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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Seite
596
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59Ü Viertes Hauptstück. Von den ersten drei geistlichen Werken der Barmherzigkeit.

Legende: Die heilige Pulcheria, Jungfrauund Kaiserin (fl 453).

Die heilige Pulcheria war eine Enkelin Theodo-siuS des Großen und die Tochter des oströmischen Kai-sers Arkadius. Dieser starb frühzeitig, und hinter-ließ einem achtjährigen Knaben das Reich in großerVerwirrung. Pulcheria, dessen ältere Schwester, ent-faltete bei ihrer jungfräulichen Blüthe auch große Weis-heit, und erhielt und übte großen, höchst wohlthätigenEinfluß auf die Erziehung ihres Bruders, des KaisersTheodosius II. In Sonderheit war sie besorgt, daßder Kaiser ein frommer Sohn der katholischen Kirchewerde. Auch ihre Schwestern wußte sie auf den Wegender Frömmigkeit fortzuleiten. Gott gab ihr Weisheit,während der Regierung ihres schwächlichen Bruderssegensreich zum Wohle des Reiches mitzuwirken. IhrVerlangen nach höherer Vollkommenheit bewog sie, dasGelübde der Jungfräulichkeit abzulegen. Nach einer kurzen,unglücklichen Regierung starb Theodosius, und Pul-cheria wurde nun Kaiserin des oströmischen Reiches.Um die große Aufgabe der Regentschaft leichter zu lösen,brachte sie das Opfer, und vermählte sich dem trefflichenFeldherrn und Staatsmanne Marcian, einem Mannevon gleich frommem Glauben, mit welchem sie in jung-fräulicher Ehe lebte. Von jetzt an wurde Pulcheriawahrhaft eine große Beschützerin des katholischen Glaubenswider die Irrlehren der damaligen Zeit, wo man dieGottheit Jesu Christi läugnete und die Würde Mariensauf's Höchste verletzte. Auf Pulcheria's Betreibenwurde die Kirchenversammlung von Chalcedon (451)gehalten. Ueberaus wohlthätig war Pulcheria, wieschon oben bemerkt, auch gegen die Kirchen und gegen

die Armen. Sie starb den 11. September 453. DieVäter von Chalcedon nannten sie eine zweite Helena.

Gebet. Heilige Pulcheria, du Vorbild christ-licher Nächstenliebe! erbitte uns bei Gott die Gnade,daß wir mit gleichem Eifer wie du die Werke der Barm-herzigkeit üben und einst aus dem Munde des Herrndie tröstlichen Worte vernehmen mögen:Gehet ein,ihr Gesegneten meines Vaters, in die Freude des Herrn!"Amen.

Zweihundertsünfundsünfzigstes Lesestück.

Am Feierabende des 12. September.

Von den ersten drei geistlichen Werken der Barmherzigkeit.

Fr. Ist man nebst den leiblichen Werken der Barm-herzigkeit auch noch schuldig die geistlichen Werkeder Barmherzigkeit auszuüben?

Antw. Allerdings, wenn man verständig genug istund Gelegenheit dazu hat; denn das geistliche Wohl un-serer Mitmenschen muß uns weit mehr am Herzen liegen,als ihr leibliches. Besonders sind Eltern und Vorge-setzte hiezu verpflichtet.

Fr. Wie heißen die geistlichen Werke der Barm-herzigkeit?

Antw. 1) Die Sünder zurechtweisen, 2) die Unwis-senden lehren, 3) den Zweifelnden recht rathen, 4) die Be-trübten trösten, 5) das Unrecht geduldig leiden, 6) Denen,die uns beleidigen, gerne verzeihen, 7) für die Lebendigenund die Todten Gott bitten.

Fr. Was heißt das:die Sünder strafen?"

Antw. Es heißt, die Sünder vom Bösen ab-mahnen und zum Guten ermuntern.

Belehrung. Hiezu fordert uns der göttliche Heilandauf durch sein Beispiel, indem er oft mit Sündern um-ging, ja sogar mit ihnen, um sie zu bessern; aber auchdurch seinWort, indem er spricht: Hat dein Bruder gesündigt,so geh' hin und strafe ihn!" (Matth. 18, 15.) Wir nennendieß sonst auch brüderliche Zurechtweisung, welchefür uns Alle Pflicht ist, wenn wir von dem Fehler desNächsten untrügliche Kenntniß und die gewissesteUeberzeugung haben, und wenn mau hoffen kann, daßdie Zurechtweisung mit Nutzen geschehen werde. Stets mußaber dieß mit möglichster Klugheit, Liebe, Sanftmuth und