5i>2 Viertes Hauptstück. Von den letzten zwei leiblichen Werken der Barmherzigkeit.
du nicht, mein Christ! Aehnliches zu thun, wenn sich dirGelegenheit hiezu bietet; folge dem Rufe Gottes, den erdurch den Propheten Jsaias (58, 6 — 8.) an dich richtetmit den Worten: „Löse die Bande der Bosheit und machelos die Fesseln der Bedrückung! Dann wird dein Licht hervor-brechcn wie der Morgen, und die Herrlichkeit des Herrn wirddich aufuehmen."
Legende: Der heilige Bischof Korbinian(f 730).
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Der heilige Bischof Korbinian, dessen Fest aufden heutigen Tag fällt, befreite unzählig Viele, wennauch nicht ans dem Gefängnisse, doch wenigstens aus denFesseln des Un- und Irrglaubens: denn als Glaubens-prediger verbreitete er überall, wo er hinkam, das Lichtdes Christenthnms. Er wurde in der Stadt Melnnin Frankreich geboren und von seiner Mutter schon früh-zeitig zu allem Guten angehalten. Schon als Knabebetete er fleißig, ging gerne in die Kirche, hörte auf-merksam Gottes Wort an und las mit vieler Freude dieheilige Schrift. Eben so eifrig verlegte er sich späterans die Wissenschaften. Mit seinen Brüdern ging ernach Rom und bat den heiligen Papst Gregor II., ineinem Orte unweit der Stadt Rom in der Stille Gottdienen zu dürfen. Allein der heilige Vater sah an ihmeinen heiligen, in den W'cgen Gottes erfahrnen Mann,der zugleich alle äußerlichen Erfordernisse eines würdigenApostels besaß, weihte ihn zum Priester und Bischof,und gab ihm i. I. 716 die Vollmacht, wo ihn der GeistGottes hinführen würde, das Evangelium der Gnade zuverkünden. Er bezog nun in Frankreich sein ehemaliges
Kloster, ging aber bald, da er jetzt hier noch wenigerRuhe fand, durch Schwaben nach Regensburg, und be-zeichnete seine Schritte mit dem Segen des göttlichenWortes. Theodo II., Herzog in Bayern, versuchteAlles, um ihn zu vermögen, daß er in seinem Landebleiben und die Unwissenden ans die Wege des Heilesführen möchte. Aber vergeblich; er trat wieder den Wegnach Nom an, wo ihm der heilige Vater auftrng, nachDeutschlaud zurückzukehren. In Freising überließ ihmHerzog Grimoald nebst mehreren liegenden Gründenden Berg mit der alten Marienkirche und stiftete dortdas Bisthum Freising. Hier starb er nach einer segensvollen Amtsführung, und nachdem er noch zuvor dieheilige Messe gelesen hatte, sanft unter Bezeichnung mitdem heiligen Kreuze den 8. September 730. SeineReliquien ruhen zu Freising auf verschiedenen Altären.
Gebet. Verleihe uns, o Gott! ans die Fürbittedes heiligen Bischofs Korbinian, daß wir mit ebendemselben Eifer gegen unsere Mitmenschen die Werkeder Barmherzigkeit üben, mit welchem dieser dein treuerDiener unsere Voreltern ans den Fesseln des Unglaubensbefreit hat, durch Christum, unfern Herrn. Amen.
Zweihlttldertdreinndsünfzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 10. September.
Von den letzten zwei leiblichen Werken der Barmherzigkeit.
Fr. Was heißt: „die Kranken besuchen?"
Antw. Es heißt den Kranken Hilfe leisten, siebedienen und trösten.
Belehrung. Unter Krankenbesuch dürfen wir hierkeineswegs bloß eitlen Besuch verstehen, den wir nur zumZeitvertreib und mehr zum Nachtheile als zum Nutzen einesKranken unternehmen, sondern einen Besuch aus christlicherNächstenliebe, um den Kranken durch erbauliche Gesprächezu trösten, zum Vertrauen auf Gott zu ermuntern, ihn, wenner arm ist, zu verpflegen, ihm ärztliche Hilfe und besondersdie Tröstungen der heiligen Religion zu verschaffen, seineLeiden zu lindern und ihn nach Kräften zu bedienen, wie esz. B. der barmherzige Samariter gethan hat, undwie es noch heut zu Tage besonders die barmherzigenSchwestern und Brüder thun. Zur treuen Ausübungdieses leiblichen Werkes der Barmherzigkeit fordert uns schonder heilige Paulus (1. Thess. 5, 14.) auf mit den Worten:„Nehmet euch der Kranken an und habet mit Allen Geduld!"
Beispiele und Anwendung. Mit einer wahrhaftbewunderungswürdigen Nächstenliebe hat (nach Zeitungs-