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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Viertes Hauptstück. Von der Selbstliebe.

Gesundheit und Erhaltung auf eine vernünftige und christ-liche Weise Sorge tragen.

Beispiel und Anwendung. Ein Jünger der Wüstehaßte seinen Leib und kasteite und züchtigte ihn auf allemögliche Weise; wochenlang nahm er weder Speise noch Trankzu sich und zehrte so allmählig zu einem Gerippe herab.Ein weiser Altvater bemerkte dieß mit Wehmulh und fragteihn um die Ursache hievon. Der Jünger der Wüste ent-gegnete:Wozu soll dieser hinfällige Leib? Er hat ja keinenWerth, da er nur von der Erde stammt und zur Erde wiederkehret."Nicht doch, mein Freund!" versetzte der weiseAltvater,du irrest sehr; dein Leib ist nicht werthlos; er istdie Hülle deiner Seele; und um deiner Seele willenmußt du ihn vernünftiger Weise lieben und zu erhalten suchen.Höre ein Gleichniß! Der Adler bewahrt das Ei in seinemNeste mit größter Sorgfalt. Wehe Dem, der es wagen würde,das Ei zu verletzen! Dieß thut er aber nicht um des Eies,sondern um des jungen Adlers willen, den das Ei einschließt.Wenn sich einmal die Schale des Eies öffnet, und der jungeAdler daraus zur Sonne emporsteigt, dann kümmert er sichnicht mehr um die Schale. Ebenso sollst auch du deinenLeib pflegen, schirmen und bewahren, weil er die Hülle deinesunsterblichen Geistes ist. Und dieß sollst du so lange thun,bis dein Geist seine körperliche Hülle verläßt und zur ewigenSonne emporsteigt." Also sprach der weise Altvater; derJünger der Wüste aber nahm sich diese weise Lehre zu Herzenund pflegte von nun an seinen Körper auf eine vernünftigeund christliche Weise.

Legende: Die Erhöhung des heiligen Kreuzes.

Ja, mein Christ! sorge vor Allemfür die Rettung deiner unsterblichenSeele; denn sie ist dein einziger, deinkostbarster Schatz; Gottes Sohn selbsthat sie am Stamme des heiligenKreuzes erlöst, und daher verehrenwir auch diesesKreuz als Zeichenunserer Erlösung mit kindlicher Liebeund Ehrfurcht. Die heilige katho-lische Kirche hat deßhalb zur beson-deren Verehrung des Kreuzes Christiverschiedene Feste angeordnet, so auchdas heutige, das Fest der Erhöhung des hei-ligen Kreuzes. Der heidnische König von PersienCosroes II., hatte nämlich im Jahre 614 die heiligeStadt Jerusalem erobert und den kostbarsten Schatz dieserStadt, das heilige Kreuz, mit sich fortgeuommen. Nachlangem, schweren Kampfe gelang es endlich dem christ-lichen Kaiser Heraklius,'den Perserkönig zu besiegenund ihm die heilige Beute wieder abzunehmcn. WelcheFreude herrschte nun in der ganzen Kirche Gottes! UnterJubel wurde das heilige Zeichen der Erlösung im Jahre628, nachdem es vierzehn Jahre lang im Besitze derHeiden gewesen war, nach Jerusalem zurückgebracht, und

Kaiser Heraklius selbst trug es nach abgelegtem könig-lichen Schmucke auf seinen eignen Schultern auf denKalvarienberg und stellte es, in der Kirche des heiligenGrabes angelangt, unter den Dankgebeten des Volkes wie-der auf seinen Altar. Dieß geschah am 14. September 629.

Gebet. Herr Jesus! ziehe auch uns zu dirhinauf an das Kreuz und gib uns Kraft und Stärke,damit wir uns auf eine wahrhaft christliche Weise liebenund vor Allem für die Rettung unserer unsterblichenSeele sorgen, die du am Stamme des Kreuzes erlösethast, und die du durch deine göttliche Gnade erhöhenwillst zur himmlischen Glorie. Amen.

Zw eihund ertachtundfünfzigstes Lesestück.

Am Feierabende des 15. September.

Von der ungeordneten Selbstliebe.

Fr. Was ist der christlichen Selbstliebe entgegen-gesetzt?

Antw. Die ungeordnete Selbstliebe oder diesündhafte Eigenliebe.

Fr. Worin besteht diese sündhafte Eigenliebe?

Antw. Darin, daß man 1) seine Ehre und seinenWillen der Ehre und dem Willen Gottes vorzieht; 2) daßman mehr für den Leib und das Zeitliche, als für dieSeele und das Ewige besorgt ist; 3) daß man seineneigenen Nutzen zum Nachtheile seines Mitmenschen sucht.

Belehrung. Die Eigenliebe ist eine furchtbare Machtim menschlichen Herzen, eine Macht, die nur Unheil undVerderben bringt; denn 1) sie läßt in uns die LiebeGottes nicht aufkommen; der Mensch voll Eigenliebezieht ja seine Ehre und seinen Willen der Ehre und demWillen Gottes vor; darum sagt der heilige Franz vonSales:Je mehr Einer sich selbst liebt, desto wenigerliebt er Gott." 2) die Eigenliebe sucht nur dasZeitliche und sorgt nur für das leibliche Wohl-ergehen; sie ist 3) nur bedacht auf die eignenVortheile und achtet es nicht, wenn dabei demMitmenschen irgend ein Nachtheil zugeht.Inunsrer Eigenliebe," sagt wiederum der heilige Franz vonSales,haben wir zwei Herzen, wie die Rebhühner inPaphlagonien. Gegen uns selbst haben wir ein Herz, welchesganz mild, freundlich und höflich ist, aber gegen unfernNächsten haben wir ein hartes, ernsthaftes und strenges