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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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601
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Am Feierabende des 14. September. 6t>1

ans zugefügten Beleidigungen ^tets mit Geduld ertragenund für einander beten, auf daß wir selig werden —durch Christum unfern Herrn. Amen.

Zweihundertsiebemmdsünszigstes Lesestück.

Am Feierabende des 14. September.

Von der christlichen Selbstliebe.

Fr. Dürfen und sollen wir uns auch selbstlieben?

AntW. Ja, wir dürfen und sollen uns auchselbst lieben; denn Christus befiehlt: „Liebe deinenNächsten, wie dich selbst." — „Liebe dich selbst,"sagt der heilige Clemens von Rom; „denn wie wirdDer einen Andern lieben, der sich selbst nicht liebt?"— Ueberdieß hat Gott selbst schon den Trieb der Selbst-liebe in uns gelegt.

Fr. Wie sollen wir uns selbst lieben?

AntW. Wir sollen uns auf eine vernünftigeund christliche Weise lieben, d. h. unsere Seelewegen ihres hohen Werthes über Alles und unfern Leibum der Seele willen schätzen, und dieser Selbstschätzunggemäß die zeitlichen Güter weislich gebrauchen.

Belehrung. Die vernünftige und christlicheSelbstliebe besteht darin, daß wir nach Dem trachten,was uns wahrhaft gut und glückselig warbt. ..Suchet vor

Mehler, Hausbuch.

Allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit!" (Match.6, 33.) Wer sich also wahrhaft selbst liebt, der trachtetnicht nach Geld und Gut, sondern vor Allem nach dem Heileseiner unsterblichen Seele. Er erwirbt sich zwar irdischeSchätze, aber nur zu seinem Seelenheile; er genießt vonDem, was er hat, aber im Aufblick zu Gott, mit Maas;und Ziel; er besitzt, aber so, als ob er nicht befasse; denn erverwendet Alles zu seinem und seiner Mitmenschen Seelenheil:sein Herz hangt nicht an der Erde, sondern an seinem Gott.

Beispiel und Anwendung. Der fromme Gelasius,Abt eines Klosters in der Gegend von Jerusalem, wußte alleredings den Werth der Armuth zu schätzen; denn er selbsthatte als Einsiedler in allen Abtödtungen sich geübt; dennochnahm er auch mit dankbarem Herzen Alles an, was GottesGüte durch fromme Hände ihm zuschickte. Er hatte Ländereien;er hatte Zugvieh, Rinder, Kälber und Schafe und die zurBesorgung des Viehstandes nöthigen Knechte; aber er besaßdieß Alles, als wenn er eS nicht besäße. Einem frommenAnachoreten, der ihn besuchte und ihm seine Besorgniß darüberäußerte, daß diese zeitlichen Güter vielleicht sein Herz zusehr fesseln könnten, gab er zur Antwort: „Lieber Vater!an Allem, was du hier siehst, hängt mein Herz eben sowenig als das deinige an der Nadel, womit du in deinerEinsiedelei deine Matten verfertigest." — Das ist wahrechristliche Selbstliebe, wenn unser Herz nicht an.dem Unsrigenhängt, sondern allein an Gott, dem einzig wahren undbeseligendsten Besitze, und wenn wir Alles, was wir haben,nur zum Heile unserer Seele benützen. — Aus diesem Grundeverzichtete auch der heilige Ludwig, Bischof zu Toulouse,auf Scepter und Krone und trat in den Franziskanerorden,einzig und allein nur aus Liebe zu sich selbst, um seineunsterbliche Seele zu retten. (Sieh das nebenstehende Bild!)

Fr. Können wir also auch unfern Leib und diezeitlichen Güter auf eine christliche Weise lieben?

AntW. Allerdings, wenn wir sie lieben, weil sie GottesGaben und uns zum Dienste Gottes behilflich sind.

Belehrung. Wir können und sollen auf christlicheWeise lieben 1) zeitliche Güter: als Gesundheit, Ver-mögen, guten Namen re., indem wir dieselben als GabenGottes betrachten, und sie, wie wir so eben aus dem Bei-spiele des frommen Abtes Gelasius gesehen haben, nurzur Ehre Gottes und zu unserm und unserer MitmenschenSeelenheil benützen, ohne daß wir unser Herz daran hängen.2) Ebenso dürfen und sollen wir auch unsern Leib lieben;denn er ist die Wohnung der Seele und ihr Werkzeug zumDienste Gottes; er ist geheiligt durch die heilige Taufe, ein-geweiht zum Tempel des heiligen Geistes und bestimmt zurewigen Herrlichkeit. Daher dürfen und sollen wir für seine