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Viertes Hauptstück. Von der
o Gott! und wer bin ich? Du bist so groß, und ich bin soklein! Du bist der Schöpfer des Weltalls, und ich bin einelendes niedriges Geschöpf! Du bist Alles, und ich bin Nichts!Mit Einem Worte, du bist, was ist, und ich bin, was garnicht ist. Wie du also das bist, was du bist, und ich jenesNichts, das ich bin, so brenne ich vor Verlangen, vor deinerGegenwart zu stehen!" In diesen einfachen, bewegten Aus-drücken jenes großen Heiligen ist also deutlich ausgesprochen,was Gott von uns will, wenn Er uns gebietet, daß wirIhn anbeten sollen. Von einem heiligen Schrecken vor derMajestät dieses erhabenen Gottes erfüllt, müssen wir unsin unser Nichts erniedrigen. Wir müssen Ihn als Den be-trachten, von dem wir in Allem abhängig sind. Wir müssenbekennen, daß Er allein Alles ist, und daß wir Nichts sind,als eben ein armseliges bloßes Nichts. Diese Pflichten aus-üben mit dem Herzen, ihm uns selbst opfern, unfern Dienst,unsere Verehrung, unsere Huldigung darbringen, das heißtGott anbeten; mit den himmlischen Chören ausrufen: „Würdigbist du, Herr unser Gott, zu empfangen Preis und Ehreund Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durchdeinen Willen sind sie geworden!" (Offenb. 4, 11.) —das heißt Gott anbeten.
Fr. Wodurch können wir unsere innere Verehrunggegen Gott ganz besonders beweisen?
Antw. Durch Gehorsam und Ergebung inseinen heiligen Willen.
Belehrung und Beispiel. Das ist eine wahre Ver-ehrung Gottes, wenn der Mensch in Leid und Freud' ausder Fülle seines Herzens spricht: „Herr, dein Wille ge-schehe!" — oder wenn er mit dem frommen DulderJob ausruft: „Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's ge-gcnommen; der Name des Herrn sei gebenedeit!" O das istgewiß Gott dem Herrn die angenehmste Verehrung, wennwir also denken, also sprechen.
Legende: Die heilige Aebtissin Hildegard(f 1179).
Heute begegnet uns in der Legende eine wahre An-beterin Gottes, die Gott den Herrn verehrte durch Glaube,Hoffnung und Liebe, durch Eifer für seine Ehre, durchEhrfurcht, Anbetung und Danksagung, durch Gehorsamund Ergebung in seinen heiligen Willen. Es ist vießdie heilige Hildegard, geboren im Jahre 1098. Siewar entsprossen ans dem erlauchten Geschlechts der Grafenvon Spanheim in der untern Pfalz, und diente schonvon Jugend ans dem Herrn; denn in ihrem achten Jahreübergab man sie den Klosterfrauen aus dem St. Desi-bodenberge, wo sie von Jutta, ihrer Base, auferzogenwurde. Sie lernte das Irdische verachten, während dieWeltkinder der eitlen Ehre und den Reichthümern nach-jagten. Voll des innigsten Dankgefühles gegen ihren
Verehrung Gottes.
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Gott, der sie ans diesen Finsternissen errettet hatte, wid-mete sie sich ohne allen Rückhalt seinem Dienste. DerHimmel begnadigte sie mit mehreren Erscheinungen, undder heilige Bernhard prüfte ihren Geist und erkannte,daß er von Gott sei. Nach dem Tode der AebtissinJutta an ihre Stelle gewählt, verlor sie in ihrem neuenAmte Nichts von ihrer vollkommenen Vereinigung mitGott und von dem Geiste der Beschauung, obgleich siefür die Bedürfnisse ihrer geistlichen Töchter zu sorgenhatte. Als ihre Genossenschaft sich sehr vermehrte, zogsie im Jahre 1148 mit zwölf Schwestern auf den Ruperts-berg bei Bingen, wo sie auch den 17. September 1179heilig starb. Sie hat viele erbauliche Schriften verfaßtund in denselben ihre Offenbarungen niedergelegt.
Gebet. Wir bitten dich, o Herr! verleihe unsdie Gnade, daß wir dich mit jener glühenden Andachtverehren und anbeten und mit jenem Eifer dir dienen,wie die heilige Hildegard, — durch Christum, unfernHerrn. Amen.
Zweihunderteimmdsechzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 18 . September.
Von der äußerlichen Verehrung Gottes.
Fr. Müssen wir mit der innerlichen Verehr-ung Gottes auch noch die äußerliche verbinden?
Antw. Freilich; denn da sowohl der Leib, als dieSeele von Gott erschaffen ist, so sollen auch beide ihm