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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
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586
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Viertes Hauptstück. Von der Feindesliebe; Beschaffenheit derselben.

für sie zu beten. Für sich selbst betend blieb er aufrechtstehen, für seine Feinde betend warf er sich auf die Kniee,weil," wie Augustin sagt,ihre hartnäckige Erbitterungdas Heilmittel eines kräftigen, flehentlichen Gebetes forderte." Wenn also die Heiligen Gottes den Feinden so groß-müthig verzeihen konnten, da ja auch sie nur Menschenwaren, warum solltest nicht auch du können, was diese ge-konnt haben? Willst du vielleicht aber auch hierauf wiederentgegnen:Ja! das sind Heilige gewesen; ich besitze einesolche Kraft nicht," so antworte ich dir mit dem heiligenAmbrosius:Wenn du diese Kraft noch nicht hast, so bitteGott darum, der sie dir gewiß geben wird!" Du kannstdieß an gar Vielen sehen, die gerade keine Heiligen waren,aber dennoch in der eben angegebenen Weise ihre Feindeliebten. Hiezu gehört z. B. die im Jahre 1850 verstorbenefromme Königin von Belgien. Es war im Winter desverhängnißvollen Jahres 1848, welches so viele Familien insElend stürzte, als Louise, die so eben genannte frommeKönigin von Belgien, deren mildthätiger Sinn allbekanntist, eines Abends bei ihren Ausgängen, um das Elend auf-zusuchen und demselben zu steuern, in Begleitung einer ihrerEhrendamen sich in eines jener Stadtviertel von Brüsselbegab, welche man so recht als die Wohnungen des Elendes,der Noth und Entbehrung betrachten konnte. Hier ging sievon Haus zu Haus, in jedem Trost und Unterstützung spendend,von jedem Dank und Segen mitnehmend. In einem derHäuser nun traf sie einen jungen, kräftigen Mann mit einemvor der Zeit gealtertem Weibe, beide in düsterer Stimmung.Im Ofen brannte kein Feuer, im Schranke fand sich keineBrodkrume. Die Königin, gerührt von so großer Dürftigkeit,fragte nach der Ursache derselben; der Mann antworteteaber nur durch ein paar nicht zurückgehaltene Thränen undeinen schrecklichen Fluch. Die Königin jedoch ließ sich nicht

abschrecken; sie fragte, ja sie bat um nähere Mittheilung,und dieß mit solcher Theilnahme, daß der Unglückliche endlichgestand, er sei ein französischer Rebelle und habe sich um einersichern Verurtheilung zu entgehen, nach Belgien geflüchtet;seine Mittel seien zu Ende, und er habe weder Verdienst nochUnterstützung.Aber," sagte die Königin,welches Gutehofften Sie denn von der Revolution? Welches Uebel wolltenSie in Frankreich ausrotten?" Bei diesen Worten brach derjunge Mann in eine Fluth von Flüchen und Verwünschungenaus; nur Eine Gnade verlangte er, nämlich die, mit eigenerHand den Tyrannen, das Ungeheuer von der Erde zu ver-tilgen Ludwig Philipp. Man kann sich denken,welch' schmerzlichen Eindruck diese Worte auf die guteKönigin Louise von Orleans, Tochter des vertriebenen Königs,machen mußten. Jndeß, eingedenk der Worte Jesu, daßman selbst seinen Feinden Gutes erweisen müsse, behielt sieihre Fassung und ließ sich in Nichts anmerken, wer sie war;nur richtete sie an den Flüchtling die weiteren Worte:Ludwig Philipp muß Ihnen viel Böses zugefügt haben,daß Sie solchen Haß gegen ihn hegen; wohlan denn, ich willIhnen dafür soviel Gutes erweisen, als der König IhnenBöses gethan haben kann." Und die edle Frau übergabdem Menschen, der keinen höhern Wunsch kannte, als derMörder ihresVaters zu werden, fünfzig Franken nebstdem Versprechen, daß künftighin für seine Bedürfnisse gesorgtwerden solle. Man kann sich leicht die Verwunderung desRebellen denken; dieselbe steigerte sich aber später zur höchstenBeschämung, als er durch einen Zufall erfuhr, wer seineWohlthäterin war. In eiliger Hast stürzte er zu ihr undbat um Verzeihung für die schwere Beleidigung; dieselbeward ihm auch vollständig zu Theil; denn das edle Herzkannte kein Gefühl der Rache; wohl aber hatte sie dieRettung eines Verirrten bezweckt, und in diesem Gefühlefand sie sich hinreichend belohnt. Glückselig alle Jene,die auf solche Weise ihren Feinden verzeihen!

Fr. Was sollen wir also thun: 1) wenn wirJemanden beleidigt haben, und 2) wenn wir von Jeman-den beleidigt worden sind?

Antw. 1) Wenn wir Jemanden beleidiget haben,so sollen wir hingehen und uns wieder mit ihm ver-söhnen; 2) wenn wir aber von Jemanden beleidigt wor-den sind, so sollen wir gerne die Hand zum Friedenbieten, von Herzen verzeihen und lieber Unrecht leiden,als Böses mit Bösem vergelten.

Belehrung. Versöhnlichkeit ist eine der vorzüglichstenTugenden des wahren Christen. Nie sollen wir die Sonneüber unserm Zorne untergehen lassen. Haben wir Je-manden beleidigt, so sollen wir hingehen und uns wiedermit ihm versöhnen. Denn also spricht der göttliche Heiland:Wenn du deine Gabe zum Mare bringst und dich daselbst