Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
591
Einzelbild herunterladen
 

Am Feierabende des 9. September.

591

Beispiele und Anwendung. Dieses Werk der Barm-herzigkeit übten viele Diener Gottes im A. wie im N. T.,so z. B. der fromme Job, der von sich sagen konnte:Draußen blieb kein Fremdling; meine Thüre war offen demWanderer;" (31, 32.) Maria und Martha, die demgöttlichen Heilande, der nicht hatte, worauf er sein Haupthinlegte, den gleichen Dienst erwiesen; besonders aberAbraham, welcher drei Fremdlinge in sein Zelt aufnahm,sie reichlich bewirthete und ihre Füße wusch, deßhalb abervon ihnen, die Engel in Menschengestalt waren, die Ver-heißung vernahm, daß ihm in Jahresfrist werde ein Sohngeboren, und daß in ihm alle Völker der Erde sollten ge-segnet werden, sowie Loth, welcher die zwei Engel, dieihm im Stadtthore begegneten, ohne sie zu kennen, nöthigte,bei ihm einzukehren, sie sofort bewirthete, und über Nachtbehielt, und zum Danke dafür am folgenden Morgen vonihnen aus dem brennenden Sodoma geführt wurde, worüberPaulus bemerkt:Die Gastfreundschaft vergesset nicht;denn durch diese haben Einige, ohne es zu wissen, Engelbeherbergt." (Hebr. 13, 2.) Ueberhaupt ruht nicht seltengroßer Segen auf christlicher Gastfreundschaft, wie wir ausnachfolgender Erzählung ersehen. Einst wanderten beispäter Dämmerung durch einen Forst zwei Freunde, frohund jung; da macht ein Reitersmann bei ihnen Halt. Zeigt,"rief er,mir den Weg aus diesem Wald, in welchem ichmich auf der Jagd verirrt; doch wär' es allzu spät, nundann, so wird ein Nachtquartier mir noch willkommner sein;führt mich dahin, es wird euch nicht gereu'n; gewährt ihrmir das sichere Geleit, ist euch vom König selbst der Dankbereit." Gasparo hört's; die Sache scheint ihm schwer.Castro, sein Freund, besann sich nicht so sehr; mit raschemSchritte wandert er voraus und führt den Fremdling in seinVaterhaus. Hier pflegt er sein, nicht fragend nach demDank; gab ihm ein schlichtes Lager, Speis' und Trank, und

zeigte ihm beim ersten Morgengrau'n den sichern Weg durchWaldschlucht, Hag und Zaun; als plötzlich eine schmuckeReiterschaar im Forste rechts und links zu sehen war.Mit großer Freude sprengten kreuz und quer heran die glän-zenden Castilier; sie grüßten ihren König Suinka. Bangund betroffen stand sein Führer da; allein der König trösteteihn mild, an seiner Seite gnädig ihn behielt. Von jetzt anCastro bald, von Rang zu Rang, zu hoher Macht undWürde sich erschwang. Da hat Gasparo allzuspät gelernt,wie weit er sich von seinem Freund entfernt. Siehe, meinchristlicher Leser! so glänzend lohnt Gott oft schon auf Erdendie christliche Gastfreundschaft; in der Ewigkeit aber wird erallen Denen, die aus christlicher Nächstenliebe die Fremdenbeherbergt haben, zurufen:Was ihr Einem aus meinengeringsten Brüdern gethan habt, das habt ihr mir gethan."

Fr. Was heißt:die Gefangenen erledigen?"

Antw. Es heißt: unschuldig Gefangene, d. i.Solche, welche um des Glaubens, der Wahrheit undGerechtigkeit willen oder als falsch Angeklagte im Ge-fängnisse schmachten, loskaufen oder sonst auf rechtliche,christliche Weise zu befreien suchen, z. B. durch Fürbitte,Bürgschaft u. s. w. (Sieh das obige Bild!)

Belehrung und Beispiele. Zur Ausübung dieseschristlichen Werkes der Nächstenliebe fordert uns schon derheilige Paulus mit den Worten auf: Gedenket der Gefangenen,als wäret ihr mit ihnen gefangen!" (Hebr. 13, 3.) Undimmer hat es fromme Seelen gegeben, die dieses Liebeswerkauch mit Lust und Freude ausgeübt haben. Daniel nahmsich mit allem Eifer um die keusche Susan na, die unschuldigGefangene, an. Deßhalb verließ ihn aber auch Gott nicht,als er selbst unschuldig in der Löwengrube gefangen saß.Rüben hatte Mitleid mit seinem Bruder Joseph, als erin der Cisterne eingespcrrt war, und suchte ihn zu befreien.Die Gläubigen zu Damaskus befreiten den heiligen Paulusaus dem Gefängnisse, indem sie ihn in einem Korbe hcrabließen(Apostelg. 9.); und der Kerkermeister Julius behandelte ihnsehr liebevoll und gönnte ihm viele Freiheit. (Apostelg. 16,33.)Die Numidier, welche im Innern von Afrika wohnten, mach-ten öftere Streifzüge und verwüsteten viele Städte, die derrömischen Herrschaft unterthan waren. Sie führten ganzeHeerden von Christen beiderlei Geschlechts in die Gefangen-schaft. Der heilige Cyprian, Bischof von Carthago, welchernicht ohne Entsetzen die Gefahr vernahm, worin sich besonder«die christlichen Jungfrauen befanden, schickte mit Einverständnißseiner christlichen Gemeinde, die bedeutende Zuschüsse machte,siebentausendfünfhundert Pfund Silbers an die wilden Numi-dier, um diese Gefangenen auszulösen. Versäume auch