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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Am Feierabende des 7. September.

erinnerst, daß dein Bruder gegen dich Etwas habe; so laßdeine Gabe allda vor dem Altäre und geh' zuvor hin undversöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm undopfere deine Gabe!" (Matth. 5, 23 24.) Sind aberwir von Jemanden beleidigt worden, so sollenwir gerne die Hand zur Versöhnung und zum Frieden bieten,und lieber Unrecht leiden, als Böses mit Bösem vergelten.Darum schreibt schon der heilige Paulus an die Römer(12, 1719.):Vergeltet Niemanden Böses mit Bösem!Wenn es möglich ist, so habet, so viel an euch liegt, Friedemit allen Menschen. Rächet euch selber nicht, Geliebteste;denn es steht geschrieben: Mein ist die Rache, ich will ver-gelten, spricht der Herr."

Beispiel und Anwendung. Was kann es Schöneresgeben als ein friedfertiges, versöhnliches Gemüth! Möchtenalle Christen diese Zierde sich aneignen und an nachfolgendemBeispiele sich ein Muster nehmen! Zwei benachbarte Gemeindenwollten einst einen Prozeß mit einander beginnen, und allesReden zum Vergleich und alle Vorschläge zur Güte wolltennicht helfen; denn sie waren von Alters her einander nichtgut, und jede war der Meinung, von der andern sei ihrdas größte Unrecht widerfahren, und jetzt solle es einmalErnst werden. Da nun die beiden Gemeinden zum letztenMale beisammen waren, und die Klage beginnen sollte, standin der einen Gemeinde ein alter Bauer ans, der bishervergeblich zum Vergleich gerathen, und sagte:Brüder! esist eine wichtige Sache, die wir jetzt Vorhaben. Unsere Vor-fahren haben eine solche Angelegenheit allezeit mit Gebetanzefangen. So müssen wir cs auch machen. Zieht dieHüte ab und betet mit mir ein Bat er-Uns er!" Ersing an vorzubeten, und als er an den Schluß der fünftenBitte kam: W ie wir vergeben uns ernSchnldigern!"erhob er seine Stimme und schaute sich um unter den Be-tenden. Da verstummten sie und wollten nicht weiter beten,endlich sprachen sie:Er hat Recht, Friede, Friede sollsein!" und als dieser Beschluß gefaßt war, reichten sie sichdie Hände und beteten nun mit leichtem Herzen noch einmaldas Vater-Unser. Ist dieß nicht ein wahrhaft rührendesund nachahmungswürdiges Beispiel von Versöhnlichkeit?

Legende: Die heilige Jungfrau und Mär-tyrin Regina (fl 251).

Siehe, mein christlicher Leser! auch in der Legendebegegnet uns heute eine große Tngendhelvin, die unsin Bezug auf die Feindesliebe ein schönes Muster undVorbild ist. Die heilige Regina, deren Geburt derMutter das Leben kostete, wurde von dem Vater, einemGötzendiener, einer Amme, auf dem Lande zur Erzieh-ung übergeben. Diese war, ohne daß es bekannt wurde,eine fromme Christin; sie ließ daher ihre Pflegetochteralsbald taufen und erzog sie nach den Vorschriften des

Evangeliums. Das Kind nahm an Gnade und Liebens-würdigkeit zu, und kam als anfblühendes Mädchen indas väterliche Hans zurück. Da ihr Vater gar bald aufdie Vermnthung kam, daß sie eine Christin sei, so spracher zu ihr:Entweder mußt du dem Christenthume ent-sagen, oder mein Hans verlassen." Weil sie aber Gottmehr liebte, als den leiblichen Vater, so begab sie sichzu ihrer Pflegemutter, wo sie mehrere Jahre die Schafehütete. Als Olhbrius, der Statthalter des KaisersDezins, durch die Gegend zog, wo Regina ihre Heerdeweidete, wurde er so von leidenschaftlicher Liebe zu ihrgefesselt, daß er sie rufen ließ und ihr erklärte, sie zuheirathen. Mit züchtigem und würdevollem Ernste ant-wortete die christliche Jungfran:Ich habe schon einenBräutigam, von dem mich Nichts zn trennen vermag Jesnm Christum." Der Statthalter gab sich alleMühe, sic durch Verheißungen und Drohungen auf an-dere Gedanken zn bringen; fand sie aber unerschütterlich,und gab endlich Beseht, sie in einen Kerker zn werfen.Nachdem sie volle vier Wochen im Kerker mit Kettengebunden gewesen war, wurde sie wieder vor den Statt-halter gebracht, und da sie seine Anträge wiederholtabwies, grausam gegeißelt und neuerdings eingekerkcrt.Als sie nun da betend auf ihren Knieen lag, erhellteplötzlich ein überirdisches Licht das finstere Gewölbe, undein strahlendes Kreuz schwebte von Oben herab und mitihm eine schneeweiße Taube. Himmlischer Trost er-füllte die Jungfran, und augenblicklich waren alle ihreWunden geheilt. Sie erschien am folgenden Tage wie-der vor dem Nichterstuhl des Wütherichs, der sie noch-mals mit Schmeichelworten anging, und da er sie nurnoch standhafter im Glauben fand, sie jetzt mit eisernenKrallen und brennenden Fackeln martern und endlich

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