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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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589
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Am Feierabende des 8. September.

Belehrung und Beispiele. Schon das Sprüchwortsagt es, daß der Hunger weh thue, und daß wir also die Hung-rigen speisen sollen. Hiezu ermahnt uns auch die heiligeSchrift durch Wort und Beispiel. So ruft uns der ProphetIsaias (58, 7.) zu:Brich den Hungrigen dein Brod!"und Eccl. 4, 2. heißt es:Einen Hungrigen sollst du nichtverachten." Dieser Aufforderung entsprechend, speiste schonJob die Hungrigen; daher sagt er von sich: ich meinenBissen allein; hat nicht auch die Waise davon gegessen?"<31, 17.) Ein Gleiches that Tobias, der in seiner Ge-fangenschaft seine hungrigen Brüder aufsuchte und speiste.(1, 20.) Die Wittwe von Sarepta speiste den hungerndenPropheten Elias, und Gott segnete ihren Liebesdienst dadurch,daß ihr Mehl und Oel nicht abnahm, und ihr gestorbener Sohnvom Propheten wieder zum Leben erweckt wurde. (3. Kön. 17.) Christus selbst übte dieses Werk der Barmherzigkeitmehrmalen. Es jammerte ihn des Volkes, welches aus Heiß-hunger nach seiner Lehre ihm nachfolgte und schon mehrere TageNichts gegessen hatte. Dcßhalb speiste er einmal fünftausendund ein andersmal viertausend Mann mit wenigen Brodcn.

Fr. Was heißtdie Durstigen tränken?"

Antw. Es heißt: Reisende, Arme und Krankedurch die nöthige Labung erquicken.

Belehrung. Noch viel schmerzlicher ist es, Durstleiden müssen, als Hunger; dennder Hunger thut nurweh, der Durst aber brennt." Darum hat selbst dergöttliche Heiland, das sonst so schweigsame und geduldigeLamm, voll brennenden Schmerzes ausgernfeu:Mich dürstet"(Ioh. 19, 28.); allen Denen aber, die dieses leibliche Werkder Barmherzigkeit ausübeu, hat er reichlichen Lohn versprochenmit den Worten:Wer Einem unter diesen Geringsten nureinen Becher kalten Wassers reicht im Namen eines Jüngers,wahrlich sage ich euch: er wird seinen Lohn nicht verlieren."(Matth. 10, 42.) Rebekka hat dieß erfahren. Sie hatdem treuen Diener Abrahams, Eliazar mit Namen, dervon der weiten Reise erschöpft war, zu trinken gegeben undauch seine müden Kameele getränkt. Dafür wurde sie vonGott zur Braut des frommen Patriarchen Isaak bestimmt.

Beispiel und Anwendung. Diese beiden leiblichenWerke der Barmherzigkeit, ja ich darf sagen, beinahe alleWerke der Barmherzigkeit übte uns zum nachahmungswür-digen Beispiele jener edle Kaiser von China, mit NamenHamti. Als er einst drei große Siege erfochten hatte,kam er in seine Residenzstadt Nankin zurück und wurdevon seinem Volke mit lautem Jubel empfangen. Es warder Gebrauch, daß bei solchen Gelegenheiten der Kaiser jeder-

zeit einen prächtigen Einzug in die Stadt hielt, wobei alleeroberten Waffen mitgetragen und alle Gefangenen in Kettenmitgeführt wurden; zugleich wurde die große Laterne an derResidenz, welche zehntausend Lampen hatte, angezündct, undauf den Stadtmauern wurden die prächtigsten Feuerwerkeabgebrannt. Auch dießmal erwartete das Volk, das schonauf die große Feierlichkeit begierig war, mit Ungeduld denEinzug, und als es noch keine Anstalten sah, so sing cs an,unruhig zu werd.cn und laut zu murren. Da der Kaiserdieses erfuhr, so ließ er öffentlich kund mache», daß er aufdas künftige Latcrnenfest den prächtigsten Triumph haltenwolle, wie noch keiner in China gesehen wurde. Das Volkwar über diese Gnade entzückt und versammelte sich an dembestimmten Tage vor dem kaiserlichen Palast. Nun öffnetensich die Thore, und der Kaiser erschien aber nicht in sei-ner Pracht, sondern ganz einfach und umgeben von Blinden,Lahmen und allerlei gebrechlichen, äußerst armen Menschen,deren Hunger und Durst er bei einem festlichenMahle reichlich gestillt hatte, und die nun nochobendrein neu gekleidet und auf ein ganzes Jahr mit Geldversehen waren. Der Kaiser sprach:Geliebte Unterthancn!drei Siege habe ich erfochten, den Feind vernichtet, und dasWohl des Reiches auf lange Jahre gegründet. Keine Pracht,kein Triumph ist im Stande, mich zu beglücken; ich fühlemich nur dann überglücklich, wenn ich die sanften Triebemeines Herzens befriedigen kann. Sehet hier diese bedauerungs-würdigen Menschen, diese armen Krüppel! Brodlos irrtensie umher; ihre Noth, ihr Kummer stieg von Tag zu Tag,und ein beschwerliches Alter beugte ihren Rücken; denn dasElend war ihre Gefährtin. Und sehet sie nun ! Die Thräuendes Kummers habe ich in Thränen der Freude verwandelt,ich habe sie gespeist und getränkt, gekleidet und reichlich be-schenkt; und die vielen Tausende, welche mein Einzug gekostethaben würde, habe ich verwendet, um mich in den Werkender Barmherzigkeit zu üben, und dieß sei mein Triumph!"Da sah der Kaiser umher und erblickte bei seinen guten Unter-tbanen häufige Thränen der tiefsten Rührung, und auf allenGesichtern malte sich Zufriedenheit und nugeheuchelter Beifall.Wenn in der Folge die Chinesen einem Unglücklichen Hilfe lei-steten, oder einen ärmeren Mitmenschen beschenkten, so sagtensie jederzeit zu ihrer Selbstzufriedenheit: Ich habe ein kaiser-liches Fest gehalten." Christ! lerne auch du von diesenbraven Chinesen die leiblichen Werke der Barmherzigkeit üben.DaS heißt in Wahrheit ein kaiserliches Fest halten; lernevon ihnen die Hungrigen speisen und die Durstigen tranken!

Legende: Mariä Geburt.

Heute feiert die Kirche das Gebnrtsfest der seligstenJungfrau und Gottesmutter Maria, und wie schön paßtdieses Fest zu dem heutigen Lesestnck! In Maria ist unsja heute geboren wordendie Mutter der Barm-herzigkeit;" sie ist es, die alle Werke der Barm-herzigkeit übte, die geistlichen und die leiblichen, undauch jetzt im Himmel noch ausübt. Mit Recht wird siedaher auch von der Kirche Gottes gepriesen als das Heil