, welche von Träumenverleitet, ihr Geld und Gut in die Lotterie setzten. — Einer-Frau träumte, daß sie mit der Zahl 77 ein großes Loos inder Lotterie gewinnen würde; sie setzte so lange fort, bis sieihr ganzes Vermögen verspielt hatte und vor Kummer starb.— Siehe, so wird gar oft die Sünde der Traumdeuterei gestraft.

Legende: Der heilige Matthäus, Apostelund Evangelist (ch im 1. Jahrhdt.).

Der heilige Matthäus, dessen Fest heute in derKirche feierlich begangen wird, nnd der uns die oben er-wähnten Träume des heiligen Nährvaters Joseph, wo-durch dieser zur Fluch, nach Aegypten und zur Rückkehrin das Land Israel aufgefordert wurde, in seinem Evangelium (Matth. 2, 13u. 19.) erzählt, wurde von unsermgöttlichen Heilande von der Zollbank hinweg zum Apostelberufen. Augenblicklich folgte er dieser göttlichen Stimme,besiegte muthig alle entgegenstehenden Rücksichten mW

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