Am Feierabende des 21. September.
613
->-»-L
»W
vjfGUWM'M WS ''l tz
ML
nützliche Wissenschaft und beruht auf gewissen Gesetzen derNatur. Vermöge dieser Kenntniß läßt sich gar ManchesVorhersagen, was nach dem gewöhnlichen Laufe der Naturzutrifft, z. B. Sonnen - und Mondsfinsternisse, das Erscheineneines Planeten oder Cometen, die Veränderung der Jahres-zeiten, der Witterung, Kälte und Hitze. Es ist daher durch-aus kein Aberglaube, wenn der Landmann bei seinem Anbau,und der Schiffer bei seiner Seefahrt sich nach dem Monderichtet, da der Mond wegen seiner nahen Berührung mitdem Dunstkreise der Erde einen wesentlichen Einfluß aufRegen und Trockenheit hat, und bei dem vollen und ab-nehmenden Monde die Gefahr auf dem Meere größer ist. —Sterndeuterei hingegen ist cs, wenn man z. B. ausder Stellung oder Beschaffenheit der Gestirne Voraussagenwill, ob ein Mensch oder ein Tag glücklich oder unglücklichsein werde, welche Gemüthsart und Schicksale Kinder habenwerden u. s. f. So findet man nicht selten, daß einfältigeLeute die sogenannten Sternbilder (Stier, Krebs, Zwillinge re.)
fiir bedeutungsvoll halten. Wird ein Kind im Zeichen desWassermanns geboren, so muß es sich vor dem Ertrinkenhüten. Bei Jenem, der im Krebse geboren ist, geht Allesrückwärts oder verkehrt u. s. w. Wer erkennt hier nichtauf den ersten Blick die Thorheit des Aberglaubens?
Fr. Was ist abergläubischeZeichendeuterei?
Antw. Abergläubische Zeichendenterei ist es, wennman unbedachtsame Worte oder zufällige Begebenheitenauf ein künftiges Ereigniß, Glück oder Unglück deutet,oder auch, wenn man ans der Bewegung, aus demGeschrei der Thiere, ans dem Niesen der Menschen u. dgl.,etwas Verborgenes oder Zukünftiges erkennen will, wasmit demselben in gar keinem Zusammenhänge steht.
Belehrung und Beispiel. Auch hier gibt eswieder eine erlaubte Zeichendeuterei, die nämlich auf denGesetzen der Natur oder der Erfahrung beruht, z. B. wennman aus der Ankunft oder Abreise der Zugvögel Regen,Kälte, heiteres Wetter u. s. f. muthmaßt. Hingegen ist essündhaft, wenn die Zeichendeuterei in der oben angegebenenWeise erscheint. Wir wollen dieß durch nachfolgende Er-zählung näher beleuchten. — Sara, ein altes Mütterchen,lebte in stiller Zurückgezogenheit und verzehrte die kargenBezüge ihrer Ausnahme in einem kleinen, ärmlichen Zimmer-lein. So friedliebend und gutmüthig die Alte war, so strotztesie hingegen, so zu sagen, vor lauter Aberglauben; die geringstenDinge wußte sie auf Glück oder Unglück zu deuten. Wennihr auf dem Gange zur Kirche, die von ihrem Dörflein einehalbe Stunde entlegen war, ein Hase über den Weg lief,so hielt sie dieses für ein Zeichen eines nahen Unglückes.Tönte die Glocke wegen des daraufliegenden Schnees oderwegen Verhinderung des Schwänkels etwas dumpf, so glaubtesie, es müsse alsbald ein Vornehmer sterben, besonders vonder Geistlichkeit. Wurde über einen Kranken das unwahreGerücht ausgestreut, er sei gestorben; so freute sie sich höchlichdarüber; denn sie hielt fest dafür, daß ihm dieß ein langesLeben bedeute. Dagegen gerieth sie in sichtbare Angst, wennsie dreizehn Personen an einem Tische sitzen sah; dennsie glaubte, es müsse bald Eines davon sterben, weil nämlichChristus mit seinen Aposteln beim letzten Abendmale dreizehnausmachte und bald darauf starb. Fiel ihr ein Zahn aufder rechten Seite aus, so hieß es: „Ach, es stirbt bald einnaher Verwandter!" Wenn Hunde heulten, wenn die Grilleoder Nachteule sich hören ließ, da wurde sie ganz nieder-geschlagen; denn sie hatte die Ansicht, daß dieß nichts Gutesbedeute; es müsse gar bald Jemand in der Nachbarschaft