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Am Feierabende des 6. September.
sich gekommen war. Dann schickte er ihm noch seinen Arztund am folgenden Tage einen seiner Kammerdiener zu, wel-cher sich nach dem Befinden des armen Mannes erkundigenmußte. Welch' ein schönes Beispiel von allgemeinerNächstenliebe hat uns hier der heilige Vater gegeben! Er sahnicht auf den Stand, nicht auf das Glaubensbekenntniß, son-dern half dem Unglücklichen, weil es ein Mensch, weil essein Nächster war. Als treue Kinder und Verehrer des hei-ligen Vaters sollen auch wir seinem Beispiele folgen undthun, wie er gethan.
Legende: Der heilige Laurentius Iusti -nianus, Patriarch von Venedig (ch 1455).
Auch die Kirche begeht heute das Fest eines
liebe voranleuchtet. Es ist dieß der heilige La urentiusJustin ianus, geboren 1380 zu Venedig aus der edlenFamilie I u st iniani. Frühzeitig verlor er seinen Vaterund zeigte schon in den Knabenjahren einen außerordent-lichen Ernst. Venedig war damals den Schwelgereienganz ergeben; der junge Laurentius aber lebte in derEinfachheit und Sittenstrenge der ersten Christen. DieAbtödtung und Selbstverlciugnung, verbunden mit Demuthund Liebe zu den Armen, stellten sich bald als Grnnd-züge im Charakter desselben heraus. Vor dem Crucifixeund dem Bilde der seligsten Jungfrau entschied er. seineStandeswahl, und trat in die Congregation der regu-lirten Chorherrn ein. Hier leuchtete Laurentius alsMuster des Ordenlebens, als christlicher Dulder in großenkörperlichen Leiden, als Liebhaber der . Armuth, undwar demüthig genug, Spott und Verachtung von Seited^r Welt hinzunehmen. Ein so Helles Licht sollte aufden Leuchter gestellt werden. Papst Eugen IV. ernannte
den heiligen Laurentius i. I. 1433 zum Bischof vonVenedig, und nach kurzer Zeit erkannte derselbe Eugendie apostolische Thätigkcit des Bischofes von Venedig,und nannte ihn vor den Cardinälen „die Zierde undEhre des Episkopates." Laurentius übte als Bischof miteben der Strenge die Abtödtung und Selbstverläugnung,auch dann noch, als ihn Papst Nikolaus V. i. I. 1451mit der Würde eines Patriarchen bekleidete. Arm undauf dem Boden liegend starb er auch i. I. 1455. SeineHeiligsprechung erfolgte unter Papst Alexander VIII.i. I. 1690.
Gebet. O Herr, der du dem heiligen Lau-rentius eine so große Liebe gegen seine Mitmenschen,besonders aber gegen die Armen gegeben hast, wir bittendich, verleihe auch uns diese Liebe, damit wir dadurchdeinen heiligen Willen vollziehen, durch Jesum Christum,unfern Herrn. Amen.
Zweihundertnenmmdvlerzlgstes Lesestück.
Am Feierabende des 6. September.
Von der Feindesliebe; Beweggründe hiezn.
Fr. Da unsere Liebe, wie gesagt, allgemeinsein muß, — was folgt daraus?
Antw. Daraus folgt, daß wir alle Meuschenohne Ausnahme, also auch unsere Feinde lieben müssen.
Fr. Warum sollen wir unsere Feinde lieben?
Antw. 1) Weil es Gott der Herr gebietet, und2) weil Jesus, unser göttliches Vorbild, uns das Beispielder Feindesliebe gegeben hat.
Belehrung. 1) Gott der Herr selbst verlangtes von uns, daß wir unsere Feinde lieben sollen.Wir finden dieß ausgesprochen im A. wie im N. T. Schondurch Moses ließ Gott dem Volke Israel sagen: „Du sollstdeinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen.... Du sollstnicht Rache suchen, noch des Unrechtes deiner Mitbürgergedenken!" (3. Mos. 19 , 17 — 18 .) Im N. T. wirddie Feindesliebe vom göttlichen Heiland nock> weit nachdrück-licher aubefchlen. Die Schriftgelehrten und Pharisäer gabennämlich dem Gesetze der Nächstenliebe, um ihre Lieblosigkeitzu rechtfertigen, eine willkührliche Deutung, indem sie sagten:„Du sollst deinen Nächsten lieben, deinen Feind aber hassen"(Matth. 5, 43.), als wenn unser Feind nicht auch unserNächster wäre. Da trat nun Christus dieser willkührliche»Erklärung der Pharisäer entgegen und sprach: „Ihr habet