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Am Feierabende des 12. September.
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Schonung geschehen, den Worten des Apostels gemäß (Gal.6, 1.): „Brüder, wenn ein Mensch von irgend einer Sündeübereilt worden ist, so unterweiset einen solchen im Geisteder Sanftmuth!" — Besonders sind Eltern und Vor-gesetzte verpflichtet, die Sünder zu strafen, wenn sich solcheunter ihren Kindern oder Untergebenen vorfinden.
Beispiele und Anwendung. Wie der göttliche Hei-land, so suchten auch die frommen und heiligen Diener Gottesvon jeher mit besonderem Eifer die Sünder zu strafen undzu bessern. Mit einem schönen Beispiele geht uns in dieserBeziehung der heilige Chrysostomus voran. O wie vieleSünder hat er nicht durch sein Wort und Beispiel bekehrt!Darum fordert er aber auch alle Christen zu einer mitleidigenLiebe gegen die Sünder auf, indem er schreibt: „Den Judenist gesagt worden: wenn das Lastthier deines Feindes sichverirrt hat, so verachte es nicht, und wenn es gefallen ist,so richte es auf! Was soll aus diesem Wohl folgen für uns?"So fragt der heilige Chrysostomus. Und er antwortet:„Wenn die Juden gehalten sind, auf das Lastthier ihresFeindes zu achten, werden wir dann die Seelen unserer Brüder,unserer durch Jesu Blut erlösten Brüder, wenn sie sich ver-irrt haben, verachten? — Wenn die Juden das Lastthierpflegen und aufrichten müssen, werden wir den Menschen,den Christen nicht so viele Sorgfalt zukommen lassen, daßwir sie von ihrem Falle aufrichten, aus der Sünde erretten?Aber ach! wir sehen einen Menschen, dessen Kleid zu kurzist, sehen wieder einen, dessen Kleid beschmutzt ist, und wirmachen sie aufmerksam auf dergleichen Mängel; — wennwir aber Einen sehen, der durch geistige Schmutzflecken ver-unstaltet ist, weil er einen ausgelassenen Wandel führt, sogehen wir an ihm vorüber und lassen ihn zu Grunde gehen!"— Mit gleichem Eifer und mit gleicher Liebe suchte auch derheilige Franz von Sales die Sünder zu ermahnen, zuwarnen und zu bessern; und wie liebreich er zu strafen und
dadurch zu bessern verstand, zeigen viele Züge aus seinemLeben. Zugleich lehrt er uns die Art und Weise, wie wirFehlende zurechtweisen und bessern können und sollen, infolgendem schönen Gleichnisse: „Nichts ist bitterer, als dieSchale der noch grünen Nuß; gleichwohl ist Nichts süßer,noch dem Magen zuträglicher, als eben dieselbe, wenn siemit Zucker eingesotten wird. Auf gleiche Weise verhält essich mit einem Verweis, der seiner Natur nach herb ist,aber beim Feuer der Liebe gesotten und mit Sanftmuthgewürzt, liebreich, wonnig und heilsam wird." — Wie vieleSünder würden wir zu Gott zurückführen, wenn wir dieKlugheit und Liebe der Heiligen besäfsen!
Fr. Was heißt: „die unwiss enden belehren?"
Antw. Es heißt, Jene, welche in Sachen desGlaubens und des Heiles gar nicht oder nicht genug nnterrichtet sind, aus Liebe unterweisen.
Belehrung und Beispiele. Es ist ein sehr ver-dienstliches Werk, wenn man die Erkenntniß Gottes zu ver-breiten und die Unwissenden zu belehren sucht; denn Un-wissenheit in Sachen des Glaubens und des Heiles bringtdas größte Verderben. „Aus Mangel an Erkenntniß," sprichtGott der Herr selbst, „geht mein Volk zu Grunde." Daherermahnt uns schon der weise Sirach (18, 13.) zur Aus-übung dieser Tugend, indem er schreibt: „Wer Barmherzig-keit hat, der lehret und unterweiset, wie ein Hirt seineHeerde." — Solche Lehrer der Unwissenden waren schon imA. B. die Propheten, die dem Volke Israel die Wissen-schaft und die Wege des Heiles zeigten; ein solcher Lehrerder Unwissenden war auch der göttliche Heiland, derüberall lehrend und predigend herumging und himmlischeWeisheit verbreitete. Dem Aufträge ihres Meisters folgend,gingen auch die Apostel in die ganze Welt hinaus undlehrten alle Völker. Diesem Beispiele der Apostel folgen alleeifrigen Priester und Prediger, alle Missionäre, alle fleißigenLehrer und Eltern, die ihre Pflegempfohlenen in Sachen desGlaubens und Heiles mit Lust und Liebe unterweisen. Be-sonders gehören hieher jene heiligen Märtyrer, welche ihrenAufenthalt im Gefängnisse dazu benützten, um ihre Mitge-fangenen im Glauben zu unterrichten und für Christus zugewinnen, wie z. B. der heilige Babylas, Bischof vonAntiochien, welcher um des Glaubens willen in das Ge-fängniß geworfen wurde und daselbst drei Jünglinge in denWahrheiten des Heiles unterrichtete, (sieh das obige Bild!)die alsdann heldenmüthig mit ihm für Christus starben.
Fr. Was heißt: „den Zweifelhaften rechtrathen?"