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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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590
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Viertes Hauptstück. Von den nächsten drei leiblichen Werken der Barmherzigkeit.

der Kranken, als die Trösterin der Betrübten, als dieZuflucht der Sünder, mit Einem Worte als die Mntterder Barmherzigkeit. (Sieh das obige Bild!) Dieseligste Jungfrau Maria stammte aus dem königlichenGeschlcchte Davids; Joachim und Anna waren ihreEltern. Durch Maria sind uns die größten Wohl-thaten und Gnaden zu Theil geworden; ebendeßhalb istmich der Tag ihrer Geburt für uns Alle ein Tag derFreude und des Dankes, den wir heute dem Allerhöchstendarbringen sollen. Freudig wollen wir zu Maria rufen:

Gebet. Du Mntter der Barmherzigkeit! wir fliehenmiter deinen Schutz und Schirm und bitten dich, erlöse unsvon allen Gefahren Leibes und der Seele und erflehe unsdie Gnade, daß auch wir gegen unfern Nächsten die Werkeder Barmherzigkeit üben, wie du sie geübt hast. Bittefür uns, o heilige GotteSgebärerin, ans daß wir theilhaftigwerden der Verdienste Jesu Christi! Amen.

Zweihnndertzweinndsünszigstes Lese stück.

Am Feierabende des 9 . September.

Von den nächsten drei leiblichen Werken der Barmherzigkeit.

Fr. Was heißtden Nackten bekleiden?"

AntW. Es heißt: Arme und Hilflose, die sich nichtehrlich kleiden können, mit Kleidungsstücken versehen,

dem Befehle der heiligen Schrift gemäß:Wenn dueinen Nackten siehst, so bekleide ihn!" (Jsai. 58, 7.)

Belehrung. Diesen Befehl beobachtete schon Job sogenau, daß er sagen konnte:Habe ich Den verachtet, derkein Gewand hatte, und den Armen ohne Decke? Segnetenmich nicht seine Lenden, (die ich kleidete), und ward er nichtwarm von den Fellen meiner Schafe?" (Job 31, 1920.)Deßgleichen meldet die heilige Schrift von Tobias:Erspeiste die Hungrigen und gab den Nackten Kleider" (1, 20.),und von der Tabitha, daß sie voll guter Werke gewesensei, namentlich aber für arme Wittwen Unter- und Ober-kleider verfertigt habe, weßhalb diese nach ihrem Tode jammerndum ihren Leichnam standen und dem heiligen Petrus ihrengroßen Verlust klagten, welcher sofort der Mutter der Armendie Rückkehr in's Leben erflehte. (Apg. 9.)

Beispiel und Anwendung. Auf eine gar rührendeWeise übte dieses leibliche Werk der Barmherzigkeit derheilige Martin aus, welcher in seiner Jugend Kriegsdienstebei einem Nciterregimente that. Mit Liebe nahm er sichaller Nothleidenden an und vertheilte oft seine ganze Löhnungunter die Armen. Eines Tages ritt er, noch als ein Ca-techumen, bei strenger Winterkälts auf seinem Pferde, undhatte Nichts als seine Waffen bei sich. Er sah bei demStadtthore vor Amiens einen nackten Bettler, der das Mit-leiden der Vorübergehenden vergebens anrief. Da zog ersein Schwert aus der Scheide, schnitt seinen Mantel entzwei,und gab ihm davon die Hälfte, auf daß er damit seineBlöße bedecken könnte. Manche von den umstehenden spottetennun über seinen entstellten Mantel; Andere fühlten sichbeschämt, nicht auch ein LiebeSwerk an dem Armen geübtzu haben. In der Nacht darauf hatte der heilige Martineine Erscheinung; er sah Jesnm Christum mit der Hälfteseines Mantels bedeckt, der zu den Engeln, die ihn umgaben,sagte:Mit diesem Mantel hat mich Martin, ob er gleichdie Taufe noch nicht empfangen hat, bekleidet."- lind wiesteht cs mit dir, mein Christ? Du hast dj§ heilige Taufebereits empfangen; übest du aber auch, wie St. Martin,dieses leibliche Werk der Barmherzigkeit? Kleidest du dieNackten nach deinem Vermögen? Ach, wie Vielen dürfte manmit dem heiligen Ambrosius zurufen:Was willst dudem Richter einst antworten? Die Wände kleidest du, undden Menschen kleidest du nicht? Den Kopf der Pferde schmückestdu, und deinen Bruder, der in zerrissenen Lumpen einhergeht,verachtest du?!"

Fr. Was heißtFremde beherbergen?"

AntW. Es heißt: verirrten Wanderern oder Rei-senden, welche keine Herberge bezahlen, haben oder er-reichen können, aus christlicher Nächstenliebe ein Obdachund die nöthige Verpflegung verschaffen.