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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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600
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60V Viertes Hauptstück. Von den letzten vier geistlichen Werken der Barmherzigkeit.

mir erwiesen hat; denn ich bin froh, daß sie mir vor meinemTode noch Gelegenheit gab, Etwas f ür meinen Erlöserzu leiden." Siehe, mein Christ! das heißtUnrechtmit Geduld leiden aus Liebe zu Gott."

Fr. Wie können wir das sechste geistliche Werkder Barmherzigkeit:Denen, die uns beleidigen,gerne verzeihen" ausüben?

Antw. Wir können es ausüben dadurch, daß wiran unfern Feinden nicht nur keine Rache nehmen undihnen vom Herzen verzeihen, sondern ihnen sogar Gutesthun und für sie beten, wie es bereits oben bei derFeindesliebe gezeigt worden ist.

Fr. Was heißt das:Für die Lebendigenund die Todten Gott bitten?"

Antw. Es heißt: für die Lebendigen sowohl, alsauch für die Todten unsere Gebete und Fürbitten dar-bringen. (Sieh das vorausgehende Bild!)Betet für-einander," ruft uns der heilige Jakobus zu (5, 16.)damit ihr das Heil erlanget." Es ruht großer Segenauf dein gegenseitigen Fürbittgebete.

Beispiel und Anwendung. Dieses Werk der Barm-herzigkeit übte ganz besonders Kaiser Lothar. Dieser ließtäglich, so oft es thunlich war, außer der Tagesmesse auchnoch eine Seelenmesse lesen; in ersterer betete er für sich unddie Seinigen, für das Gedeihen seines Reiches und für dieleibliche und geistliche Wohlfahrt seiner Unterthanen; in letztereraber gedachte er voll des innigsten Mitleides der armenSeelen im Fegfeuer und empfahl sie um des heiligen Leibesund Blutes Jesu willen der göttlichen Barmherzigkeit.Gar leicht kannst auch du, mein Christ! ein Gleiches thun.Es ist eben nicht nothwendig, daß du zwei heilige Messenbörest; denn die Kirche betet ja in jeder heiligen Messesowohl für die Lebendigen, als für die Verstorbenen. Vereinigealso dein Gebet mit dem der Kirche, und du übest gar schöndas siebente geistliche Werk der Barmherzigkeit.

Legende: Die heilige Jungfrau und Dienst-magd Nothburga (ft 1313).

Heute wird uns in der Legende die Geschichte derheiligen Nothburga erzählt, die ganz zum heutigenLesestück paßt; denn diese heilige Jungfrau und Dienst-magd übte selbst in ihrem nieder» Stande mit Eifer dieso eben erklärten geistlichen Werke der Barmherzigkeit;sie tröstete und erbaute ihre betrübten Mitdienstboten,sie litt alles Unrecht, das ihr besonders von ihrer Ge-bieterin Ottilia zugefügt wurde, mit Geduld und ver-zieh ihr alle Beleidigungen, indem sie ihr auf demKrankenbette mit aller Sorgfalt diente und nach ihremTode eifrig für sie betete. Nothburga wurde 1266

zu Nottenburg, einem Dörfchen in Tyrol, geboren. Vonihren armen Eltern erbte sie zwar keine Reichthümer,wohl aber Tugend und Frömmigkeit. Frühzeitig trat sieauf dem Schlosse Rottenburg in Dienst und erwarb sichdurch ihre Herzensgüte, Treue und Emsigkeit gar balddie Liebe und das Vertrauen ihrer Dienstherrschaft; dennman erkannte es gar wohl, daß mit der gottesfürchtigenDienstmagd Gottes Segen in's Haus gekommen sei.Und so ging Alles gut, so lange die alte Herrschaftlebte. Als aber nach dem Tode derselben der Sohn desGrafen Heinrich Erbe des Schlosses und der HerrschaftRottenburg wurde, bekam Nothburga an der neuenHausfrau Ottilia eine schlimme Gebieterin, von ber-ste Vieles zu leiden hatte. Allein Nothburga ertrugdieß Alles mit christlicher Geduld und Pflegte, wie schonoben angedeutet, ihre Frau mit aller Liebe und Sorg-falt, als sie bald hierauf erkrankte, und nach ihrem er-folgten Hiuscheiden betete sie eifrig für dieselbe. Nunfand es Nothburga für ihr Seelenheil zuträglicher,den bisherigen Dienst zu verlassen und bei einem Bäuer-in Dienst zu treten. Mit dem Dienstaustritte der Hei-ligen war aber der Segen Gottes vom Schlosse Rotten-burg gewichen. Es folgte Unglück auf Unglück. Danun bat Heinrich von Rottenburg die arme Dienstmagd,sie möchte doch wieder in seinen Dienst zurücktreten.Nothburga gab endlich diesen dringenden Bitten nachund verlebte so ihre noch übrigen Tage als eine treueDienerin ihres Gottes und als eine eifrige Dienstmagdihrer Herrschaft auf dem Schlosse Nottenburg, bis derHerr seine treue Dienerin zum himmlischen Lohne beriefam 13. September 1313 im 47. Jahre ihres heiligen Lebens.

Gebet. Gib, o Gott! daß wir dir mit einemgleichen Eifer dienen, wie die heilige Nothburga, die